{"id":35775,"date":"2020-11-01T01:16:57","date_gmt":"2020-11-01T00:16:57","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=35775"},"modified":"2020-11-04T12:55:29","modified_gmt":"2020-11-04T11:55:29","slug":"gastautor-prof-dr-peter-heilig-neuromagie-und-unfaelle-2-2-2-2-3-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=35775","title":{"rendered":"Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Tetrachromasie. Ein Mythos?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tetrachromasie. Ein Mythos?<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Dr. Peter Heilig<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/MigraineOphtalm.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-35779\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/MigraineOphtalm.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"545\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/MigraineOphtalm.jpg 800w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/MigraineOphtalm-300x204.jpg 300w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/MigraineOphtalm-768x523.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Tetrachromasie w\u00e4re Flaggschiff der Gender-Medizin, wenn es nicht <em>&#8222;mehr Fragen als Antworten&#8220;<\/em> g\u00e4be. Warum kommen \u2013 <em>on dit <\/em>\u2013 praktisch nur Frauen in den Genuss dieses Ph\u00e4nomens? Und &#8211; welches weitere Photopigment k\u00f6nnte ein viertes, unabh\u00e4ngiges Signal erm\u00f6glichen sowie &#8211; welche retinalen Mechanismen l\u00e4gen einer \u201e<em>strong tetrachromasy\u201c zugrunde<\/em>?<\/p>\n<p>Die Trichromasie per se bed\u00fcrfte im Grunde keiner vierten, bislang noch immer nicht &#8218;Evidence basierten&#8216; (EBM) Funktion. S\u00e4mtliche Farbnuancen (&#8218;<em>shades&#8216;<\/em>) w\u00e4ren auf trichromatischer Basis korrekt perzipierbar; auch verschiedene quantenphysikalische Prozesse spielen bei komplexen photorezeptiven Prozessen wie dem Farbsehen eine wesentliche Rolle &#8211; mit nahezu unbegrenzten Zahlen wahrnehmbarer und voneinander unterscheidbarer Farbschattierungen &#8211; vermutlich. Worin best\u00fcnden also die Vorteile eines angeblich noch umfangreicheren tetrachromatischen Farbensinnes?<\/p>\n<p>&#8222;<em>Trichromaten sehen etwa eine Million Farben, Tetrachromaten m\u00f6glicherweise 100 Millionen Farben&#8220;<\/em>&nbsp; (Jay Neitz).<\/p>\n<p>Die von Medien plakativ beworbene malende Tetrachromat-K\u00fcnstlerin k\u00f6nnte mit ihrem Talent nur vor einer kleinen, streng ausgew\u00e4hlten Gruppe, vor vermeintlichen Tetrachromatinnen re\u00fcssieren. &#8218;<em>Perlen vor die S\u00e4ue werfen<\/em>&#8218; hie\u00dfe es zu einer ihrer Vernissagen ausschlie\u00dflich &#8218;gemeine&#8216; Trichromaten einzuladen. Sie w\u00e4ren, streng genommen, ein wenig &#8211; vergleichsweise &#8211;&nbsp; Farben-\u201cblind\u201c, folglich unf\u00e4hig &#8222;Tetra-Chroma-Kunstwerke&#8220; im vollen Umfang zu genie\u00dfen. Auch Kunstkritiker sollten sich in derart exklusiven Zirkeln vornehmer Zur\u00fcckhaltung beflei\u00dfigen. Streng genommen m\u00fcssten diese &#8218;Beckmesser&#8216; den von ihnen zu begutachtenden K\u00fcnstlern zumindest ebenb\u00fcrtig sein, nicht nur in tetrachromatischer Hinsicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/migropt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-35780\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/migropt.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"517\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/migropt.jpg 800w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/migropt-300x194.jpg 300w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/migropt-768x496.