{"id":47054,"date":"2025-07-22T18:10:06","date_gmt":"2025-07-22T17:10:06","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=47054"},"modified":"2025-11-20T20:04:28","modified_gmt":"2025-11-20T19:04:28","slug":"aus-den-medizinhistorischen-bestaenden-der-ub-meduni-wien-250-hermann-friedrich-gruenwald-internist-ns-verfolgter-4-4-2-77","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=47054","title":{"rendered":"Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [334]: Preindlsberger-Mrazovi\u0107, Milena \u2013 Journalistin, Schriftstellerin, Krankenpflegerin im Ersten Weltkrieg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Preindlsberger-Mrazovi\u0107, Milena \u2013 Journalistin, Schriftstellerin, Krankenpflegerin im Ersten Weltkrieg<\/strong><\/p>\n<p><strong>Autor<\/strong>: <a href=\"https:\/\/waltermentzel.wordpress.com\/\">Dr. Walter Mentzel<\/a><\/p>\n<p><strong>Published online<\/strong>: 22.07.2025<\/p>\n<p><strong>Keywords<\/strong>: Journalistin, Schriftstellerin, Medizingeschichte, Bosnien-Herzegowina, Sarajewo, Wien<\/p>\n<p>Milena Mrazovi\u0107 wurde am 28. Dezember 1863 in Bjelovar in Ungarn (heute: Kroatien) als Tochter von Andrija Mrazovi\u0107 geboren. Nachdem sie ihre Schulbildung an einem M\u00e4dcheninstitut in Budapest erhalten hatte, zog sie nach der Okkupation Bosnien-Herzegowinas durch die Habsburgermonarchie im Jahre 1878 mit ihrer Familie nach Banja Luka, wo ihr Vater eine Stellung als Verwaltungsbeamter erhalten hatte. Ein Jahr sp\u00e4ter \u00fcbersiedelte die Familie nach Sarajewo. Milena widmete sich in Bosnien zun\u00e4chst der Komposition musikalischer Werke und zunehmend dem Journalismus, darunter seit 1884 als Mitarbeiterin in der gerade in Sarajewo gegr\u00fcndeten einzigen deutschsprachigen Zeitung Bosniens, der \u201eBosnischen Post\u201c. Nachdem ihr Verlobter Eugen T\u00f6pfer, der die Zeitung 1886 aufgekauft hatte, 1889 verstarb, erhielt sie von der bosnischen Regierung die Erlaubnis die Zeitung samt Druckerei als Erbin zu \u00fcbernehmen. Daneben arbeitete sie als Sprachlehrerin f\u00fcr Franz\u00f6sisch an einer Schule.<\/p>\n<p>1896 verkaufte sie den Verlag und die Druckerei, heiratete im selben Jahr den Chirurgen und Chefarzt des bosnischen Landespitals in Sarajewo <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=28074\">Josef Preindlsberger<\/a> (1863-1938), und widmete sich seither ausschlie\u00dflich ihrer journalistischen Arbeit.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-47971\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/334_portrait_preindelsberger-mrazovic-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/334_portrait_preindelsberger-mrazovic-212x300.jpg 212w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/334_portrait_preindelsberger-mrazovic.jpg 488w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/p>\n<p>Sie publizierte in zahlreichen deutschsprachigen Zeitschriften und Zeitungen, in denen sie den Lesern das multiethnische, vor allem aber das multikonfessionelle Bosnien-Herzegowina aus ethnografischer und anthropologischer Sicht n\u00e4her zu bringen versuchte. Daneben hielt sie unter anderem Vortr\u00e4ge in Wien, wo sie auch durch ihre zahlreichen Artikel in der Reichspost und der Neuen Freien Presse einen hohen Bekanntheitsgrad genoss und 1889 zum ersten weiblichen Mitglied der \u201eAnthropologischen Gesellschaft in Wien\u201c ernannt wurde. Des weiteren war sie Mitglied des Vereines der Schriftstellerinnen und K\u00fcnstlerinnen Wiens.