{"id":33624,"date":"2019-10-04T01:45:39","date_gmt":"2019-10-04T00:45:39","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=33624"},"modified":"2021-07-29T13:34:53","modified_gmt":"2021-07-29T12:34:53","slug":"gastautor-rector-emeritus-univ-prof-dr-dr-h-c-wolfgang-schuetz-medical-humanities-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=33624","title":{"rendered":"Gastautor Rector emeritus Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c Wolfgang Sch\u00fctz: MEDICAL HUMANITIES"},"content":{"rendered":"<h3><strong>MEDICAL HUMANITIES<\/strong><\/h3>\n<p><span class=\"l\"><span class=\"bold\">Autor: <\/span><span class=\"s\">Rector emeritus Em.Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. Wolfgang&nbsp;<span class=\"bold\">Sch\u00fctz<\/span><br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p>Mit dem Begriff <strong>Medical Humanities<\/strong> wird ein multi- und interdisziplin\u00e4res Feld der Me\u00addizin be\u00adzeichnet, das so\u00adwohl die Naturwissenschaften, als auch die Geistes\u2011 und Sozial\u00adwissen\u00adschaften sowie die K\u00fcnste umfasst. Das Konzept der Medi\u00adcal Humanities ber\u00fcck\u00adsich\u00adtigt in der Me\u00addi\u00adzin auch die sozialen und kulturellen Kom\u00adpo\u00adnenten, untersucht ihre Zusammenh\u00e4nge und bindet ihre Erfahrungen ein. Die in vielen L\u00e4n\u00addern schon etablierte Disziplin erlaubt den Blick \u00fcber die natur\u00adwissen\u00ad\u00adschaftlich ge\u00adpr\u00e4gte und Techno\u00adlogie-be\u00adstimmte Medizin hinaus, zum Beispiel auf den kulturell gepr\u00e4gten Umgang mit Krank\u00adheit und Tod.<\/p>\n<p>Drei wesentliche Gr\u00fcnde lassen einen Fokus auf Medical Humanities auch in \u00d6sterreich als notwendig er\u00adscheinen:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Medizin wird in den Pflichtcurricula in Form streng strukturierter Module gelehrt, die nur we\u00adnig M\u00f6g\u00adlich\u00adkeiten bieten, auch deren Vernetzung mit Geistes\u2011 und Sozial\u00adwissen\u00ad\u00adschaf\u00adten sowie mit den K\u00fcnsten zu beleuchten. Diese Strukturierung erwies sich im Rahmen der Er\u00adstel\u00adlung des Grundkonzepts f\u00fcr die der\u00ad\u00ad\u00adzeitigen Curricula \u2013 im Zeit\u00adraum 1998\u20132002 \u2013 als not\u00adwen\u00addig, wo noch freier Zugang mit \u00fcber 4.000&nbsp;Studien\u00adan\u00adf\u00e4ngern herrschte (weit weniger als die H\u00e4lfte beendeten ihr Studium). Seit dem Jahr 2006 finden aber Aufnahmetests f\u00fcr eine vorgegebene Zahl von derzeit 1.620&nbsp;Stu\u00ad\u00addien\u00adpl\u00e4tzen statt, die nun durchwegs von Studierenden mit hoher Eignung f\u00fcr ein Stu\u00addium belegt sind. Damit den zuk\u00fcnftigen \u00c4rztInnen ein interdisziplin\u00e4res Medizinstudium nach inter\u00adnationalen Standards angeboten werden kann, muss die bisherige strenge Struk\u00ad\u00adturierung gelockert wer\u00adden. Zus\u00e4tzlich sol\u00adlen Medical Humanities auch ein Lehr\u2011 und Forschungsfeld f\u00fcr kultur- und sozial\u00adwissen\u00adschaftliche Studienrichtungen wer\u00adden.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Das Credo der &#8222;Evidenz-basierten Medizin&#8220;, die den jeweiligen wissenschaftlichen Gold\u00ad\u00adstandard f\u00fcr die Hei\u00adlung einer <em>Krankheit<\/em> definiert, wechselt immer mehr zu einem Credo der eng mit der Digitalisierung ein\u00adhergehenden &#8222;Personalisierten Medizin&#8220;, wo die Hei\u00adlung des <em>Kranken<\/em> im Mittelpunkt steht. Ihr Schwer\u00adpunkt liegt auf der gene\u00adti\u00adschen Ausge\u00adstal\u00adtung (dem Genom) der PatientInnen, wobei so genannte Bio\u00admarker Aus\u00adkunft \u00fcber den Zu\u00adsam\u00admenhang einzelner Gene sowie \u00fcber Zellmerkmale ver\u00admit\u00adteln. Viele ge\u00adnetische Da\u00adten sind aber von unklarer Relevanz oder erbringen f\u00fcr die Pa\u00adtientInnen gar belastende In\u00adformationen ohne