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aphake (postop., ohne IOL-UV-Filter) h\u00e4tten \u00fcbrigens noch \u201e<em>Valenzen frei<\/em>\u201c. Sie k\u00f6nnten bis hin zu gewissen Wellenl\u00e4ngen-Bereichen auch rein ultraviolette Stimuli wahrnehmen (M5 z.B.), evtl. Zeitungs\u00fcberschriften entziffern. In solch einem speziellen Fall w\u00e4re jedoch der Terminus &#8218;Tetrachromasie&#8216; (wie bei speziellen Tieren) fehl am Platz. Ein besonderer, in seiner Bedeutung meist untersch\u00e4tzter retinaler Rezeptor wird&nbsp; selten als m\u00f6glicher Faktor in die Diskussionen miteinbezogen: die &#8218;<em>intrinsic photosensitiven Melanopsin exprimierenden retinalen Ganglienzellen <\/em>(ipMRGC)&#8216; \u2013 sechs Subtypen (M1 &#8211; M6) mit unterschiedlichen Eigenschaften (<em>&#8222;<\/em><em>the <\/em><em>signal transduction in ipRGCs is more complex than originally thought&#8220;<\/em>, Detwiler 2018). Experimentell lie\u00df sich die spektrale Sensitivit\u00e4t samt bemerkenswerten Wirkungen eindrucksvoll demonstrieren: Gelbes Licht reduzierte (um etwa 50<em>%<\/em>) die Kammerwasserproduktion.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/MigraineH.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-35778\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/MigraineH.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"613\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/MigraineH.jpg 800w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/MigraineH-300x230.jpg 300w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/MigraineH-768x588.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Psychophysikalische Resultate der MRGC-Funktionen scheitern meist am Methodischen. Allerdings &#8211; so mancher <em>Migraine-Ophtalmique<\/em>-Patient erlebt rein subjektiv eindrucksvolle halluzinatorische Ph\u00e4nomene mit dynamischen Farbstrukturen. Die w\u00e4hrend des Anfalls &#8211; zuvor niemals wahrgenommenen &#8211; Farbsplitter und Zackenbilder, strahlend-gleissend Kaleidoskop-artig, vermitteln diesen Migraineurs opht. vielleicht doch eine leise Ahnung von dieser sagenhaften (aber m\u00f6glicherweise fiktiven -) Tetrachromasie. Die Lokalisationen dieser meist streng kreisf\u00f6rmig angeordneten szintillierenden Trugbilder k\u00f6nnte den retinalen ipMRGC &#8211; Verteilungsmustern entsprechen.<\/p>\n<p>Genug Hypothesen &#8211; unabh\u00e4ngig davon, wo derartige Farb- und Licht-Ph\u00e4nomene ihren Ursprung haben k\u00f6nnten samt darauffolgenden Erregungskaskaden &#8211; eine Frage bleibt zum Teil unbeantwortet: die Gender-Medizinische, basierend auf &#8211; z.B. &#8222;<em>x-Chromosome-Inactivation.&#8220;<\/em> Was h\u00e4tten denn in der ruhmreichen Vergangenheit Tetra-Chrom\u2013Maler zuwege gebracht? Wie s\u00e4hen van Goghs Farben aus oder die in allen Farben schwelgenden Impressionisten, was w\u00e4re anders in der Farb-Palette Tizians und der eines Rembrandt &#8211; etc. Die digitale Gegenwartskunst scheidet aus dem Rennen; apropos: Online-&#8218;<em>Tetrachromasie-Tests<\/em>&#8218; sind auf alle F\u00e4lle ungeeignet, sie w\u00e4ren es auch f\u00fcr &#8218;<em>Tetrachromatinnen<\/em>&#8218;.<\/p>\n<p>Allzu einfach w\u00e4re es die &#8218;Tetrachromasie&#8216; schlicht als Mythos hinzustellen; postrezeptorale Kan\u00e4le konnten zweifelsfrei identifiziert werden, die Genetik lieferte falsifizierbare Hinweise (T\u00f6chter anormaler Trichromaten \u2013 spektraler Shift des Photopigments und &#8218;x-linked genotypic variants&#8216; etc.) dies l\u00e4\u00dft auf neue Einblicke in Farbensehen und Farbwahrnehmung hoffen.<\/p>\n<p><em>Doch &#8211; &#8222;Grau, teurer Freund, ist alle Theorie &#8211; und gr\u00fcn des Lebens goldner Baum&#8220; <\/em>Faust 1 JW Goethe<\/p>\n<p>Abgesehen von Farb-Theorien gibt es nun &#8222;evidence based&#8220; ein bemerkenswertes Lob des Gr\u00fcns: <em>&#8222;<\/em><em>In fact, instead of exacerbating migraine, low-intensity 530nm green light seems capable of decreasing headache intensity and increasing positive emotions (described by migraineurs in the study using words such as happy, relaxing, soothing, and calming). Although the neurobiology of the soothing effects of green light are