{"id":733,"date":"2008-02-15T13:20:20","date_gmt":"2008-02-15T12:20:20","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=733"},"modified":"2011-02-08T14:51:22","modified_gmt":"2011-02-08T13:51:22","slug":"boten-des-fruhlings-1teil-huflattich-hortus-eystettensis-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=733","title":{"rendered":"Boten des Fr\u00fchlings (1.Teil): Huflattich (Hortus Eystettensis 7)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Boten des Fr\u00fchlings (1.Teil): Huflattich<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=734\">Boten des Fr\u00fchlings (2.Teil): Kuhschelle&#8211;>LINK<\/a> erscheint am 27.02.08<\/p>\n<p><img src='https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/tussilago2.jpg' alt='Tussilago Margrit Hartl' \/><\/p>\n<blockquote><p>Auf den letzten Seiten des Buches begegnen wir noch in der Abteilung \u201eWinter\u201c bereits Boten des Fr\u00fchlings. F\u00fcnf nur scheinbar unscheinbare Pflanzen werden auf einer Seite dargestellt und zusammengefasst: Der Huflattich, Tussilago farfara, in der Mitte wird flankiert von der Fr\u00fchlings-Kuhschelle, Pulsatilla vernalis, und der gemeinen Kuhschelle, Pulsatilla vulgaris. Darunter finden sich noch das Wechselbl\u00e4ttrige Milzkraut, Chrysosplenum alternifolium, und das Busch-Windr\u00f6schen, Anemone nemorosa. Alle diese Pflanzen kennen und sch\u00e4tzen wir von ersten Spazierg\u00e4ngen im Fr\u00fchling \u2013 bringen sie doch die so ersehnten Farben in die Natur zur\u00fcck.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Tussilago <\/strong><\/p>\n<p>Sobald der letzte Schnee auf trocken-warmen Standorten mit durchl\u00e4ssigem Boden, also vor allem auf D\u00e4mmen, Strassenb\u00f6schungen, Steinbr\u00fcchen und unbefestigten Wegen geschmolzen ist, erscheinen oft noch im <strong>Sp\u00e4twinter<\/strong> die <strong>goldgelben Bl\u00fcten<\/strong> des <strong>Huflattich<\/strong>.<br \/>\nGleich allen <strong>Korbbl\u00fctlern (Asteraceae)<\/strong> sind es Bl\u00fctenst\u00e4nde, die sich aus ca. <strong>300 weiblichen Zungenbl\u00fcten <\/strong>au\u00dfen und <strong>30 bis 40 m\u00e4nnlichen R\u00f6hrenbl\u00fcten<\/strong> zusammensetzen. Diese Bl\u00fctenst\u00e4nde bieten Insekten im Vorfr\u00fchling Nahrung und werden so gleichzeitig von Bienen, K\u00e4fern und Fliegen best\u00e4ubt. Der oft ung\u00fcnstige Standort der Pflanze bedingt einen <strong>gro\u00dfen Wurzelstock<\/strong> mit kriechenden bis zu <strong>2 m langen unterirdischen Wurzelausl\u00e4ufern<\/strong>. Dieser lange Wurzelstock wird in der Abbildung des Buches versucht beschnitten wiederzugeben. Nach der Reife bilden die Bl\u00fctenk\u00f6pfchen einen silbrig-schimmernden <strong>Pappus als Samenstand <\/strong>aus, dessen <strong>Schirmflieger<\/strong>, gleich dem gew\u00f6hnlichen L\u00f6wenzahn durch den Wind verbreitet werden (Pusteblume). Die <strong>Bl\u00e4tter<\/strong> erscheinen erst nach der Bl\u00fcte und erreichen <strong>10-20 cm Durchmesser<\/strong>. Sie zeigen eine <strong>Z\u00e4hnung und sind herz-huff\u00f6rmig<\/strong>. Dies gab der Pflanze den <strong>deutschen Namen<\/strong>. Die Unterseite der Bl\u00e4tter ist <strong>stark behaart<\/strong>. Das lateinische Art-<strong>Epitheton farfara <\/strong>nimmt darauf Bezug, denn die flaumige Behaarung, l\u00e4sst die Bl\u00e4tter wie mehlig best\u00e4ubt erscheinen (far, farina = Mehl, ferre = tragen). Aufgrund der Beschaffenheit und Gr\u00f6\u00dfe hat sich bei Naturliebhabern der die Verwendung beschreibende Name <strong>\u201edes Wanderers Klopapier\u201c<\/strong> verbreitet\u2026.Die Bl\u00e4tter \u00e4hneln stark den Bl\u00e4ttern der wei\u00dfen <strong>Pestwurz<\/strong>, <strong>Petasites