{"id":38553,"date":"2022-03-03T09:25:23","date_gmt":"2022-03-03T08:25:23","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=38553"},"modified":"2024-08-28T09:30:23","modified_gmt":"2024-08-28T08:30:23","slug":"34761-2-2-2-2-2-2-3-2-2-2-3-2-2-2-3-2-2-2-3-2-3-5-2-2-2-3-2-2-3-2-2-2-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=38553","title":{"rendered":"Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [160]:  Heilpern, Max Josef \u2013 Gastrofotografie \u2013 NS-Verfolgter"},"content":{"rendered":"<p><strong>&nbsp;Heilpern, Max Josef \u2013 Gastrofotografie \u2013 NS-Verfolgter<\/strong><\/p>\n<p>Text: Walter Mentzel<\/p>\n<p>Josef Moses Heilpern wurde am 8. September 1899 als Sohn von Simon Heilpern und Jetty, geborene Scheyer, in Beremend in Ungarn geboren. Nach der Matura studierte er ab dem Wintersemester 1918\/19 an der Universit\u00e4t Wien Medizin und schloss 1925 das Studium mit der Promotion ab.<\/p>\n<p>Danach arbeitete er am Allgemeinen Krankenhaus in Wien und entwickelte zwischen 1926 und 1928 unter dem Chefarzt Helmuth Husserl gemeinsam mit dem Mediziner Otto Porges (1879-1967) und dem Fotografen und Fototechniker Franz Gerhard Back (1902-1983) an der II. Medizinischen Abteilung der Klinik von Karel F. Wenckebach (1864-1940) das <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=26854\">Verfahren der Gastrofotografie zur Fotografie der Mageninnenw\u00e4nde<\/a>, womit erstmals eine Ansicht des <a href=\"https:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno-plus?aid=zia&amp;datum=19300004&amp;query=text:%22josef+heilpern%22&amp;ref=anno-search&amp;seite=261\">Mageninneren an einem lebenden Menschen gelang<\/a>.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> 1931 wurden diese technischen Apparaturen nach l\u00e4ngeren Rechtsstreitigkeiten von Franz Gerhard Back und ihm patentiert. Dazu publizierte Heilpern gemeinsam mit Porges im Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden den Aufsatz \u201e<a href=\"https:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno-plus?aid=zia&amp;datum=19300004&amp;query=text:%22josef+heilpern%22&amp;ref=anno-search&amp;seite=261\">\u00dcber Technik und Methodik der Gastrophotographie<\/a>\u201c. Diese Arbeit befindet sich an der Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin im Bestand der Separata-Bibliothek.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Heilpern.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-38554\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Heilpern.jpg\" alt=\"\" width=\"449\" height=\"711\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Heilpern.jpg 449w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Heilpern-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 449px) 100vw, 449px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Heilpern, Josef: Das interessante Blatt. 31.1.1929. S. 6.<\/p>\n<p>Zwischen 1928 und 1932 arbeitete Heilpern als Arzt in der Kuranstalt \u201eElisabethina\u201c im Bereich der physikalischen Therapie in Wien 9, Rossauer L\u00e4nde 37, danach emigrierte er nach Paris, wo er an einer chirurgischen Klinik t\u00e4tig war. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Wien im Jahr 1933 hospitierte er bis 1936 an der I. medizinischen Klinik bei Prof. Karl Hitzenberger (1893-1941) im Allgemeinen Krankenhaus. Ab 1936 war er an wissenschaftlichen Arbeiten beteiligt.<\/p>\n<p>Nach dem \u201eAnschluss\u201c im M\u00e4rz 1938 wurde die Familie Heilpern wegen ihrer j\u00fcdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt. Seiner Mutter Jetty und seinen vier Geschwistern gelang 1939 die Flucht nach Argentinien, wo sie sich in Buenos-Aires niederlie\u00dfen. Josef Heilpern fl\u00fcchtete bereits im Juni 1938 nach Bratislava, im Oktober ging er nach Prag, und im November 1938 emigrierte er nach Paris. In Frankreich wurde er im Juni 1940 im Stade-Buffallo bei Paris und danach im Lager La Braconne als \u201efeindlicher Ausl\u00e4nder\u201c interniert. Nach dem Einmarsch der deutschen Armee fl\u00fcchtete er nach S\u00fcdfrankreich, wo er zun\u00e4chst in Limoges und Toulouse und zuletzt bis November 1940 in Lyon interniert wurde. Nach seiner Verhaftung durch die franz\u00f6sische Polizei wurde er im Mai 1941 in das Internierungslager Argel\u00e8s-sur-Mer in den Pyren\u00e4en \u00fcberstellt, danach von August 1941 bis Juni 1942 im Arbeitslager f\u00fcr j\u00fcdische Zwangsarbeiter und aus Deutschland geflohenen Juden im Camp de Rivesaltes bei Miramas, danach im Camp des Milles bei Marseille und zuletzt in Miramas interniert. Von November 1942 bis M\u00e4rz 1944 war er im Arbeitslager Reillanne in den franz\u00f6sischen Alpen und von April 1944 bis August 1944 in einem deutschen Lager f\u00fcr j\u00fcdische Zwangsarbeiter in Marseille und darauf im deutschen KZ La Ciotat bei Marseille inhaftiert. W\u00e4hrend seiner Deportation nach Deutschland wurde er im August 1944 durch die franz\u00f6sische R\u00e9sistance befreit und lebte nach dem Krieg zun\u00e4chst in Marseille und von 1947 bis 1948 in Paris.