{"id":399,"date":"2007-10-31T10:20:13","date_gmt":"2007-10-31T09:20:13","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=399"},"modified":"2008-02-05T14:36:37","modified_gmt":"2008-02-05T13:36:37","slug":"gastbeitrag-zum-hortus-eystettensis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=399","title":{"rendered":"Gastbeitrag zum Hortus Eystettensis (Hortus Eystettensis 1)"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/content\/bilder\/allg\/DSC_0074b.jpg\" alt=\"Hortus_Foto_by_Margrit Hartl\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=322\">von Mag. Gilbert Zinsler<\/a><\/p>\n<p><strong>Hortus Eystettensis \u2013 botanische Sammelleidenschaft und barocke Pracht<\/strong><\/p>\n<p>Der Hortus Eystettensis , oder Garten von Eichst\u00e4tt, z\u00e4hlt seit seiner <strong>Erscheinung im Jahre 1613 <\/strong>zu den meistbeachteten illustrierten Pflanzenb\u00fcchern. Diese Ausnahmestellung verdankt er nicht nur seinem \u00fcbergro\u00dfen Format (K\u00f6nigs-Folio = 57 x 46 cm), sondern vor allem der faszinierenden Sch\u00f6nheit seiner auf <strong>367 ganzseitigen Kupfertafeln<\/strong> wiedergegeben Abbildungen von <strong>1095 einzelnen Pflanzen<\/strong>. Er z\u00e4hlt zu den imposantesten Werken der europ\u00e4ischen botanischen Literatur, geschaffen aufgrund botanischen Interesses, g\u00e4rtnerischer Sammelleidenschaft und barockem Repr\u00e4sentationswillen. Initiator und Auftraggeber dieser bibliophilen Prachtenfaltung war Johann Konrad von Gemmingen (1593\/95-1612), F\u00fcrstbischof von Eichst\u00e4tt. Er lies die Willibaldsburg als Bischofssitz, oberhalb der Stadt Eichst\u00e4tt, im bayrischen Altm\u00fchltal zum eleganten Rennaissance-Schlo\u00df umbauen. Schon einer seiner Vorg\u00e4nger im Bischofsamt, Martin von Schaumberg (1560-1590) hatte pr\u00e4chtige G\u00e4rten rund um das Scho\u00df anlegen lassen. F\u00fcrstbischof Gemmingen lies diesen Garten gro\u00dfz\u00fcgig erweitern und beauftragte zun\u00e4chst den ber\u00fchmten Arzt und Botaniker Joachim Camerarius d.J. (1561-1598) mit der Gartenplanung. Anfang des 17. Jahrhunderts \u00fcbernimmt diese Position der N\u00fcrnberger Apotheker Basilius Besler (1561-1629). Um 1607\/08 erhielt Besler dar\u00fcber hinaus den Auftrag zur Herstellung eines reich bebilderten Kupfertafelwerkes, einem Abbild des Gartens in Buchform, dem \u201eHortus Eystettensis\u201c .<\/p>\n<p>Viele der abgebildeten Pflanzen des Buches sind heute in Mitteleuropa weit verbreitet, waren aber zur Entstehungszeit exotisch und selten. Nur etwas mehr als die H\u00e4lfte war damals in Deutschland verbreitet, 30 Prozent waren im Mittelmehrraum beheimatet, ein Zehntel stammte aus Asien, ein F\u00fcnftel aus Amerika und nur wenige Pflanzen aus Afrika. Wie kam der F\u00fcrstbischof im entlegenen Altm\u00fchltal nun zu diesen seltenen Pflanzen? Eine wichtige Quelle d\u00fcrfte der Garten Joachim Camerarius in N\u00fcrnberg gewesen sein. Der Arzt und Dekan der des N\u00fcrnberger Collegium Medicum Camerarius hatte diesen Garten bereits vom Apotheker J\u00f6rg \u00d6llinger, den auch Hieronymus Bock in seinem Kr\u00e4uterbuch mehrfach als Pflanzenlieferant und Gew\u00e4hrsmann f\u00fcr botanische Informationen nennt, \u00fcbernommen. Aufgrund der guten Beziehungen zu den wichtigen Botanikern seiner Zeit, insbesondere zu Carolus Clusius, dem Aufseher der kaiserlichen G\u00e4rten in Wien, konnte dieser den Garten wohl so attraktiv erweitern, dass er von 1596 vom F\u00fcrstbischof Gemmingen den auftraf bekam die Anlage eines neuen Garten zu planen. Auch wenn er die Verwirklichung seiner Pl\u00e4ne nicht mehr erleben durfte, waren seine Pflanzen der Grundstock des nachmals so ber\u00fchmten Gartens, dem im Prachtwerk des \u201eHortus Eystttensis\u201c ein kunsthistorisch glanzvolles und einzigartiges Denkmal gesetzt wurde. Basilius Besler erg\u00e4nzte diese Pflanzensammlung mittels Lieferungen von Kaufleuten aus den gro\u00dfen niederl\u00e4ndischen Handelsst\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ziel dieses Beitrags soll es sein, nicht nur das Buch, sondern Monat f\u00fcr Monat auch ein oder mehrere Pflanzen n\u00e4her zu beschreiben. Die Abbildungen entstammen dem Exemplar des <strong>\u201eHortus Eystettensis\u201c<\/strong> aus der Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin. Dieser ist eines der Prunktst\u00fccke der sogenannten Josephinischen Bibliothek (\u00fcber 7.500 Werke, ca. 11.500 B\u00e4nde), die urspr\u00fcnglich Lehrbibliothek f\u00fcr die von Kaiser Joseph II. begr\u00fcndete und Medicinisch-chirurgische Akademie in dem nach ihm benannten Josephinum eingerichtet worden ist.<\/p>\n<p>Literatur:<br \/>\nWerner Dresend\u00f6rfer, Vom Kr\u00e4uterbuch zur Gartenlust. Der Hortus eystettensis zwischen Medizin, Botanik und Hortikultur, In: Die Pflanzenwelt des Hortus Eystettensis, S.73-90, (M\u00fcnchen, 1998)<br \/>\nHans-Otto Keunike (Hrsg.), Hortus Eystettensis, Zur Geschichte eines Gartens und eines Buches (Schriften der Universit\u00e4tsbibliothek Erlangen-N\u00fcrnberg 20), (M\u00fcnchen, 1989)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Mag. Gilbert Zinsler Hortus Eystettensis \u2013 botanische Sammelleidenschaft und barocke Pracht Der Hortus Eystettensis , oder Garten von Eichst\u00e4tt, z\u00e4hlt seit seiner Erscheinung im Jahre 1613 zu den meistbeachteten illustrierten Pflanzenb\u00fcchern. 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