{"id":8817,"date":"2011-05-05T07:11:44","date_gmt":"2011-05-05T06:11:44","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=8817"},"modified":"2011-05-19T12:04:00","modified_gmt":"2011-05-19T11:04:00","slug":"traufkinder-ein-besonderer-umgang-mit-ungetauft-verstorbenen-kindern-in-der-fruhen-neuzeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=8817","title":{"rendered":"&#8222;Traufkinder&#8220; &#8211; Ein besonderer Umgang mit ungetauft verstorbenen Kindern in der Fr\u00fchen Neuzeit"},"content":{"rendered":"<p>Wir freuen uns, Frau <strong>Petra Lindenhofer <\/strong>zu einem Josephinum &#8211;\u00a0 Seminar begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<blockquote><p>Ort: Lesesaal des Josephinum, (W\u00e4hringer Stra\u00dfe 25, A-1090 Wien)<\/p>\n<p>Zeit: 16. Mai 2011, 16.00 c.t.<\/p>\n<p>Kontakt: sammlungen@meduniwien.ac.at<\/p>\n<p>                 +43\/1\/40160\/26001<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a0<br \/>\n<strong>&#8222;Traufkinder&#8220; &#8211; Ein besonderer Umgang mit ungetauft verstorbenen Kindern in der Fr\u00fchen Neuzeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Petra Lindenhofer<\/strong><\/p>\n<p>Geburtshilfe und Anweisungen an die aus\u00fcbenden Personen waren lange Zeit prim\u00e4r darauf ausgerichtet, den Prozess der Niederkunft so zu steuern und zu beeinflussen, um dem Kind den Empfang der heiligen Taufe zu erm\u00f6glichen. Der Aspekt der Religion spielte also bereits in den ersten Stunden, in welchen ein neues Leben geboren wurde, eine gewichtige Rolle. War ein Kind ohne Taufe verstorben, bedeutete dies f\u00fcr die Eltern neben Trauer und Kummer \u00fcber den Verlust, auch immer Grund zur Sorge was das ewige Heil ihres Kindes im Jenseits betraf. Sie durften ihren Nachwuchs nicht am Friedhof, oder wenn, dann nur in einem abgegrenzten, etwas abseits gelegenen Areal, einem \u201eKetzer\u201c gleich, beisetzen. F\u00fcr ein christliches Begr\u00e4bnis und der damit verbundenen Bestattung in geweihter Erde fehlte ihnen mit dem Empfang des Taufsakramentes die notwendige Voraussetzung. Eine w\u00fcrdige, repr\u00e4sentative Beisetzung blieb ihnen versagt. Auch die Prognose das Jenseits betreffend, verhie\u00df nichts Gutes. F\u00fcr ein ungetauft verstorbenes Kind hatte die christliche Glaubensvorstellung nicht den erl\u00f6senden Himmel vorgesehen, sondern ihm wurde ein Platz im \u201eLimbus puerorum\u201c, einem Ort zwischen Himmel und H\u00f6lle, von wo es keine Erl\u00f6sung gab, zugewiesen. Um es tunlichst vor diesem Verh\u00e4ngnis zu bewahren, entwickelte man verschiedenartige Taufpraktiken, welche bei Bedarf eingesetzt werden konnten. Rasch vollzogene Nottaufen (getauft wurden im katholischen Bereich \u201ealle unzeitigen Geburten, wessen Zeit sie immer sind, sofern sie nur nicht augenscheinlich verfaulet sind\u201c), Taufe \u201ein utero\u201c, aber auch Wallfahrten mit toten Kindern und das Hoffen auf kurzzeitige Erweckung zur Taufe, legten beredtes Zeugnis ab, dass sich viele Eltern nicht mit dem Schicksal abfinden wollten, welches ihren ungetauften toten Kindern von offizieller kirchlicher Seite zugedacht worden war. In diesem Zusammenhang schienen manche Angeh\u00f6rige auch auf eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Form der Bestattung zur\u00fcckgegriffen zu haben: Das Begraben des toten Kinderk\u00f6rpers unter der Dachtraufe von Kirchen oder Kapellen (\u201eTraufkinder\u201c). Im Volksglauben hielt sich die Meinung, durch das herab rieselnde Wasser k\u00f6nnte dem Kind noch \u201enachtr\u00e4glich\u201c das Sakrament der Taufe gespendet und diesem so der Weg in den Himmel er\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p>Petra Lindenhofer, geboren 1977 in Melk, studiert Geschichte an der Universit\u00e4t Wien (Diplomarbeit am Josephinum). Seit 2001 ist sie in der Wiener Hofburg in den Kaiserappartements, der Silberkammer sowie dem Sisi Museum t\u00e4tig<\/p>\n<p>Das Team der Abteilung \u201eDepartment und Sammlungen f\u00fcr Geschichte der Medizin\u201c freut sich \u00fcber Ihren Besuch!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir freuen uns, Frau Petra Lindenhofer zu einem Josephinum &#8211;\u00a0 Seminar begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen. Ort: Lesesaal des Josephinum, (W\u00e4hringer Stra\u00dfe 25, A-1090 Wien) Zeit: 16. Mai 2011, 16.00 c.t. 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