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Unter anderem verfasste sie auch einen Beitrag zu Bosnien-Herzegowina f\u00fcr das von Kronprinz Rudolf konzipierte Werk \u201e\u00d6sterreich-Ungarn in Wort und Bild\u201c (1899), vor allem aber wurde sie seit den 1880er Jahren durch ihre in deutscher Sprache publizierten Reiseberichte, Tageb\u00fccher und Romane bekannt, in denen sie sich mit dem sozialen und kulturellen Leben der Bev\u00f6lkerung und der Landeskunde von Bosnien-Herzegowina befasste. Dazu z\u00e4hlen ihre Arbeiten wie \u201eSelam, Skizzen und Novellen aus dem bosnischen Volksleben\u201c, die 1893 (Berlin: Deutsche Schriftsteller-Genossenschaft) erschien und fr\u00fche Texte von Milena enth\u00e4lt, sowie eine Reihe weiterer Monografien wie \u201eBosnische Volksm\u00e4rchen\u201c (Innsbruck: Edlinger 1905), der Roman \u201eDas Grabesfenster. Eine Sarajevoer Geschichte aus dem Beginn der Okkupation\u201c (Innsbruck: Edlinger 1906), der Reisef\u00fchrer \u201eDie bosnische Ostbahn. Illustrierter F\u00fchrer auf den bosnisch-herzegowinischen Staatsbahnlinien Sarajevo-Uvac und Megjegje-Vardiste\u201c (Wien: Hartleben 1908), sowie die Tagebuchaufzeichnungen \u201eBosnisches Skizzenbuch, Landschafts- und Kulturbilder aus Bosnien und der Herzegowina\u201c (Dresden, Leipzig: E. Pierson\u2019s Verlag 1900). In diesen Arbeiten deklarierte sie sich als Bef\u00fcrworterin der Okkupation Bosnien-Herzegowinas und zu den von \u00d6sterreich-Ungarn getroffenen Verwaltungsma\u00dfnahmen, denen sie eine Modernisierung, vor allem aber eine friedliche Entwicklung des Landes zuschrieb.<\/p>\n<p>1904 erschien von ihr in der Zeitschrift \u201eDie Zeit\u201c ein bis heute weitgehend unbekannt gebliebener Artikel unter dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/webapp.uibk.ac.at\/alo\/cat\/card.jsp?id=8627650&amp;pos=9&amp;phys\">Der weibliche Arzt in Bosnien und Herzegowina<\/a>\u201c. Darin thematisiert sie die Schwierigkeiten, die mit der Durchsetzung der medizinischen Verwaltung Bosnien-Herzegowinas nach der Okkupation 1878 und im speziellen jene der weiblichen \u00c4rzteschaft gegen\u00fcber der muslimischen Bev\u00f6lkerung auftraten. Dabei kam den k.k. Amts\u00e4rztinnen eine wesentliche Rolle zu, die \u2013 auch im europ\u00e4ischen Vergleich \u2013 eine einzigartige institutionalisierte Stellung innerhalb der k.k. Sanit\u00e4tsverwaltung in Bosnien-Herzegowina einnahmen. Der Grund f\u00fcr die St\u00e4rkung der Funktion von Amts\u00e4rztinnen in Bosnien-Herzegowina lag in der ihnen zugewiesenen spezifischen Aufgabe, die Gesundheitssituation der weiblichen muslimischen Bev\u00f6lkerung zu verbessern, ihren Zugang zum Gesundheitssystem durchzusetzen und sie darin zu integrieren. Dazu wurden zwischen 1892 und 1918 insgesamt sieben Amts\u00e4rztinnen aus der Habsburgermonarchie in die mehrheitlich von Muslimen bewohnten Gebiete berufen.<\/p>\n<p>Im Ersten Weltkrieg begleitete sie ihren Ehemannes Josef Preindlsberger als freiwillige Krankenpflegerin an dessen Einsatzorten als Milit\u00e4rarzt bei der mobilen Chirurgengruppe an den Fronten in Serbien, Albanien, Montenegro und Italien. Unter anderem leitete sie 1915 auch das Sanit\u00e4tsmaterialdepot in Bosnien-Herzegowina. Zudem leitete sie im Jahr 1915 das Sanit\u00e4tsmaterialdepot in Bosnien-Herzegowina. F\u00fcr ihren Einsatz wurde sie 1916 mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Nach dem Krieg wurden sie gemeinsam aus dem K\u00f6nigreich Jugoslawien (SHS) ausgewiesen und nach \u00d6sterreich deportiert. Sie lebte mit Josef Preindlsberger in Wien und hielt, wie bereits vor dem Krieg, volkskundliche Vortr\u00e4ge \u00fcber Bosnien und Herzegowina. Sie verstarb am 20. J\u00e4nner 1927 in Wien im Sanatorium L\u00f6w.