largely unknown&#8220;<\/em>&nbsp; Dies steht im Widerspruch zu grell-kurzwellig dominierter Licht-Therapie (cave Photosensitizer !), &#8211; Stimulation bzw. Irritation (Vigilanz-&#8218;<em>Ankurbelung&#8216;<\/em>), Indoor- und Outdoor-Kunstlicht-Modus (Plural, oder -&#8218;Mode&#8216;), sowie grell-blaustichigen KFZ-, DRL-, Fahrrad- etc. Lichtern: <em>&#8222;Symptoms include compromised cognitive functions and transient decline in short-term memory&#8220;. <\/em>Siehe: <em>Distraction Blindness sowie<\/em> <em>Sustained Inattentional Blindness<\/em> und &#8211; vermeidbare fatale Folgen in Strassenverkehr-Szenarios.<\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em>Blau fiel bereits bei Goethe (s. Farbenlehre) in Ungnade und plagt nicht nur auf schwer ertr\u00e4gliche Art und Weise Migr\u00e4ne-Patienten. Das Mode gewordene &#8222;Blue-enriched&#8220; gleissende Kunstlicht (&#8218;<em>Cyanophilia&#8216;<\/em>) darf mit Fug und Recht als unphysiologisch eingestuft werden (blue-peak vieler HI-LEDs) und g\u00e4lte, abh\u00e4ngig von Intensit\u00e4t und Expositionsdauer, als potentiell phototoxisch.&#8220;<\/p>\n<p>Epilog: Ein Farb-Nuancen-Aequilibrium, innerhalb physiologischer Rahmen, behutsam ausgewogen und wohldosiert, angelehnt an nat\u00fcrliche Spektren, w\u00e4re w\u00fcnschenswert &#8211; aus sinnesphysiologischen und prophylaktischen \u00dcberlegungen (s. <em>Lichthygiene<\/em>).<\/p>\n<p>Lit.:<\/p>\n<p>G Jordan, J Mollon (2019) Tetrachromacy: the mysterious case of extra-ordinary color vision. Current Opinion in Behavioral Sciences. Volume 30, 130-134<\/p>\n<p>Lled\u00f3 VE et al (2019) Yellow Filter Effect on Melatonin Secretion in the Eye: Role in IOP Regulation. Curr Eye Res. 14:1-5.<\/p>\n<p>Burstein R et al&nbsp; (2019) The neurobiology of photophobia. J Neuroophthalmol 39, 94-102<\/p>\n<p>Heilig P (2019) MRGC, eine retinale Schl\u00fcssel-Zelle Concept Ophthal 6\/2019 23-24<\/p>\n<p>Detwiler PB (2018) Phototransduction in Retinal Ganglion Cells. Yale J Biol Med 91(1):49-52.<\/p>\n<p>Heilig P (2020) Photophobia\/Cyanophilia. Concept Ophthalmol 3\/2020:38-39<\/p>\n<p>Gender: beyond<\/p>\n<p>*********************<br \/>\n<strong>Katharina und Peter Heilig<\/strong><br \/>\n<strong> VIDEO ON DEMAND: KUNSTLICHT IN UNSEREN AUGEN<\/strong>:<br \/>\n<a id=\"LPlnk478487\" href=\"https:\/\/youtu.be\/k9k_wG5lacA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/youtu.be\/k9k_wG5lacA<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=heilig\">Weitere Beitr\u00e4ge\u2013&gt; <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tetrachromasie. Ein Mythos? Prof. Dr. Peter Heilig Die Tetrachromasie w\u00e4re Flaggschiff der Gender-Medizin, wenn es nicht &#8222;mehr Fragen als Antworten&#8220; g\u00e4be. Warum kommen \u2013 on dit \u2013 praktisch nur Frauen in den Genuss dieses Ph\u00e4nomens? Und &#8211; welches weitere Photopigment k\u00f6nnte ein viertes, unabh\u00e4ngiges Signal erm\u00f6glichen sowie &#8211; welche retinalen Mechanismen l\u00e4gen einer \u201estrong tetrachromasy\u201c &hellip; <a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=35775\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Tetrachromasie. Ein Mythos?<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1,33,2,16],"tags":[],"class_list":["post-35775","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","category-gastbeitrage","category-news","category-news1"],"views":5885,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35775","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35775"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35775\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35826,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35775\/revisions\/35826"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35775"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35775"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35775"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}