{"id":47907,"date":"2025-06-23T18:50:02","date_gmt":"2025-06-23T17:50:02","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=47907"},"modified":"2025-06-23T20:38:28","modified_gmt":"2025-06-23T19:38:28","slug":"rezension-hubert-kolling-hrsg-biographisches-lexikon-zur-pflegegeschichte-who-was-who-in-nursing-history-band-11-hungen-verlag-hpsmedia-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=47907","title":{"rendered":"Rezension: Hubert Kolling (Hrsg.): \u201eBiographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in nursing history\u201c. Band 11, Hungen: Verlag hpsmedia 2025."},"content":{"rendered":"<p><strong>Autor:<\/strong> <a href=\"https:\/\/waltermentzel.wordpress.com\/\">Dr. Walter Mentzel<\/a><\/p>\n<p><strong>Published online:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Keywords:<\/strong> Rezension, Biographisches Lexikon, Pflegegeschichte, Medizingeschichte<\/p>\n<p>Anfang 2025 erschien im hpsmedia-Verlag der elfte Band des renommierten und als Standardwerk anerkannten \u201eBiographischen Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in nursing history\u201c. Die Reihe ist vollst\u00e4ndig im <a href=\"https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/primo-explore\/search?query=any,contains,biographisches%20Lexikon%20zur%20Pflegegeschichte&amp;tab=default_tab&amp;search_scope=UMW_all&amp;vid=UMW&amp;offset=0\">Katalog der Universit\u00e4tsbibliothek<\/a> der Medizinischen Universit\u00e4t Wien zug\u00e4nglich. Der <a href=\"https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=UMW_alma2158568330003344&amp;context=L&amp;vid=UMW&amp;lang=de_DE&amp;search_scope=UMW_all&amp;adaptor=Local%20Search%20Engine&amp;tab=default_tab&amp;query=any,contains,biographisches%20Lexikon%20zur%20Pflegegeschichte&amp;offset=0\">Band 11<\/a> ist dem Andenken an die 2023 verstorbene deutsche Pflegewissenschafterin und Begr\u00fcnderin der Akademisierung des Pflegeberufes, Ruth Schr\u00f6ck, gewidmet. Herausgeber und Autor ist, wie schon bei den vorherigen B\u00e4nden der Reihe, der Pflegehistoriker, Politikwissenschafter und Dozent f\u00fcr Politische Bildung beim deutschen Bundesamt f\u00fcr Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, Hubert Kolling.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-47909\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kolling-deckblatt-band-11-210x300.jpg\" alt=\"\" width=\"259\" height=\"370\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kolling-deckblatt-band-11-210x300.jpg 210w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kolling-deckblatt-band-11-560x800.jpg 560w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kolling-deckblatt-band-11-768x1097.jpg 768w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kolling-deckblatt-band-11-1075x1536.jpg 1075w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kolling-deckblatt-band-11-1433x2048.jpg 1433w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/kolling-deckblatt-band-11-scaled.jpg 1792w\" sizes=\"auto, (max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><\/p>\n<p>Kolling betont in seinem Vorwort die Bedeutung der Pflege im Kontext aktueller Herausforderungen und zuk\u00fcnftiger Aufgaben. Er fordert eine nachhaltige Organisation sowie Professionalisierung der Pflege, die f\u00fcr das Funktionieren unseres Gesundheits- und Pflegesystems von essenzieller Bedeutung f\u00fcr den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist, insbesondere im Hinblick auf die demografische Entwicklung. Zudem weist er darauf hin, dass das Besch\u00e4ftigungswachstum in diesem Bereich \u00fcberwiegend durch ausl\u00e4ndische Fachkr\u00e4fte getragen wird. Er warnt vor den Folgen eines politischen Rechtsrucks sowie vor den Gefahren migrationsfeindlicher Haltungen, die die zuk\u00fcnftige Anwerbung von Fachkr\u00e4ften negativ beeinflussen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Der vorliegende Band pr\u00e4sentiert Beitr\u00e4ge von insgesamt zehn Autor:innen aus Deutschland, Island und Rum\u00e4nien, darunter zahlreiche vom Herausgeber selbst verfassten Biografien. Diese spannen den zeitlichen Bogen von der Fr\u00fchen Neuzeit bis ins 21. Jahrhundert und bieten \u2013 wie schon bei den vorliegenden B\u00e4nden \u2013 eine fundierte, den Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen einer modernen Biografie-Forschung entsprechende hohe Informationsdichte. Besonders hervorzuheben sind die teilweise aufwendig durchgef\u00fchrten Archivrecherchen, die bei anderen renommierten Lexika-Projekten nur selten in vergleichbarer Qualit\u00e4t zu finden sind. Auf 328 Seiten werden 66 Personen vorgestellt, wodurch die Lexikon-Reihe die Dokumentation von \u00fcber 1.500 biografischen Eintr\u00e4gen umfasst.