{"id":34289,"date":"2020-02-06T01:02:19","date_gmt":"2020-02-06T00:02:19","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=34289"},"modified":"2020-02-06T08:50:47","modified_gmt":"2020-02-06T07:50:47","slug":"die-bibliothek-des-vereines-oesterreichischer-zahnaerzte-und-die-darin-enthaltenen-buechersammlungen-sowie-dessen-mitglieder-von-der-vereinsgruendung-1861-bis-1889-teil-1-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=34289","title":{"rendered":"Zum 150. Geburtstag von Alfred Adler: \u00dcber den nerv\u00f6sen Charakter. Grundz\u00fcge einer vergleichenden Individualpsychologie und Psychotherapie. 1912."},"content":{"rendered":"<p><strong>Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [110]:<\/p>\n<p>Zum 150. Geburtstag von:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=UMW_alma2129767540003344&amp;context=L&amp;vid=UMW&amp;lang=de_DE&amp;search_scope=UMW_all&amp;adaptor=Local%20Search%20Engine&amp;isFrbr=true&amp;tab=default_tab&amp;query=any,contains,adler%201912&amp;sortby=date&amp;facet=frbrgroupid,include,66344642&amp;mode=Basic&amp;offset=0\"><strong>Adler, Alfred: \u00dcber den nerv\u00f6sen Charakter. Grundz\u00fcge einer vergleichenden Individualpsychologie und Psychotherapie. Wiesbaden: Verlag von J.F. Bergmann 1912.<\/strong><\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-31957\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"70\"><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Neuburger Bibliothek, Sign.: 56172]<\/p>\n<p>Text: Harald Albrecht, BA<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-34296\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Weblog-110_ABB-01_Adler-Alfred-2.jpg\" alt=\"\" width=\"390\" height=\"371\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Weblog-110_ABB-01_Adler-Alfred-2.jpg 390w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Weblog-110_ABB-01_Adler-Alfred-2-300x285.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 390px) 100vw, 390px\" \/><\/p>\n<p>Abb. 1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Alfred Adler.<\/p>\n<p>Alfred Alder (07.02.1870 Wien, gest. 28.05.1937 Aberdeen\/Schottland), dessen Geburtstag sich im Februar 2020 zum 150. Mal j\u00e4hrte, war ein \u00f6sterreichischer Arzt und Psychotherapeut j\u00fcdischer Herkunft. Er gilt als Begr\u00fcnder der Individualpsychologie.<\/p>\n<p>Nach dem Besuch des Hernalser Gymnasiums in Wien, wo er 1888 maturierte, begann er sein Studium an der Medizinischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Wien, das er mit seiner Promotion 1895 abschloss. Noch w\u00e4hrend des Studiums lernte er seine sp\u00e4tere Frau Raissa Epstein (1872-1962), eine russische Studentin, in einer sozialistischen StudentInnengruppe kennen. Die Frauenrechtlerin, die sp\u00e4ter unter anderen mit Leo Trotzki (1879-1940) aber auch mit <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=32358\">Julius Tandler (1869-1936)<\/a> zusammenarbeiten sollte, und der junge Arzt heirateten 1897 in Russland. Adler arbeitete zun\u00e4chst als unbesoldeter Hilfsarzt in der Wiener Allgemeinen Poliklinik (Ophthalmologie, Innere Medizin und Neurologie) und begann schon fr\u00fchzeitig mit eigenen psychologischen Studien. Daneben er\u00f6ffnete er eine Praxis als Allgemeinmediziner, zuerst im neunten, dann im zweiten Wiener Gemeindebezirk in \u00e4rmlichen Gegenden, was ihn in seinen sozialmedizinischen Ansichten stark pr\u00e4gte.<\/p>\n<p>1904 publizierte er die Monografie: <em>Der Arzt als Erzieher<\/em>. <em>\u201e1907 folgte seine richtungsweisende Monographie, Studie \u00fcber die Minderwertigkeit von Organen\u2018. Seit 1902 hatte sich A[dler, Anm.] dem Kreis um Sigmund Freud [(1856-1939), Anm.] angeschlossen, ohne allerdings die von diesem entwickelte Psychoanalyse voll zu \u00fcbernehmen. Aus diesem Grund kam es 1911 schlie\u00dflich zum Bruch zwischen Freud und A[dler, Anm.]. In der 1912 vollendeten Studie ,\u00dcber den nerv\u00f6sen Charakter\u2018 legte A[dler, Anm.] die Grundz\u00fcge der von ihm begr\u00fcndeten Individualpsychologie fest.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-34297\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/Weblog-110_ABB-02_Titelblatt.gif\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"643\"><\/p>\n<p>Abb. 2&nbsp;&nbsp;&nbsp; Titelblatt: Adler: \u00dcber den nerv\u00f6sen Charakter. [\u2026] Wiesbaden: 1912.