{"id":894,"date":"2008-04-14T12:03:39","date_gmt":"2008-04-14T11:03:39","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=894"},"modified":"2008-04-14T14:48:37","modified_gmt":"2008-04-14T13:48:37","slug":"das-wissenschaftliche-sachbuch-des-jahres-2008-medizin-frauen-sind-anders-krank-als-manner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=894","title":{"rendered":"Das wissenschaftliche Sachbuch des Jahres 2008 (Medizin): Frauen sind anders krank als M\u00e4nner"},"content":{"rendered":"<p>Die Universit\u00e4tsbibliothek unterst\u00fctzte die Initiative f\u00fcr die Wahl zum wissenschaftlichen Sachbuch des Jahres.<\/p>\n<p>Sie konnten in vier Kategorien maximal ein Buch w\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>Den jeweils 1. Platz in ihrer Kategorie belegen:<\/p>\n<blockquote><p>Rudolf Taschner: Zahl Zeit Zufall      <\/p>\n<p>Christina v. Braun, Bettina Mathes: Verschleierte Wirklichkeit   <\/p>\n<p>Nikolaus N\u00fctzel: Sprache oder Was den Mensch zum Menschen macht<\/strong><\/p>\n<p><strong>Angelika Vo\u00df: Frauen sind anders krank als M\u00e4nner<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p><img src='https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/04\/01.jpg' alt='01' \/><\/p>\n<p>Das Siegerbuch <\/p>\n<p><strong>Angelika Vo\u00df: Frauen sind anders krank als M\u00e4nner<\/strong><\/p>\n<p>sowie alle nominierten B\u00fccher in der Kategorie Medizin\/ Gesundheit<\/p>\n<p>k\u00f6nnen Sie \u00fcber unsere Bibliothek entlehnen&#8211;><a href=\"http:\/\/opac.meduniwien.ac.at\/F\/?func=find-b&#038;request=Pauen+Mensch+OR+Gruss+Alterns+OR+Haller+Ungl%C3%BCck+OR+Siefer+Tatort+OR+Vo%C3%9F+anders&#038;find_code=WRD&#038;adjacent=N\">OPAC-LINK<\/a><\/p>\n<p>Folgender Text und das Interview sind entnommen aus:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.woche-des-wissens.at\/\">http:\/\/www.woche-des-wissens.at\/<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00dcber das Buch: <\/strong><br \/>\nEigentlich ist die Feststellung, dass sich M\u00e4nner und Frauen grunds\u00e4tzlich unterscheiden, banal \u2013 dennoch hat sich diese Erkenntnis bei der Behandlung diverser Krankheiten noch nicht wirklich durchgesetzt. Es gibt nat\u00fcrlich Frauen\u00e4rzte und geschlechtsspezifische Erkrankungen, wie Brust- oder Prostatakrebs, doch dar\u00fcber hinaus sind auch bei vielen anderen Erkrankungen, je nachdem es sich um eine Frau oder einen Mann handelt, verschiedene Behandlungsans\u00e4tze erforderlich. Nicht jede Therapie f\u00fchrt bei beiden Geschlechtern zum optimalen Ergebnis. Auch Medikamente k\u00f6nnen unterschiedliche Wirkungen haben. Plausibel ist, dass w\u00e4hrend des Monatszyklus oder einer Schwangerschaft bestimmte Medikamente nicht eingenommen werden d\u00fcrfen. Doch gibt es auch diverse geschlechtsspezifische Unterschiede bei Arzneimittelwirkungen. Bei einer Behandlungsmethode mit einem bestimmten Medikament klagten Frauen beispielsweise viel h\u00e4ufiger \u00fcber Nebenwirkungen als M\u00e4nner. Als dieser Umstand untersucht wurde, zeigte sich, dass dieses Medikament vorwiegend bei M\u00e4nnern getestet wurde. Frauen spielen in den Medikamentenstudien kaum eine Rolle. Deshalb enthalten auch die Beipackzettel in den wenigsten F\u00e4llen spezielle Hinweise f\u00fcr Frauen, die \u00fcber Angaben zur Einnahme w\u00e4hrend der Schwangerschaft hinausgehen.