{"id":68,"date":"2006-10-20T13:21:25","date_gmt":"2006-10-20T12:21:25","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=68"},"modified":"2007-01-17T13:17:21","modified_gmt":"2007-01-17T12:17:21","slug":"heinrich-obersteiner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=68","title":{"rendered":"Heinrich OBERSTEINER"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/content\/bilder\/allg\/obersteinersehrklein_Unterschrift.jpg\" alt=\"Obersteienr\" \/><\/p>\n<p>Obersteiner Heinrich (1847-1922)<br \/>\nGr\u00fcnder des  weltweit \u00e4ltesten Neurologischen Institutes<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/content\/pdf\/werkverzeichnis.pdf\">Werkverzeichnis&#8211;>PDF<\/a><\/p>\n<p>\u00b7\t<a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/content\/pdf\/Obersteiner1.pdf\">Heinrich Obersteiner zu seinem 70. Geburtstag, in: Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 46, 10. November 1917, S. 2013-2016.&#8211;>PDF<\/a><br \/>\n\u00b7\tMarburg Otto, Heinrich Obersteiner. Gedenkrede anl\u00e4sslich der am 5. Dezember 1922 stattgehabten Trauersitzung des Vereines f\u00fcr Psychiatrie und Neurologie in Wien, in: Arbeiten des neurologischen Institutes an der Universit\u00e4t Wien, Bd. XXIV, Leipzig-Wien 1923, S. V-XXXII.<br \/>\n\u00b7\t<a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/content\/pdf\/Obersteiner3.pdf\">Erinnerungen an Heinrich Obersteiner zum 31. Juli 1957, in: Wiener Klinische Wochenschrift, Nr. 30, 26. Juli 1957, S. 537-538. &#8211;>PDF<\/a><br \/>\n\u00b7\t<a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/content\/pdf\/Obersteiner4.pdf\">Sch\u00fclerverzeichnis des Neurologischen Institutes aus der Zeit vor 1907, Sch\u00fclerverzeichnis: aus: Marburg Otto, Zur Geschichte des Wiener neurologischen Institutes, in: Festschrift zur Feier des 25j\u00e4hrigen Bestandes des Neurologischen Institutes (Institut f\u00fcr Anatomie und Physiologie des Zentralnervensystems) an der Wiener Universit\u00e4t, 1. Teil (XV. Band), Leipzig-Wien 1907. S. VI-XIII.&#8211;>PDF<\/a><\/p>\n<p>Kurzbiografie<\/p>\n<p>Heinrich Obersteiner lehrte als Universit\u00e4tsprofessor f\u00fcr Anatomie und Pathologie des Nervensystems an der Universit\u00e4t Wien, daneben arbeitete er als Psychiater und Leiter der Privatanstalt f\u00fcr Gem\u00fctskranke in Oberd\u00f6bling in Wien. International bekannt und zu einem f\u00fchrenden Neurologen seiner Zeit wurde er durch die Gr\u00fcndung des weltweit ersten Neurologischen Institutes in Wien.<br \/>\nDer am 13. November 1847 geborene Heinrich Obersteiner stammte aus einer angesehenen gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Wiener \u00c4rztefamilie. Das Interesse Obersteiners an der wissenschaftlichen Medizin wurde schon fr\u00fch durch das Engagement und durch die T\u00e4tigkeit seines Vaters auf dem Gebiet der Medizin, vornehmlich auf das Fach der Nervenheilkunde, gelenkt. Sein Vater Heinrich Obersteiner sen. \u00fcbernahm 1860 zusammen mit dem als Begr\u00fcnder des klinisch-psychiatrischen Universit\u00e4tsunterrichtes geltenden Maximilian Leidesdorf die Leitung der 1819 von Bruno Goergen nach internationalem Vorbild modern gef\u00fchrten D\u00f6blinger Privatheilanstalt f\u00fcr Geisteskranke. Dieser Umstand d\u00fcrfte f\u00fcr die sp\u00e4tere Berufswahl Obersteiners von entscheidender Bedeutung gewesen sein, brachten sie ihn doch schon in Kindesjahren mit diesem Gebiet der Medizin in engen Kontakt. <\/p>\n<p>Im Jahr 1865 inskribierte Heinrich Obersteiner an der Universit\u00e4t Wien Medizin.  Schon zwei Jahre sp\u00e4ter begann er seine wissenschaftliche Laufbahn als Mitarbeiter am Labor von Ernst Br\u00fccke am Physiologischem Institut, dem er bis 1872 angeh\u00f6ren sollte. Im selben Jahr publizierte er seine erste wissenschaftliche Studie \u201e\u00dcber Entwicklung und Wachstum der Sehne\u201c.