{"id":412,"date":"2007-11-08T10:10:40","date_gmt":"2007-11-08T09:10:40","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=412"},"modified":"2008-02-05T14:35:36","modified_gmt":"2008-02-05T13:35:36","slug":"christoph-columbus-1451-1506-die-einheimischen-trinken-tabakrauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=412","title":{"rendered":"Christoph Columbus (1451-1506): &#8222;Die Einheimischen trinken Tabakrauch!&#8220; (Hortus Eystettensis 2)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gastbeitrag zum Hortus Eystettensis: Tabak<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=322\">von Mag. Gilbert Zinsler<\/a><\/p>\n<p><img src='https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/10\/tabak1.jpg' alt='Tabak_Foto_by_Margrit Hartl' \/><\/p>\n<p><strong>Nicotiana latissima<\/strong><\/p>\n<p>Neben dem Maryland-Tabak (Nicotiana latissima)(Abb.) findet sich auch der Virgina-Tabak (Nicotiana tabacum) und der Bauern-Tabak (Nicotiana rusticum) als Abbildung im Hortus Eystettensis. <\/p>\n<p>Bezogen auf die Entstehungszeit des Buches (1613) handelt es sich hier um neue und f\u00fcr den damaligen Betrachter wohl entsprechend spannende Pflanzen. Der Maryland-Tabak, Nicotiana tabacum L. var. macrophylla SCHRANK war im Gegensatz zum Virgina-Tabak, der aus dem Orinoco Gebiet stammt, urspr\u00fcnglich in Mexiko heimisch und wurde erst sp\u00e4ter in das Gebiet der heutigen USA eingef\u00fchrt. Dem Maryland-tabak widmet der Herausgeber eine ganze Seite des Buches. Raumgreifend zeigt er die gro\u00dfen und begehrten Bl\u00e4tter eine reich zartrosa und wei\u00df bl\u00fchenden Pflanze. Wenige Pflanzen werden singul\u00e4r auf einer Seite pr\u00e4sentiert. Die Bedeutung die der Tabakpflanze dadurch gegeben wird ist augenscheinlich. Die beiden anderen Vertreter der Art werden auf der folgenden Seite gemeinsam mit der Moosbeere wiedergegeben.<!--more--><\/p>\n<p>Bei seinem ersten Kontakt mit der neuen Welt sah Christoph Columbus (1451-1506) die Einheimischen Tabakrauch \u201etrinken\u201c, also rauchen. Als \u00e4lteste Erw\u00e4hnung in einer europ\u00e4ischen Quelle ist seine Eintragung in das Bordbuch vom 6.11.1492, anzunehmen. Auf Guanahani, dem heutigen San Salvador, Bahamas, beobachtete er die Eingeborenen beim Rauchen von zylindrischen Tabakrollen, die mit einem Maisblatt eingewickelt waren. \u201eTzibatl\u201c bezeichnet in einer Indianersprache des karibischen Raumes somit auch eine R\u00f6hre, mit der man Tabak einzog. Das spanische \u201etabacos\u201c meint somit am Anfang auch nicht die Tabakbl\u00e4tter selbst, sondern die Rauchinstrumente der Indianer. Von einem Reisegef\u00e4hrten des Columbus, vom M\u00f6nch Romano Pane, wurden die ersten Tabaksamen 1518 an Karl V. nach Europa geschickt. Die erste botanische Beschreibung stammt hingegen von Hernandez (1525), der den Tabak mit dem in Europa gut bekannten Bilsenkraut verglich, das auch aus der Familie der Nachtschattengew\u00e4chse &#8211; Solanaceae stammt. Erst um 1560 finden sich Berichte \u00fcber bl\u00fchende Pflanzen in den G\u00e4rten der alten Welt. Der Tabak wurde in Europa als Wundermittel aufgenommen und vielseitig als Volksheilmittel verwendet.  <\/p>\n<p>Tabak wurde in Europa zu Beginn vor allem geschnupft, oder gekaut. Die Sitte des Tabakschnupfens breitete sich ausgehend vom franz\u00f6sischen Hof durch den Einfluss des franz\u00f6sischen Gesandten in Lissabon, Jean Nicot (1530-1600), rasch in Europa aus. Er hatte 1560 Tabakflanzen an die franz\u00f6sche Regentin Catherine de Medicis geschickt mit der Empfehlung diese in Frankreich anzubauen. Auf ihn geht ausgehend von der franz\u00f6sichen Form \u201enicotiane\u201c (erstmals 1564 bei T. Liebault) der lateinische Bezeichnung der Pflanze und der Name des wichtigsten Inhaltsstoffes, des Alkaloids Nicotin, zur\u00fcck. Carl von Linne \u00fcbernimmt diesen Namen der Pflanze1753. In England zog man auf Anregung Sir Walter Raleigh das Rauchen der getrockneten Bl\u00e4tter vor. Erst seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts l\u00e4sst sich das Tabakrauchen auch in Deutschland belegen. <\/p>\n<p>Die Bl\u00e4tter des Tabaks werden auf verschiedene Art, je nach Verwendungszweck, getrocknet, bzw. \u201efermentiert\u201c. Zigarrentabak wird an der Luft getrocknet, Zigarettentabak langsam im Feuchten und Kautabak \u00fcber dem Feuer. Beim Trocknen entsteht dann ein besonderes, gew\u00fcnschtes Aroma.<\/p>\n<p>Die Tabakwirkung wird im wesentlichen vom der Substanz Nikotin bestimmt. Mittlerweile hat man daneben aber 2549 einzelne Inhaltstoffe nachweisen k\u00f6nnen. Tabak hat \u2013 wie wohl allgemein bekannt \u2013 in kleinen Dosen eine anregend, stimulierende Wirkung. In h\u00f6heren Dosen kommt es leicht zu \u00dcbelkeit, Erbrechen, Durchfall und Schwindel. Im Extremfall kommt es bei \u00dcberdosierungen zu Delirien und Halluzinationen, aber auch zum Tod durch Ateml\u00e4hmung.<\/p>\n<p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge von Mag. Gilbert Zinsler:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=399\"><strong>Hortus Eystettensis \u2013 botanische Sammelleidenschaft und barocke Pracht<\/strong> &#8211;>Link<\/a><\/p>\n<p>Literatur:<br \/>\nChristian R\u00e4tsch, Enzyklop\u00e4die der psychoaktiven Pflanzen (Stuttgart, 1998)<br \/>\nHelmut Genaust, Etymologisches W\u00f6rterbuch der botanischen Pflanzennamen (Basel, 1999)<br \/>\nBasilius Besler, Der Garten von Eichst\u00e4tt \u2013 Die vollst\u00e4ndigen Tafeln (K\u00f6ln, 1999)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastbeitrag zum Hortus Eystettensis: Tabak von Mag. Gilbert Zinsler Nicotiana latissima Neben dem Maryland-Tabak (Nicotiana latissima)(Abb.) findet sich auch der Virgina-Tabak (Nicotiana tabacum) und der Bauern-Tabak (Nicotiana rusticum) als Abbildung im Hortus Eystettensis. 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