<\/p>\n<p><strong>Zur Autorin:<\/strong><br \/>\nAngelika Vo\u00df ist Humanbiologin und Expertin f\u00fcr geschlechtsspezifische Forschung. Die moderne Medizin muss ihrer Ansicht nach diese Thematik ber\u00fccksichtigen. In ihrer Einf\u00fchrung, die auch ausf\u00fchrlich auf klinische Studien eingeht, pl\u00e4diert sie f\u00fcr eine geschlechtssensible Medizin und stellt auch die wichtigsten Medikamente vor, die bei M\u00e4nnern und Frauen unterschiedliche Wirkungen entfalten k\u00f6nnen. Ein Glossar und Buchtipps zum Weiterlesen runden das Buch ab.<\/p>\n<p><strong>Der lange Weg zur Akzeptanz<br \/>\nInterview mit Angelika Vo\u00df \u00fcber geschlechterspezifische Medizin und die Fragestellungen, die sich damit noch verkn\u00fcpfen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Buchkultur<\/strong>: Seit wann gibt es die geschlechterspezifische Medizin eigentlich?<\/p>\n<p><strong>Angelika Vo\u00df<\/strong>: Die Anf\u00e4nge gehen auf Studien zur Frauengesundheitsforschung in den 70er Jahren zur\u00fcck, doch so richtig kann man erst seit Mitte der 90er Jahre in den USA oder den skandinavischen L\u00e4ndern von geschlechtsspezifischer Medizin sprechen. In Deutschland ab etwa 2000. Fr\u00fcher ist man den speziellen Fragestellungen nicht so intensiv nachgegangen, obwohl nat\u00fcrlich schon l\u00e4nger bekannt war, dass es Unterschiede gibt.<\/p>\n<p><strong>Buchkultur<\/strong>: Warum hat es eigentlich so lange gedauert?<\/p>\n<p><strong>Vo\u00df<\/strong>: Es braucht seine Zeit, bis sich Erkenntnisse aus der Wissenschaft sich in die Praxis umsetzen lassen. Das gro\u00dfe Problem war, wie sich sozialwissenschaftliche Fragestellungen mit naturwissenschaftlichen in Beziehung setzen lassen. Au\u00dferdem waren bestimmte Fachrichtungen in der Medizin eher frauenfeindlich ausgerichtet und zudem bestand die Bef\u00fcrchtung, in die Ecke der radikalen Frauenbewegung gestellt zu werden.<\/p>\n<p><strong>Buchkultur<\/strong>: Seit wann setzen Sie sich damit auseinander?<\/p>\n<p><strong>Vo\u00df<\/strong>: Ich selbst komme aus der Geschlechterforschung und habe mich seit Anfang der 90er Jahre damit besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p><strong>Buchkultur<\/strong>: Wie ist die Akzeptanz aus Ihrer Sicht?<\/p>\n<p><strong>Vo\u00df<\/strong>: Heute setzt sich die geschlechterspezifische Medizin weltweit durch. Als ich von 2001 bis 2003 eine Studie zu Ausbildungsverh\u00e4ltnissen im medizinischen Bereich durchf\u00fchrte, war weltweit zu dieser Thematik nichts zu finden. Es gab nur einzelne Veranstaltungen, gewisserma\u00dfen Ausnahmef\u00e4lle. Mittlerweile l\u00e4sst sich von einer breiten Akzeptanz sprechen. Die geschlechtsspezifische Medizin wird als Notwendigkeit betrachtet. Es geht darum, auch psychosoziale Fragestellungen einzubinden. Au\u00dferdem muss \u00fcberpr\u00fcft werden, ob die Resultate dem entsprechen, was dahinter liegt oder anders, bewerte ich Unterschiede als zu hoch? Sind nicht andere Fragestellungen wichtiger?<\/p>\n<p><strong>Buchkultur<\/strong>: Wie ist es eigentlich bei Kindern mit den geschlechterspezifischen Unterschieden in der Medizin?