<br \/>\nNach seiner Promotion im Jahre 1870 studierte er ein Jahr lang in Deutschland und England die Organisation der Nervenanstalten. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Wien \u00fcbernahm Obersteiner 1872 als Nachfolger seines Vaters die Leitung in der Direktion der D\u00f6blinger Privatheilanstalt, die er 45 Jahre aus\u00fcbte und wo er bis zu seiner von ihm verf\u00fcgten Auflassung der Anstalt im Jahre 1917 als Arzt und Psychiater seinen Unterhalt verdiente.<br \/>\nNeben seiner T\u00e4tigkeit als praktizierender Arzt habilitierte er sich 1873 an der Wiener Universit\u00e4t mit der Arbeit: \u201eDer Status epilepticus\u201c, die ihm die Ernennung zum Privatdozenten f\u00fcr Physiologie und Pathologie des Nervensystems einbrachte. Seit diesem Jahr lehrte Obersteiner auch an der Universit\u00e4t Wien Anatomie und Pathologie des zentralen Nervensystems. Im September 1880 erhielt er den Titel a. o. Professor, 1898 wurde er schlie\u00dflich zum tit. o. Professor der Anatomie und Pathologie des Nervensystems ernannt.<\/p>\n<p>Neben den zwei in Wien bereits existierenden staatlichen Pflegest\u00e4tten f\u00fcr Psychiatrie und Neurologie wurde 1882 auf Betreiben Obersteiners das \u201eInstitut f\u00fcr Anatomie und Physiologie des zentralen Nervensystems\u201c gegr\u00fcndet, das 1900 auf seinen Wunsch hin in Neurologisches Institut umbenannt wurde. Dieses Institut galt weltweit als erste wissenschaftliche Einrichtung f\u00fcr Hirnforschung und wirkte vorbildgebend auf zahlreiche sich sp\u00e4ter im Ausland etablierende Forschungsst\u00e4tten, wie dem von H. Donaldson in Philadelphia, das von Ramon y Cajal in Madrid und C. von Monakow in Z\u00fcrich oder A. Kappers in Amsterdam. Die wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte dieses Instituts lagen auf der morphologischen Hirnforschung und der normalen, vergleichenden und pathologischen Anatomie sowie Physiologie des Nervensystems. Dar\u00fcber hinaus wurde die von Obersteiner angestrebte Idee der postpromotionellen Ausbildung hier verwirklicht.<br \/>\nVon Beginn an verfolgte Heinrich Obersteiner mit der Gr\u00fcndung dieser Institution das Ziel einen Ort f\u00fcr einen internationalen wissenschaftlichen Austausch herzustellen. Das dieses Anliegen erfolgreich umgesetzt werden konnte, belegen die zahlreichen am Institut wirkenden in- und ausl\u00e4ndischen Wissenschafter und Studenten. Obersteiner selbst erhielt rasch durch seine und durch die an diesem Institut durchgef\u00fchrten Arbeiten eine weltweit hervorragende Reputation, \u00fcber die unter anderem seine zahlreichen Mitgliedschaften an renommierten wissenschaftlichen Einrichtungen Auskunft geben. (Dr. med. h.c. \u2013 Oxford, korr. Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien, Ehrenmitgliedschaft der medizinischen Gesellschaft zu St. Petersburg, Tokio, Br\u00fcssel, Paris, London, Gent, New York, Konstantinopel).<br \/>\nIm Inland hingegen wurde seitens der Wissenschaftsb\u00fcrokratie seinen Forschungen und vor allem dem von ihm errichteten Institut geringes Interesse und wenig Unterst\u00fctzung entgegengebracht. \u00dcber Jahrzehnte blieben ihm und seinem Institut eine finanzielle Ausstattung versagt, wurden r\u00e4umliche Ausgestaltungen abgelehnt und mussten h\u00e4ufig \u00dcbersiedlungen in Kauf genommen werden. Erst 1919 konnte eine endg\u00fcltige Wirkungsst\u00e4tte durch den Abschluss des Neubaus des Institutes herbeigef\u00fchrt werden. Ebenso errichtete und f\u00fchrte Heinrich Obersteiner dieses Institut bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1919 ma\u00dfgeblich durch die Einbringung betr\u00e4chtlicher finanzieller privater Eigenmittel. Erst 1903 bekam sein erster Assistent Otto Marburg eine Dotierung aus \u00f6ffentlichen Mitteln zugesprochen, die Obersteiner sogar erst 1917 erhielt. 