albus<\/strong>, die jedoch noch gr\u00f6\u00dfer werden und deren Aderung auf der R\u00fcckseite deutlicher sichtbar ist. Die <strong>Pestwurz wird im Hortus Eystettensis<\/strong> nur ein Blatt fr\u00fcher abgebildet. Aufgrund der leichten Verwechslung der beiden Pflanzen ist die seit der Antike bekannte arzneiliche Verwendung in Misskredit gefallen. Dem Gattungsnamen <strong>Tussilago<\/strong> entsprechend (<strong>tussis = Husten<\/strong>, Suffix \u2013ago von agere = vertreiben) wurden die getrockneten Bl\u00e4tter fr\u00fcher bei <strong>Atemwegserkrankungen<\/strong> zu <strong>R\u00e4ucherungen<\/strong> und in <strong>Hustentees <\/strong>verwendet. Enthaltene Polysacharide und Schleimstoffe wirken hustenzeizstillend. Aufgrund der durch moderne Forschungsarbeiten gefundenen im Huflattich enthaltenen <strong>Pyrrolizidinalkaloide<\/strong> wurde die medizinische Verwendung wurde daher stark eingeschr\u00e4nkt, bzw. in <strong>\u00d6sterreich beh\u00f6rdlich untersagt<\/strong>. Diese Inhaltsstoffe deuten jedoch auf ein erh\u00f6htes <strong>Krebsrisiko<\/strong> und eine lebersch\u00e4digende Wirkung hin. Ein Zusammenhang mit akuten Vergiftungsf\u00e4llen konnte jedoch nicht nachgewiesen werden und die toxische Wirkung wird durch eine <strong>Verwechslung mit Pestwurz<\/strong> erkl\u00e4rt. Heute geht die Pharmakognosie davon aus, dass die Menge an toxischen Inhaltsstoffen zu gering ist um f\u00fcr die teils schwerwiegenden Leberver\u00e4nderungen verantwortlich gemacht zu werden. Auch die traditionelle Anwendung \u00fcber Jahrhunderte spricht gegen die beschriebene Gef\u00e4hrlichkeit. Um jedenfalls sicher zu gehen, gelang es in den letzten Jahren Huflattichpflanzen zu finden und kultivieren, die frei von Pyrrolizidinalkaloiden sind.<\/p>\n<p><img src='https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/tussilago1.jpg' alt='Tussilago Margrit Hartl' \/><\/p>\n<p><img src='https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/petasites1.jpg' alt='Petasites Margrit Hartl' \/><\/p>\n<blockquote><p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge von <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=322\">Mag. Gilbert Zinsler<\/a>:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=734\"><strong>Boten des Fr\u00fchlings (2.Teil): Kuhschelle (Hortus Eystettensis 08)<\/strong><\/a> erscheint am 27.02.08<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=555\">Kartoffel &#8211; oder wie Amerika die Welt ver\u00e4nderte (Hortus Eystettensis 06)<\/a><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=477\"><strong>Artischocke &#8211; Verdauungsf\u00f6rderndes f\u00fcr das weihnachtliche Festmahl (Hortus Eystettensis 05)<\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=434\">Gastbeitrag zum Hortus Eystettensis: Capsicum sp. (Hortus Eystettensis 04)<\/a><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=399\"><strong>Gastbeitrag zum Hortus Eystettensis \u2013 botanische Sammelleidenschaft und barocke Pracht (Hortus Eystettensis 03)<\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=412\"><strong>Gastbeitrag zum Hortus Eystettensis: Tabak (Hortus Eystettensis 02)<\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=427\"><strong>Gastbeitrag zum Hortus Eystettensis: Botanik im Spiegel der Jahreszeiten (Hortus Eystettensis 01)<strong><\/strong><\/a><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Boten des Fr\u00fchlings (1.Teil): Huflattich Boten des Fr\u00fchlings (2.Teil): Kuhschelle&#8211;>LINK erscheint am 27.02.08 Auf den letzten Seiten des Buches begegnen wir noch in der Abteilung \u201eWinter\u201c bereits Boten des Fr\u00fchlings. 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