<\/p>\n<p>Die bisherige inhaltliche Konzeption wird auch in diesem Band fortgesetzt, indem der Fokus \u00fcber die eng gefassten Berufsgruppen der Pflegekr\u00e4fte hinaus erweitert wird, um ein vielf\u00e4ltiges Spektrum an T\u00e4tigkeitsfeldern darzustellen und m\u00f6glichst breit jene Personen einzubeziehen, die f\u00fcr die Professionalisierung sowie die Weiterentwicklung des Pflegeberufes und der Pflegeeinrichtungen von Relevanz sind. Hierzu z\u00e4hlen unter anderem jene Personen, die in F\u00fcrsorgeeinrichtungen zunehmend spezialisierte Berufsfelder aus\u00fcben, Privatpersonen, die in Umbruchsphasen wie Krieg und Flucht aktiv wurden, Journalist:innen, Theolog:innen, Pflegewissenschaftler:innen, Personen in leitenden Funktionen von Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, die diese gegr\u00fcndet und professionalisiert haben; Mediziner:innen, Politiker:innen sowie Autorinnen, die sich in diesem Bereich engagierten.<\/p>\n<p>Neben den geographischen Schwerpunkten im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Schweiz und \u00d6sterreich) werden Pers\u00f6nlichkeiten aus aller Welt vorgestellt. Besonders eindrucksvoll sind jene Beitr\u00e4ge, die die Folgewirkungen der massiven Umbr\u00fcche des 20. Jahrhunderts auf die Entwicklung des Pflegeberufs sowie auf die individuellen Arbeits- und Lebensbiografien sichtbar machen.<\/p>\n<p>Ein Beispiel ist die aus Japan stammende Hebamme Natsue Inoue (1898-1980). Ihre Karriere begann mit ihrer Ausbildung zur Hebamme und danach zur Krankenschwester, zun\u00e4chst eng verbunden mit dem Aufstieg des japanischen Militarismus und der Expansion Japans in Asien (Sachalin). Nach einem Ausbildungsjahr am Bedford Women\u2019s College, einer Einrichtung der University of London, im Fach Pflegewissenschaften, arbeitete sie in Japan im Bereich der Krankenschwesterausbildung am Japanese Red Cross Central Hospital und w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges am Ministerium f\u00fcr Gesundheit und Soziales. Nach dem Krieg wurde sie zur ersten Pr\u00e4sidentin der Japanischen Gesellschaft f\u00fcr Hebammen, Krankenpfleger und Angestellte im Gesundheitswesen ernannt, setzte sich f\u00fcr die Integration der japanischen Pflegeorganisation in die internationalen Organisationen wie dem International Council of Nursing (ICN) ein und engagierte sich sp\u00e4ter als Politikerin f\u00fcr umfassende Reformen des Pflegeberufes und die Professionalisierung dessen in Japan.<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr die tiefgreifenden Folgen der politischen Umbr\u00fcche der 1930er und 1940er Jahre auf individuelle Lebensl\u00e4ufe, ist Josefine P\u00f6llinger aus K\u00e4rnten in \u00d6sterreich. Nach ihrer Ausbildung zur Hebamme wurde sie im austrofaschistischen Regime wegen illegaler Abtreibungen verurteilt. W\u00e4hrend des Nationalsozialismus erfolgte eine erneute Verurteilung wegen illegaler Abtreibung, schwere Kerkerstrafen und ihre Verschleppung ins KZ Ravensbr\u00fcck. Sie \u00fcberlebte das Konzentrationslager, doch ihre Spuren verloren sich nach ihrer R\u00fcckkehr nach Wolfsberg in K\u00e4rnten im Jahr 1945.<\/p>\n<p>Die einzelnen Biografien enthalten hervorgehobene Querverweise, die eine einfache Navigation innerhalb der Lexikonreihe erm\u00f6glichen und die inhaltliche Orientierung erleichtern. Ein umfassendes Verzeichnis aller bisher in den B\u00e4nden 1 bis 11 behandelten Personen bietet einen guten \u00dcberblick. Insgesamt l\u00e4sst sich das Lexikon sowohl als Nachschlagewerk als auch als Lesebuch benutzen, und leistet neben einen eminent wichtigen Beitrag zur historischen Aufarbeitung und Geschichte des Pflegeberufes und seiner gesellschaftlichen Einbettung, ein hohes Reflexionsniveau hinsichtlich der daraus zu ziehenden Lehren f\u00fcr gegenw\u00e4rtige und zuk\u00fcnftige Entwicklungen.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt ist hervorzuheben, dass die von Hubert Kolling herausgegebene Reihe von ihm vollst\u00e4ndig privat und ohne jegliche institutionelle Unterst\u00fctzung sowie finanzielle Zuwendungen betrieben wird. Sowohl ihm als auch allen, die an seinem Projekt interessiert sind und davon profitieren, w\u00e4re es w\u00fcnschenswert, dass sich M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen, um eine langfristige und respektvolle Absicherung zu schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Dr. Walter Mentzel Published online: Keywords: Rezension, Biographisches Lexikon, Pflegegeschichte, Medizingeschichte Anfang 2025 erschien im hpsmedia-Verlag der elfte Band des renommierten und als Standardwerk anerkannten \u201eBiographischen Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in nursing history\u201c. Die Reihe ist vollst\u00e4ndig im Katalog der Universit\u00e4tsbibliothek der Medizinischen Universit\u00e4t Wien zug\u00e4nglich. Der Band 11 ist dem Andenken &hellip; <a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=47907\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Rezension: Hubert Kolling (Hrsg.): \u201eBiographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. 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