{"id":49471,"date":"2026-06-01T12:15:38","date_gmt":"2026-06-01T11:15:38","guid":{"rendered":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=49471"},"modified":"2026-06-01T12:17:08","modified_gmt":"2026-06-01T11:17:08","slug":"aus-den-medizinhistorischen-bestaenden-der-ub-meduni-wien-250-hermann-friedrich-gruenwald-internist-ns-verfolgter-4-4-2-93-13-2-2-2-2-2-2-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=49471","title":{"rendered":"Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [370]: Lerch, Alexander \u2013 Primararzt an der Krankenanstalt der Barmherzigen Br\u00fcder, Wiener Gemeinderat"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lerch, Alexander \u2013 Primararzt an der Krankenanstalt der Barmherzigen Br\u00fcder, Wiener Gemeinderat<\/strong><\/p>\n<p><strong>Autor:<\/strong> <a href=\"https:\/\/waltermentzel.wordpress.com\/\">Dr. Walter Mentzel<\/a><\/p>\n<p><strong>Published online:<\/strong> 01.06.2026<\/p>\n<p><strong>Keywords:\u00a0<\/strong>Krankenhaus der Barmherzigen Br\u00fcder, Medizingeschichte, Wien<\/p>\n<p>Alexander Lerch wurde am 17. September 1842 als Sohn von Genofeva (-1873) Lerch, geborene Hauer, und des Mediziners Johann Alexander Lerch (1813-1897) in Wien geboren. Sein Vater wirkte zun\u00e4chst als Armenarzt in Wien, nahm an der Revolution 1848 teil, arbeitete sp\u00e4ter als Ordinarius am Spital der Barmherzigen Br\u00fcder in Wien und stand der Medizinischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Wien von 1847 bis 1849 als Dekan vor. Dar\u00fcber hinaus geh\u00f6rte er zwischen 1863 und 1866 sowie erneut zwischen 1879 und 1887 als Mitglied der liberalen Mittelpartei dem Wiener Gemeinderat an. Im Jahr 1877 ver\u00f6ffentlichte er die \u201e<a href=\"https:\/\/webapp.uibk.ac.at\/alo\/cat\/card.jsp?id=8604993\">Mittheilungen aus dem Spitale der barmherzigen Br\u00fcder in Wien<\/a>\u201c. Seit 1868 war Lerch mit Karolina C\u00e4cilia Theresia Kutschera (1845) verheiratet.<\/p>\n<p>Nachdem Lerch 1860 am Schottengymnasium in Wien maturiert hatte,<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> studierte er an der Universit\u00e4t Wien Medizin. Am 27. M\u00e4rz 1866 promovierte er zum Doktor der Medizin und Magister der Gyn\u00e4kologie, am 12. April 1867 zum Doktor der Chirurgie. Ebenfalls 1866 wurde er in das Medizinische Doktoren-Kollegium aufgenommen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> In der Folge arbeitete als Arzt im Zweiten Wiener Bezirk Leopoldstadt, wo er in der Karmelitergasse 12 ordinierte und wohnhaft war.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus war Lerch als Chefarzt der seit 1867 bestehenden Donauregulierungskommission t\u00e4tig. In dieser Funktion war er f\u00fcr die Erstellung und \u00dcberwachung der sanit\u00e4ren Reglements verantwortlich, die f\u00fcr die beim Donauausbau eingesetzten tausenden Wanderarbeiter aus den Kronl\u00e4ndern der Monarchie galten.<\/p>\n<p><strong>Leiter des Krankenhauses der Barmherzigen Br\u00fcder und Ordinarius der medizinischen Abteilung<\/strong><\/p>\n<p>Von 1888 bis 1913 war Lerch \u2013 wie zuvor sein Vater \u2013 Ordinarius am Krankenhaus der Barmherzigen Br\u00fcder in der Leopoldstadt und hatte zugleich die Leitung des Spitals inne. Bereits seit 1866 war er dort als Sekundararzt t\u00e4tig, beziehungsweise \u00fcbernahm er die Vertretung seines Vaters.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Im Jahr 1894 ver\u00f6ffentlichte er hier die Arbeit \u201e<a href=\"https:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno-plus?aid=wmw&amp;datum=18940003&amp;query=(text:%22alexander+lerch%22)&amp;ref=anno-search&amp;seite=966\">Ein Fall von Milzbrand<\/a>\u201c.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Seine T\u00e4tigkeit im Krankenhaus der Barmherzigen Br\u00fcder fiel in eine wichtige Ausbauphase des Hauses, gerade in den 1880er und 1890er Jahren wurde das Krankenhaus erheblich erweitert und modernisiert.