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>Dzambo Jozo: Milena Preindlsberger-Mrazovi\u0107 \u2013 eine Publizistin zwischen Folklore und Modernit\u00e4t, in: Tutavac Vesela, Korotin Ilse (Hg.), \u201eWir wollen der Gerechtigkeit und Menschenliebe dienen \u2026\u201c. Frauenbildung und Emanzipation in der Habsburgermonarchie \u2013 der s\u00fcdslawische Raum und seine Wechselwirkung mit Wien, Prag und Budapest. Wien: 2016. S. 173-214.<\/p>\n<p>Fuchs Brigitte: \u201e\u00c4rztinnen f\u00fcr Frauen\u201c. Eine feministische Kampagne zwischen Wien, Prag und Sarajewo, in: Tutavac Vesela, Korotin Ilse (Hg.): \u201eWir wollen der Gerechtigkeit und Menschenliebe dienen \u2026\u201c. Frauenbildung und Emanzipation in der Habsburgermonarchie \u2013 der s\u00fcdslawische Raum und seine Wechselwirkung mit Wien, Prag und Budapest. Wien: 2016. S. 94-127.<\/p>\n<p>Lindemann Kristina: Explaining Bosnia \u2013 Milena Preindlsberger-Mrazovi\u0107, and Austria\u2019s own \u2018Orient\u2019, in: Zimmermann Tanja, Jakir Aleksandar (Hg.): Europe and the Balkans. Decades of \u201eEuropeanization\u201c? W\u00fcrzburg: 2015. S. 161-170.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/webapp.uibk.ac.at\/alo\/cat\/card.jsp?id=8627650&amp;pos=9&amp;phys\">Preindlsberger-Marzovi\u0107, Milena: Der weibliche Arzt in Bosnien und Herzegowina. Sonderdruck aus: Die Zeit. Wien: 1904.<\/a><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Neuburger Bibliothek, Sign.: SA-3016]<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Jahres-Bericht des Vereines der Schriftstellerinnen und K\u00fcnstlerinnen in Wien, Wien 1911, S. 22.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Die Zeit, 29.8.10.1916, S. 2.<\/p>\n<p><strong>Normdaten<\/strong> (Person)<strong>:\u00a0 :<\/strong> <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=47054\">BBL<\/a>\u00a0; <a href=\"https:\/\/portal.dnb.de\/opac.htm?method=simpleSearch&amp;cqlMode=true&amp;query=nid%3D116281774\">GND<\/a>:<\/p>\n<p>VAN SWIETEN BLOG der Universit\u00e4tsbibliothek der Medizinischen Universit\u00e4t Wien<br \/>\nBBL:\u00a0 47054 (22.07.2025)<br \/>\nURL: <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=47054\">https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=47054<\/a><\/p>\n<p>Letzte Aktualisierung: 2025.07.22<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/VanSwietenBlog_M.Hartl_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-27008\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/VanSwietenBlog_M.Hartl_.jpg\" alt=\"Logo Margrit Hartl\" width=\"160\" height=\"54\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Preindlsberger-Mrazovi\u0107, Milena \u2013 Journalistin, Schriftstellerin, Krankenpflegerin im Ersten Weltkrieg Autor: Dr. Walter Mentzel Published online: 22.07.2025 Keywords: Journalistin, Schriftstellerin, Medizingeschichte, Bosnien-Herzegowina, Sarajewo, Wien Milena Mrazovi\u0107 wurde am 28. 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