<\/p>\n<p>Mit diesem Buch schaffte die Individualpsychologie den Durchbruch in der Fachwelt als Alternative zur Psychoanalyse. 1912\/13 gr\u00fcndete er den <em>Verein f\u00fcr Individualpsychologie<\/em> und 1914 wurde die <em>(Internationale) Zeitschrift f\u00fcr Individualpsychologie<\/em> gegr\u00fcndet. <em>\u201eIn den Mittelpunkt seiner neuen psychologischen Lehre stelle A[dler, Anm.] das Streben des Gesamtindividuums nach Macht und Ansehen innerhalb eines sozialen Gef\u00fcges. Hierin liegt der ma\u00dfgebliche Unterschied zur psychoanalytischen Schule Freunds, die der Sexualit\u00e4t die zentrale Rolle im menschlichen Triebleben einr\u00e4umte. Als Ursache f\u00fcr die Entwicklung von neurotischen Verhaltensmustern sah A[dler, Anm.] das Streben des Menschen an, pers\u00f6nlich erlebte Minderwertigkeit \u2013 sei sie nun auf der Basis sozialer Konflikte, sei sie durch organisch-k\u00f6rperliche Beeintr\u00e4chtigung entstanden \u2013 zu kompensieren.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Die Zwischenkriegszeit war eine Bl\u00fctezeit der Individualpsychologie. Im Rahmen der Wiener Schulreform konnten Adler und seine Mitarbeiter rund 30 Erziehungsberatungsstellen in Wien er\u00f6ffnen. Die \u201eElternschulung\u201c wurde als \u201eNeuroseprophylaxe\u201c verstanden und es entstanden auch psychoanalytisch orientierte Kinderg\u00e4rten f\u00fcr Arbeiterkinder. 1920 wurde Adler Direktor der ersten Klinik f\u00fcr Kinderpsychologie in Wien und Dozent am P\u00e4dagogium der Stadt Wien. Er wollte eine lebensnahe Psychologie schaffen, die es erm\u00f6glicht, seine Mitmenschen aus deren individuellen Lebensgeschichte heraus zu verstehen.<\/p>\n<p>Ab 1926 besuchte Alfred Adler h\u00e4ufig die USA, wo seine optimistische Lehre vom Menschen als sozialem Wesen \u00e4u\u00dferst popul\u00e4r wurde. Schon in den fr\u00fchen 1930er Jahren z\u00e4hlte er zu den bekanntesten Psychologen der Welt. Angesichts der zusehends bedrohlicheren politischen Lage in Europa emigrierte er 1934 in die USA. Er hatte dort Gastprofessuren an der Columbia University und am Long Island College inne. Alfred Adler verstarb auf einer Vortragsreiste in Aberdeen\/Schottland am 28. Mai 1937.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Hannich, Hans-Joachim: Individualpsychologie nach Alfred Adler. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 2018.<\/p>\n<p>Alfred Adler \u2013 wie wir ihn kannten. Hrsg.: Gerald Mackenthum. G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht 2015.<\/p>\n<p>Adler, Alexandra: Mein Vater Alfred Adler. In: Vertriebene Vernunft II. Emigration und Exil \u00f6sterreichischer Wissenschaft 1930-1940. Teilband 1. Hrsg.: Friedrich Stadler. (=Emigration \u2013 Exil \u2013 Kontinuit\u00e4t. Schriften zur zeitgeschichtlichen Kultur- und Wissenschaftsforschung\/2) M\u00fcnster: LIT Verlag 2004. S. 288-292.<\/p>\n<p>Adler, Alfred, Mediziner, Psychologe, *7.2.1870 Penzing (heute zu Wien), +28.5.1937 Aberdeen. In: Biographische Enzyklop\u00e4die deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 1. A-Q. M\u00fcnchen: K.G. Saur 2002. S. 4-5.<\/p>\n<p>Adler, Alfred, Psychiater und Neurologe. In: \u00d6sterreichisches biographisches Lexikon 1815-1950. I. Band (A-Gl\u00e4). Hrsg.: \u00d6sterreichische Akademie der Wissenschaften. Graz, K\u00f6ln: Verlag Hermann B\u00f6hlaus Nachfolger 1957. S. 6.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Adler, Alfred, Mediziner, Psychologe, *7.2.1870 Penzing (heute zu Wien), +28.5.1937 Aberdeen. In: Biographische Enzyklop\u00e4die deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 1. A-Q. M\u00fcnchen: K.G. Saur 2002. S. 4.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Adler, Alfred, Mediziner, Psychologe, *7.2.1870 Penzing (heute zu Wien), +28.5.1937 Aberdeen. In: Biographische Enzyklop\u00e4die deutschsprachiger Mediziner. Hrsg. von Dietrich von Engelhardt. Bd. 1. A-Q. M\u00fcnchen: K.G. Saur 2002. S. 4.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=%22Aus+den+medizinhistorischen+Best%C3%A4nden+der+Ub+MedUni+Wien%22\">Alle Beitr\u00e4ge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien\u2013&gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [110]: Zum 150. Geburtstag von: Adler, Alfred: \u00dcber den nerv\u00f6sen Charakter. Grundz\u00fcge einer vergleichenden Individualpsychologie und Psychotherapie. Wiesbaden: Verlag von J.F. 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