{"id":35839,"date":"2020-12-01T01:46:19","date_gmt":"2020-12-01T00:46:19","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=35839"},"modified":"2020-11-16T13:46:34","modified_gmt":"2020-11-16T12:46:34","slug":"gastautor-prof-dr-peter-heilig-neuromagie-und-unfaelle-2-2-2-2-3-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=35839","title":{"rendered":"Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: COCA, FREUD und (Coca-) KOLLER"},"content":{"rendered":"<p>COCA, FREUD und (Coca-) KOLLER<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Coca-Koller.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-35841\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Coca-Koller-800x641.jpg\" alt=\"\" width=\"315\" height=\"278\"><\/a><\/p>\n<p><em>&#8218;Coca-Koller&#8216;<\/em> pflegte Sigmund Freud seinen Freund Karl Koller zu nennen, nach seiner weltweit aufsehenerregenden Entdeckung. Erstmals, am 15. September 1884, in der Versammlung deutscher Augen\u00e4rzte in Heidelberg wurde Kollers Kokain-Lokalan\u00e4sthesie vorgestellt. Als&nbsp; Sekundararzt der Zweiten Wiener Augenklinik hatte er sie eingef\u00fchrt. Vergeblich hatte er bereits Chloral, Brompr\u00e4parate und Morphium etc. getestet. Trotz anf\u00e4nglicher Mi\u00dferfolge lie\u00df er sich keineswegs entmutigen. <em>&#8222;Obschon erfolglos, hatten diese Versuche doch die Wirkung, da\u00df ich vorbereitet war die Gelegenheit zu erfassen, sobald ich einem wirklichen Lokalan\u00e4sthetikum begegnen w\u00fcrde&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/FreuKo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-35844\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/FreuKo.jpg\" alt=\"\" width=\"352\" height=\"259\"><\/a><\/p>\n<p>Im Sommer des Jahres 1884 <em>&#8218;fiel der Groschen&#8216;<\/em>: Sigmund Freud und Karl Koller standen inmitten einer Gruppe junger Sekundar\u00e4rzte im Hof des Allg. Krankenhauses. Einer der Kollegen klagte \u00fcber Zahnschmerzen. S. Freud reagierte daraufhin prompt: <em>&#8222;Ich glaube Ihnen&nbsp; kann geholfen werden!&#8220; <\/em>Ein paar Tropfen vom Extrakt der Koka-Pflanze stillten die Schmerzen <em>&#8218;im Augenblick&#8216;.<\/em><\/p>\n<p><em>&#8222;Meinem Freunde, dem Augenarzt L. K\u00f6nigstein, legte ich nahe zu pr\u00fcfen inwieweit sich die anaesthesierenden Eigenschaften des Kokains am kranken Auge verwerten lie\u00dfen. Als ich vom Urlaub zur\u00fcckkehrte, fand ich, da\u00df nicht er, sondern ein anderer Freund, Karl Koller die entscheidenden Versuche am Tierauge angestellt hatte. Er gilt darum mit Recht als der Entdecker der Lokalanaesthesie mit Kokain&#8220;<\/em>&nbsp; sowie &#8211; <em>&#8222;Ich habe meine damaligen Vers\u00e4umnisse meiner Braut nicht nachgetragen&#8220;<\/em> meinte Sigmund Freud etwas kryptisch.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CocKoFreud.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-35843\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CocKoFreud.jpg\" alt=\"\" width=\"292\" height=\"426\"><\/a><\/p>\n<p>S. Freud war in erster Linie an der zentralen Wirkung von Kokain interessiert; Karl Koller untersuchte die lokalanaesthetischen Effekte am Auge. Der Pharmakologe B. von Anrep hatte im Jahre 1880 die Kokain-Lokalanaesthesie &#8218;\u00fcbersehen&#8216;, die K.- Mydriasis jedoch erw\u00e4hnt. <em>&#8222;Herr von Anrep ging an dieser Entdeckung vorbei, so hart er auch an ihr war. Die Wunderblume hatte ihm entgegengeleuchtet, er aber sah nicht ihren Schein&#8220;,<\/em> so formulierte dies Josef Meller als Festredner poetisch-blumig am f\u00fcnfzigsten Jahrestag (1934) der Kokain- Lokalanaesthesie-Geburtstunde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CocaKbb.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-35846\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CocaKbb-800x610.jpg\" alt=\"\" width=\"474\" height=\"361\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CocaKbb-800x610.jpg 800w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CocaKbb-300x229.jpg 300w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CocaKbb-768x585.jpg 768w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/CocaKbb.