1905 \u00fcberlie\u00df er dem Institut in Form einer Schenkung seine privaten Sammlungen und &#8211; auch hier mit Verz\u00f6gerungen aufgrund des mangelnden Interesses des zust\u00e4ndigen Ministeriums &#8211; seine umfangreiche wissenschaftliche Privatbibliothek, die heute einen historisch wie wissenschaftlich wertvollen Bestand der Universit\u00e4tsbibliothek an der Medizinischen Universit\u00e4t Wien einnimmt.<\/p>\n<p>In seinen Forschungen widmete sich Obersteiner der Neuroanatomie und der Neurophysiologie, wo er substanziell zur Systematisierung der theoretischen Neurologie und der Hirnforschung sowie zu deren Anwendung in der klinischen Neurologie und Psychiatrie beitrug. Sein 1888 ver\u00f6ffentlichtes Lehrbuch \u201eAnleitung beim Studium des Baues der nerv\u00f6sen Zentralorgane im gesunden und im kranken Zustande\u201c wurde noch im selben Jahr in mehrer Sprachen (engl., russ., franz., ital.) \u00fcbersetzt und zu einem Standardwerk einer ganzen Generation von Hirnforschern. <\/p>\n<p>Seit 1892 erfolgte von ihm die Herausgabe der Publikationsreihe \u201eArbeiten aus dem Neurologischen Institute an der Universit\u00e4t Wien\u201c, in der bis zu seinem Ausscheiden aus dem Institut im Jahre 1919 insgesamt 22 B\u00e4nde erschienen, und welche die meisten und reichhaltigen Forschungen des neurologischen Institutes enthalten. Sie dokumentiert dar\u00fcber hinaus die von Obersteiner seit der Gr\u00fcndung des neurologischen Institutes intensivierten Forschungst\u00e4tigkeiten. Die Handexemplare Obersteiners befinden sich heute ebenfalls als Teil der \u201eObersteiner Bibliothek\u201c in der Universit\u00e4tsbibliothek der Medizinischen Universit\u00e4t Wien.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus war er Mitbegr\u00fcnder und Vize-Pr\u00e4sident der 1903 gegr\u00fcndeten Internationalen Brain Commission und von 1902 bis 1918 Pr\u00e4sident des 1867 von Maximilian Leidesdorf, Theodor Meynert und Joseph Riedl gegr\u00fcndeten Vereins f\u00fcr Psychiatrie und Neurologie, der zu einem der \u00e4ltesten wissenschaftlich-\u00e4rztlichen Vereine \u00d6sterreichs z\u00e4hlt. In den letzten Jahren widmete Obersteiner seine publizistische Arbeit unter anderem auch &#8211; wie viele aus seiner Medizinergeneration &#8211; medizinhistorischen Themen, in denen er \u00fcber die Wegbereiter der Neurologie und \u00fcber die Entwicklungen der Neurologie im 19. Jahrhundert reflektierte.<br \/>\nNachdem er im Jahre 1919 emeritierte, folgte ihm sein Sch\u00fcler und Assistent Otto Marburg als Leiter des Institutes nach, das dieser bis zu seiner Flucht vor dem Nationalsozialismus in die USA im Jahre 1938 f\u00fchrte. Heinrich Obersteiner verstarb am 19. November 1922 im Alter von 75 Jahren in Wien.<br \/>\nMag.Dr. Walter Mentzel<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/content\/bilder\/allg\/obersteiner%20klein_Unterschrift.jpg\" alt=\"Obersteiner\" \/>\n<\/p>\n<p>Festschrift zur Feier des 25j\u00e4hrigen Bestandes des neurologischen Institutes an der Wiener Universit\u00e4t &#8211; Zugleich XV. und XVI. band der Arbeiten aus dem Neurologischen Institute an der Wiener Universit\u00e4t (Hrsg. von Otto Marburg), I. Teil (XV. Band), Wien-Leipzig 1907<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obersteiner Heinrich (1847-1922) Gr\u00fcnder des weltweit \u00e4ltesten Neurologischen Institutes Werkverzeichnis&#8211;>PDF \u00b7 Heinrich Obersteiner zu seinem 70. Geburtstag, in: Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 46, 10. November 1917, S. 2013-2016.&#8211;>PDF \u00b7 Marburg Otto, Heinrich Obersteiner. Gedenkrede anl\u00e4sslich der am 5. 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