<\/p>\n<p><strong>Mitglied des Wiener Gemeinderates und Mitbegr\u00fcnder des Wiener Fortschrittsklubs<\/strong><\/p>\n<p>1887, ein Jahr vor dem Ausscheiden seines Vaters aus dem Wiener Gemeinderat, kandidierte Lerch f\u00fcr den von ihm mitbegr\u00fcndeten liberalen Fortschrittsklub und geh\u00f6rte dem Wiener Gemeinderat bis September 1895 an. Ein Schwerpunkt seiner politischen Arbeit lag im Bildungswesen. Er war Mitglied des Bezirks- und Landesschulrates f\u00fcr die Stadt Wien.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Neben seiner T\u00e4tigkeit im Gemeinderat fungierte er als Obmann-Stellvertreter des Fortschrittsklubs im Zweiten Bezirk, der in den 1880er Jahren zum liberalen Vereinsmilieu Wiens geh\u00f6rte und eng mit den Bildungs- und Kommunalreformen verbunden war.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus engagierte sich Lerch in zahlreichen sozialen und karitativen Einrichtungen. Er wirkte im Wiener Frauenheim,<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> war Gr\u00fcnder und Obmann der Sektion Leopoldstadt des Vereins gegen Verarmung und Bettelei, mehr als drei\u00dfig Jahre lang Obmann im Leopoldst\u00e4dter Humanit\u00e4tsverein sowie seit sp\u00e4testens 1879 Vorstandsmitglied des Leopoldst\u00e4dter Frauen-Wohlt\u00e4tigkeits-Verein.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Zudem war er in den 1880er Jahren im Deutschen Schulverein vertreten und geh\u00f6rte dem Ortschulrat der Leopoldstadt an. Im Jahr 1885 hielt er vor dem Lehrerverein des Bezirkes einen Vortrag den er unter dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/search.onb.ac.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=ONB_alma21275996980003338&amp;context=L&amp;vid=ONB&amp;lang=de_DE&amp;search_scope=ONB_gesamtbestand&amp;adaptor=Local%20Search%20Engine&amp;tab=default_tab&amp;query=any,contains,lerch%20alexander&amp;mode=basic\">Ueber die Stellung des Lehrers<\/a>\u201c ver\u00f6ffentlichte. 1896 wurde er zum k.k. nieder\u00f6sterreichischen Landesschulrat gew\u00e4hlt.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Lerch wirkt au\u00dferdem in zahlreichen \u00e4rztlichen Interessensvertretungen mit, darunter als Vizepr\u00e4sident des Witwen- und Waisen-Unterst\u00fctzungs-Instituts des \u00d6sterreichischen \u00c4rzteverbandes sowie zeitweilig als Obmann des \u00c4rztlichen Vereins im Zweiten Wiener Bezirk. Dort hielt er 1881 einen Vortrag, der im selben Jahr unter dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=UMW_alma2165241460003344&amp;context=L&amp;vid=UMW&amp;lang=de_DE&amp;search_scope=UMW_all&amp;adaptor=Local%20Search%20Engine&amp;tab=default_tab&amp;query=any,contains,lerch%20a&amp;mode=Basic\">Der Mutterhals als Geburtshinderniss<\/a>\u201c publiziert wurde. 1896 erfolgte seine Wahl zum Vorsitzenden des Centralkomit\u00e9s der \u00e4rztlichen Bezirksvereine Wiens.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> 1882 hatte er vor dem Fortschritts-Club einen Vortrag gehalten, der im Selbstverlag unter dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/search.onb.ac.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=ONB_alma21275997170003338&amp;context=L&amp;vid=ONB&amp;lang=de_DE&amp;search_scope=ONB_gesamtbestand&amp;adaptor=Local%20Search%20Engine&amp;tab=default_tab&amp;query=any,contains,lerch%20alexander&amp;mode=basic\">Ueber die sanit\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse des II. Bezirkes<\/a>\u201c erschien. Darin setzte er sich mit den Folgen des rasanten Bev\u00f6lkerungswachstums sowie der hygienisch problematischen Verbauung der Leopoldstadt nach der Donauregulierung auseinander.<\/p>\n<p>Alexander Lerch verstarb verarmt am 9. Juni 1921 in Wien.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-49472\" src=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/lerch-alexander-neues-wiener-tagblatt-Tages-Ausgabe_10.6.1921_s.12-300x231.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"231\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/lerch-alexander-neues-wiener-tagblatt-Tages-Ausgabe_10.6.1921_s.12-300x231.jpg 300w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/lerch-alexander-neues-wiener-tagblatt-Tages-Ausgabe_10.6.1921_s.12.jpg 752w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Lerch Alexander, Todesanzeige; Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 10.6.1921, S. 12.