<\/p>\n<p>Im November 1948 kehrte er mit Unterst\u00fctzung des Joint Distribution Committee (Joint) nach \u00d6sterreich zur\u00fcck und fand zun\u00e4chst kurzfristig in einer Arztpraxis sowie als \u00e4rztliche Vertretung bei der Gebietskrankenkasse eine Anstellung, wurde jedoch arbeitslos und lebte bis 1951 in st\u00e4dtischen Obdachlosenheimen in Wien. Zwischen Herbst 1949 und Fr\u00fchjahr 1950 war er Mitglied der KP\u00d6, weiters war er 1950 Mitglied des \u201eBundesverbandes der \u00f6sterreichischen KZler, H\u00e4ftlinge und politisch Verfolgten\u201c (heute: KZ-Verband\/VdA).<\/p>\n<p>Im Juni 1951 beabsichtigte er aus \u00d6sterreich auszuwandern. Als Begr\u00fcndung gab er gegen\u00fcber der \u201eInternational Refugee Organization\u201c (IRO) an. \u201eDa ich trotz meiner Anstrengungen bis heute mich nicht mehr platzieren konnte und weil ich durch die langen Jahre des Verbleibens, hier in Wien inzwischen g\u00e4nzlich entwurzelt wurde, konnte ich in \u00d6sterreich keinen festen Fu\u00df mehr fassen. Diese meine elendige Lage habe ich den Nazis zuzuschreiben. Ich kann mir anderswie nicht mehr helfen, als mich durch Auswanderung in die USA zu retten, wo ich erhoffe, dass ich als Arzt und Erfinder mir noch eine Existenz schaffen k\u00f6nnte\u201c. Als alternative zu seinem Wunsch in die USA einzureisen, gab er Argentinien an, wo seine Mutter und seine vier Geschwister nach ihrer Flucht aus \u00d6sterreich lebten. Zuletzt arbeitete er ehrenamtlich ohne Gehaltsbezug im Franz-Josef-Spital in Wien.<\/p>\n<p>\u00dcber seinen weiteren Lebensweg konnte nichts eruiert werden.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>AUW, Med. Fakult\u00e4t, Nationalien\/Studienkataloge, Sign. 134-0770, Heilpern Josef Moses (Nationalien Datum: 1918\/19).<\/p>\n<p>AUW, Rektorat, Med. Fakult\u00e4t, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 193-1124, Heilpern Josef Moses (Promotion 5.6.1925).<\/p>\n<p>AUW, Rektorat, Med. Fakult\u00e4t, Rigorosen- und Promotionsprotokolle, Sign. 196-0264, Heilpern Josef Moses (Rigorosum 16.5.1925).<\/p>\n<p>Arolsen-Archives, Registrierung und Akten von Displaced Persons, CM\/! Akten aus \u00d6sterreich, CM\/1 Formulare und verschiedene Begleitdokumente f\u00fcr DP\u00b4s in \u00d6sterreich, Heilpern Moses.<\/p>\n<p>Literaturliste:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno-plus?aid=zia&amp;datum=19300004&amp;query=text:%22josef+heilpern%22&amp;ref=anno-search&amp;seite=261\">Heilpern, Max Josef und Otto Porges: \u00dcber Technik und Methodik der Gastrophotographie. Mit 6 Abbildungen und 2 Tafeln. Sonderdruck aus: Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden. Berlin und Wien: Urban &amp; Schwarzenberg 1932.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Separata_M.Hartl_.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-26858\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Separata_M.Hartl_.gif\" alt=\"\" width=\"170\" height=\"69\"><\/a><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Separata Biblitohek]<\/p>\n<p>Keywords:<br \/>\nGastrofotografie, Josef Moses Heilpern, Innere Medizin, NS-Verfolgter, Arzt, Wien, Medizingeschichte, &nbsp;Allgemeines Krankenhaus Wien<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zeitschrift des \u00f6sterreichischen Ingenieur-Vereines. H. 31\/32. 1930. S. 259-262.<\/p>\n<p>Normdaten&nbsp;(Person) <strong>Heilpern, Josef Moses:<\/strong><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=38553\"> BBL: 38553;<\/a><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gemeinsame_Normdatei\">&nbsp;GND<\/a><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27489\">: <\/a><a href=\"https:\/\/d-nb.info\/gnd\/126385637\">126385637<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/ueber-uns\/medizinhistorische-bibliotheken-der-ub-meduni\/highlights-medizinhistorischer-buecher-u-zeitschriften\/bio-bibliografisches-lexikon\/\">Bio-bibliografisches Lexikon (BBL)\/Liste aller Beitr\u00e4ge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien<\/a><\/p>\n<p>Bitte zitieren als VAN SWIETEN BLOG der Universit\u00e4tsbibliothek der Medizinischen Universit\u00e4t Wien, BBL: 38553 (03.03.2022); Letzte Aktualisierung: 2022 03 03<br \/>\nOnline unter der URL: <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=38553\">https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=38553<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VanSwietenBlog_MHartl.gif\"><br \/>\n<\/a><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VanSwietenBlog_MHartl.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-28234\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VanSwietenBlog_MHartl.gif\" alt=\"Van Swieten Blog Logo Margrit Hartl\" width=\"188\" height=\"64\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;Heilpern, Max Josef \u2013 Gastrofotografie \u2013 NS-Verfolgter Text: Walter Mentzel Josef Moses Heilpern wurde am 8. 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