<\/p>\n<p><strong>Vo\u00df<\/strong>: Unter dem Aspekt der Medikamentenverordnung achtet man bei Kindern weniger darauf, sondern mehr auf Entwicklung und Verlauf von Krankheiten. Ein \u00e4hnliches Problem gibt es mit \u00e4lteren Menschen. Man sieht, dass es Unterschiede gibt, doch muss da etwa auch der ver\u00e4nderte Hormonhaushalt ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p><strong>Buchkultur<\/strong>: Worin bestehen eigentlich die Unterschiede?<\/p>\n<p><strong>Vo\u00df<\/strong>: Sie lassen sich grob in drei Kategorien einteilen. Einmal die biologischen Unterschiede, wie andere Chromosomen, Hormone, Stoffwechselunterschiede, dann die Gef\u00e4\u00dfdicke oder die Knochendichte. Das merkt man etwa bei k\u00fcnstlichen Kniegelenken, die bei Frauen viel schm\u00e4ler gebaut sind. Dann das Gesundheitsverhalten. Darunter f\u00e4llt das Vorsorgeverhalten, die Krebsfr\u00fcherkennung, das Ern\u00e4hrungsverhalten oder der Umgang mit Drogen, wie Alkohol. Frauen bauen Alkohol schlechter ab, trotzdem kommt es zu einem Angleichen der Spiegel und das hat wahrscheinlich negative Auswirkungen f\u00fcr Frauen.<br \/>\nSchlie\u00dflich noch die sozialen Komponenten, wie das Lebens- und Arbeitsverhalten. Hierbei sind auch Fragen der Arbeitsmedizin einzubeziehen, dann das Thema der Gewalt, wie h\u00e4usliche und strukturelle Gewalt. Es gibt auch strukturelle Unterschiede in der medizinischen Versorgung. Wenn in \u00d6sterreich von 100 Lufttransporten bei Herzinfarkten zu 100 Prozent nur M\u00e4nner betroffen sind, muss ich doch nachfragen.<\/p>\n<p><strong>Buchkultur<\/strong>: Gibt es heute eigentlich noch Widerst\u00e4nde gegen die geschlechterspezifische Medizin?<br \/>\n<strong><br \/>\nVo\u00df<\/strong>: Die Situation bessert sich zusehends. In Hannover veranstaltet die \u00c4rztekammer Vortr\u00e4ge zu dem Thema. Dann gibt es Anregungen, dass im Beipackzettel eines Medikaments die unterschiedlichen Wirkungen auf M\u00e4nner und Frauen beschrieben werden. Widerst\u00e4nde gibt es noch in der privaten Forschung, wegen der Bef\u00fcrchtung, dass sich die Entwicklung verteuern w\u00fcrde, wenn auch Frauen als Probanden n\u00f6tig werden.<\/p>\n<p><strong>Buchkultur<\/strong>: Welche Perspektiven sehen Sie noch in der weiteren Forschung?<\/p>\n<p><strong>Vo\u00df<\/strong>: Viele Fragen sind noch offen. Bei vielen Unterschieden wissen wir nicht, warum sie sich so auswirken und woher sie eigentlich kommen, etwa im Schmerzbereich. Oder in der Transplantationsmedizin, es gibt Unterschiede bei der Annahme von Nierenspenden etwa. Dann m\u00fcssen auch unterschiedliche Bev\u00f6lkerungsgruppen ber\u00fccksichtigt werden und untersucht, welche Therapiema\u00dfnahmen sinnvoll sind, was st\u00e4rker motiviert oder wo sich positive Vorbilder finden lassen.<\/p>\n<p>Beitrag zum Thema:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=580\">LINK&#8211;>W\u00e4hlen Sie das beste Wissenschaftsbuch!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Universit\u00e4tsbibliothek unterst\u00fctzte die Initiative f\u00fcr die Wahl zum wissenschaftlichen Sachbuch des Jahres. Sie konnten in vier Kategorien maximal ein Buch w\u00e4hlen. Den jeweils 1. Platz in ihrer Kategorie belegen: Rudolf Taschner: Zahl Zeit Zufall Christina v. 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