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>UAW, Rektorat, Med. Fakult\u00e4t, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 170-149r, Lerch Alexander (Rigorosum Datum: 1865).<\/p>\n<p>UAW, Rektorat, Med. Fakult\u00e4t, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-42, Lerch Alexander (Promotion Datum: 27.3.1866).<\/p>\n<p>UAW, Rektorat, Med. Fakult\u00e4t, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 182-107, Lerch Alexander (Promotion Datum: 12.4.1867).<\/p>\n<p>Matriken der Erzdi\u00f6zese Wien, 01, Dom- und Metropolitan-Pfarre St. Stephan, Trauungsbuch, 02-090, Folio 261, 22.11.1868, Lerch Alexander Johann, Kutschera Karolina C\u00e4cilia Theresia.<\/p>\n<p>Matriken der Erzdi\u00f6zese Wien, 02, St. Leopold, 1842, Taufbuch, 01-26c, Folio 309, Lerch Alexander Johann.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/webapp.uibk.ac.at\/alo\/cat\/card.jsp?id=8604993\">Lerch, Alexander: Mitteilungen aus dem Spitale der Barmherzigen Br\u00fcder in Wien. Wien: Braum\u00fcller 1877.<\/a><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Neuburger Bibliothek, Sign.: 1302]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=UMW_alma2165241460003344&amp;context=L&amp;vid=UMW&amp;lang=de_DE&amp;search_scope=UMW_all&amp;adaptor=Local%20Search%20Engine&amp;tab=default_tab&amp;query=any,contains,lerch%20a&amp;mode=Basic\">Lerch, Alexander: Der Mutterhals als Geburtshinderniss. Vortrag gehalten im \u00e4rztlichen Vereine des II. Bezirkes in Wien. Sonderdruck aus: Medicinisch-chirurgisches Central-Blatt. Wien: Druck und Verlag von Chr. L. Praetorius 1881.<\/a><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Separata Bibliothek]<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Jahresbericht Schottengymnasium Wien, Wien 1861, S. 81.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 64, 1866, Sp. 1029.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Mittheilungen aus dem Spitale der Barmherzigen Br\u00fcder in Wien, Wien 1877, S. 7<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 65, 1894, Sp. 1916-1918.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Verwaltungsbericht der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, Wien 1887, S. 18.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Neue Freie Presse, 31.7.1880, S. 2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Jahresbericht des Vereines &#8218;Wiener Frauenheim&#8216;, Wien 1897, S. 24<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Neue Freie Presse, 31.12.1879, S. 5.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Wiener Kommunal-Kalender und st\u00e4dtisches Jahrbuch, Wien 1896, S. 435.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Wiener medizinische Wochenschrift, Nr. 11, 1896, Sp. 468.<\/p>\n<p><strong>Normdaten<\/strong> (Person)<strong>:\u00a0 :<\/strong> <a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=49471\">BBL<\/a>; GND:<\/p>\n<p>VAN SWIETEN BLOG der Universit\u00e4tsbibliothek der Medizinischen Universit\u00e4t Wien<br \/>\nBBL:\u00a0 <a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=49471\">49471<\/a> (01.06.2026)<br \/>\nURL: <a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=49471\">https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=49471<\/a><\/p>\n<p>Letzte Aktualisierung: 2026.06.01<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/VanSwietenBlog_M.Hartl_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-27008\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/VanSwietenBlog_M.Hartl_.jpg\" alt=\"Logo Margrit Hartl\" width=\"160\" height=\"54\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lerch, Alexander \u2013 Primararzt an der Krankenanstalt der Barmherzigen Br\u00fcder, Wiener Gemeinderat Autor: Dr. Walter Mentzel Published online: 01.06.2026 Keywords:\u00a0Krankenhaus der Barmherzigen Br\u00fcder, Medizingeschichte, Wien Alexander Lerch wurde am 17. 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