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zweiprozentige Kokainl\u00f6sung an\u00e4sthesierte Conjunctiva und Cornea eines Versuchstieres und machte es v\u00f6llig unempfindlich gegen taktile, chemische, thermische und elektrische Schmerzreize. In Selbstversuchen, in Praktika und schlie\u00dflich bei der entscheidenden Anwendung am Patienten zeigte sich das volle Potential dieser Substanz: Die erste Cataractoperation in Lokalanaesthesie wurde am 11. September 1884 durchgef\u00fchrt &#8211; eine Sternstunde &#8211; nicht nur f\u00fcr die Ophthalmologie. Noch nie hatte eine Nachricht so schnell die Runde um den Erdball gemacht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Kollergr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-35845\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Kollergr.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"565\"><\/a><\/p>\n<p>Karl Kollers sehnlicher Wunsch als Assistent an die Wiener Augenklinik aufgenommen zu werden, ging nicht in Erf\u00fcllung. Ein Kollege hatte ihn b\u00f6se insultiert; es kam zum damals unvermeidlichen (verbotenen) Duell; dies erinnert ein wenig an Schnitzler&#8217;s <em>&#8218;Lieutenant Gustl&#8216; <\/em>und den &#8218;<em>Ehrenkodex&#8216;.<\/em> 1885 verlie\u00df Koller gezwungenerma\u00dfen die Klinik, f\u00fcr die er im h\u00f6chsten Ma\u00dfe qualifiziert gewesen w\u00e4re. Seine ophthalmologische Fachausbildung erhielt er am Gasthuis voor Oglijders in Utrecht um schlie\u00dflich in USA am Mount Sinai und Montefiori Hospital (bis 1942) als erfolgreicher Augenarzt weitere Karrieregipfel zu erleben &#8211; <em>&#8222;He received many distinctions during his life span.&#8220; <\/em>&nbsp;Mehrmals war er f\u00fcr den Nobelpreis in Medizin und Physiologie nominiert worden. Karl Koller starb am 22. M\u00e4rz 1944 in New York.<\/p>\n<p>Eduard Jaeger von Jaxtthal (* 25. Juni 1818, \u2020 5. Juli 1884) fungierte nur f\u00fcr kurze Zeit als Vorstand&nbsp; der II. Wiener&nbsp; Universit\u00e4ts-Augenklinik, von 1883 bis 1884. In diesem Hause, im Interregnum unter August Ritter von Reuss, initiierte Koller die \u00f6rtliche Bet\u00e4ubung, welche den Patienten unertr\u00e4gliche&nbsp; Schmerzen ersparte und der Ophthalmochirurgie erm\u00f6glichte ihr hohes Niveau zu erreichen.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Epilog<\/strong>: Was blieb von der ruhmreichen Vergangenheit der Zweiten Wiener Universit\u00e4ts- Augenklinik, was erinnert an Sternstunden und Meller&#8217;s <em>Wunderblume<\/em> ? Etwa der Cocain-Test (Horner*-Syndrom). Doch andere Pharmaka treten nun an die Stelle des ber\u00fchmt- ber\u00fcchtigten Kokain &#8211; gleichsam eine Metapher: Surrogate statt Originale . .<\/p>\n<p><em>Ueber die Verwendung des Coca\u0209n zur An\u00e4sthesirung am Auge. Von Dr. Karl KOLLER, Sekundararzt des k. k. Allgemeinen Krankenhauses in Wien. Vortrag, gehalten in der Sitzung der k. k. Gesellschaft der Aerzte vom 17. Oktober 1884. Wr. Med. Wochenschr. <\/em><em>(1884) 43\/44; 1276-1278\/1310-1312<\/em><\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em>Koller C (1884) On the Use of Cocaine for Producing An\u00e6sthesia on the Eye. Lancet II: 990-992<\/p>\n<p>Lesky E (1981) Meilensteine der Wiener Medizin. Gro\u00dfe \u00c4rzte in drei Jahrhunderten. Maudrich<\/p>\n<p>Wyklicky H (1984) Zur Geschichte der Augenheilkunde in Wien. C. Brandst\u00e4tter<\/p>\n<p>Hirschm\u00fcller A (Ed) (1996) Sigmund Freud. Schriften \u00fcber Kokain. Fischer<\/p>\n<p>Grzybowski A (2008) Cocaine and the Eye: A Historical Overview. Ophthalmologica; 222: 296-301<\/p>\n<p>*Johann Friedrich Horner, Schweizer Ophthalmologe, hatte ebenfalls in Wien bei Eduard Jaeger von Jaxtthal gearbeitet.<\/p>\n<p>*********************<br \/>\n<strong>Katharina und Peter Heilig<\/strong><br \/>\n<strong> VIDEO ON DEMAND: KUNSTLICHT IN UNSEREN AUGEN<\/strong>:<br \/>\n<a id=\"LPlnk478487\" href=\"https:\/\/youtu.be\/k9k_wG5lacA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/youtu.be\/k9k_wG5lacA<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=heilig\">Weitere Beitr\u00e4ge\u2013&gt; <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>COCA, FREUD und (Coca-) KOLLER &#8218;Coca-Koller&#8216; pflegte Sigmund Freud seinen Freund Karl Koller zu nennen, nach seiner weltweit aufsehenerregenden Entdeckung. Erstmals, am 15. September 1884, in der Versammlung deutscher Augen\u00e4rzte in Heidelberg wurde Kollers Kokain-Lokalan\u00e4sthesie vorgestellt. 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