Ein\u00adgriffsm\u00f6glichkeit. Auch droht ein Kon\u00adtrollverlust f\u00fcr die miss\u00adbr\u00e4uch\u00adliche Ver\u00adwen\u00addung von Pa\u00adtientInnendaten von Arbeit\u00adgebern und Versicherungen. Die Bezeichnung &#8222;per\u00adso\u00adnalisiert&#8220; selbst ist irre\u00adf\u00fch\u00adrend, denn diese Medizin hat nichts mit mehr pers\u00f6nlicher Zu\u00adwendung den Pa\u00adtientIn\u00adnen gegen\u00ad\u00fcber zu tun, sie basiert vielmehr auf einer Hochtechno\u00adlogie, die dem Arzt-Pa\u00adtienten-Verh\u00e4ltnis nicht f\u00f6r\u00adder\u00adlich ist. \u201ePer\u00adso\u00adnalisierte Medi\u00adzin\u201c oder \u201ePr\u00e4zisions\u00admedi\u00adzin\u201c wird zunehmend zur \u201eBiomarker-Strati\u00adfied Medicine\u201c. Die Begriffe &#8222;Krank\u00adheit&#8220; und \u201eGesundheit\u201c, die einem soziokulturellen Wandel unter\u00adworfen sind, m\u00fcssen da\u00adher st\u00e4ndig neu definiert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li>Die Spit\u00e4ler in Europa entwickeln sich immer mehr zu globalen Orten. So haben auf den Am\u00adbulanzen im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt&nbsp;Wien (AKH) bereits &gt;&nbsp;60% aller Pa\u00adtien\u00adtInnen einen Migrations\u00adhinter\u00adgrund, etwa 20% sprechen gar nicht oder nur sehr ge\u00adbrochen deutsch. Dieser Anteil an Menschen mit Mi\u00ad\u00adgra\u00adtions\u00adhintergrund in den Spitals\u00adambulanzen ist deutlich gr\u00f6\u00dfer als deren Anteil inner\u00adhalb der Wie\u00adner Be\u00adv\u00f6l\u00adkerung (43%) bzw. der gesamt\u00f6sterreichischen Bev\u00f6lkerung&nbsp;(28%). Es sind PatientIn\u00adnen mit teil\u00adweise nie\u00addri\u00adgem Bil\u00addungsgrad, mit Gewalterfahrung, von l\u00e4ndlicher Her\u00adkunft und mit patriar\u00adcha\u00adlischen Werte\u00ad\u00adnormen, die Religion hat einen ho\u00adhen Stellen\u00adwert. So entstehen Konflikte mit den modernen Krank\u00adheits\u00adauf\u00ad\u00adfas\u00adsungen von \u00c4rztIn\u00adnen, Pflegekr\u00e4ften und PatientInnen aus verschiedensten Kulturkreisen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Medical Humanities leisten f\u00fcr die Medizin einen wesentlichen Beitrag zur <em>Responsible Science<\/em>-Initiative der EU. \u201eResponsible Science\u201c, im EU-Kon\u00adtext auch als \u201eResponsible Re\u00adsearch and Innovation\u201c (RRI) bezeichnet, bindet die Gesellschaft aktiv in For\u00adschungs- und In\u00adnovationsprozesse ein, um aktuelle Herausforderungen effektiver und im Einklang mit den Wer\u00adten, Erwartungen und Bed\u00fcrfnissen der Gesellschaft bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.&nbsp;Ziel der Medi\u00adcal Humanities ist, in medizinischen und Gesundheits\u00adberufen einen ver\u00adant\u00adwortungs\u00ad\u00advollen Umgang mit dem technisch-wissenschaftlichen Fort\u00adschritt zu vermitteln und f\u00fcr die Bedeutung eines empathischen Arzt-Patienten-Ver\u00adh\u00e4lt\u00adnisses in der Behand\u00adlung eines multikulturellen PatientInnen\u00ad-Kol\u00adlek\u00adtivs zu sensibilisieren.<\/p>\n<p><strong>Veranstaltungshinweis:<\/p>\n<p><\/strong><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=34193\"><strong>\u00d6sterreich liest \u2013 Treffpunkt Bibliothek: Buchausstellung: \u201eMEDICAL HUMANITIES\u201c<\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/primo-explore\/collectionDiscovery?vid=UMW&amp;collectionId=8128477650003344&amp;lang=de_DE\"><strong>Virtuelle Buchausstellung \u201eMEDICAL HUMANITIES\u201c \u00bb<\/strong><\/a><\/p>\n<header role=\"banner\"><\/header>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VanSwietenBlog_MHartl.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-28234\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VanSwietenBlog_MHartl.gif\" alt=\"Logo: MMag.Margrit Hartl\" width=\"158\" height=\"56\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MEDICAL HUMANITIES Autor: Rector emeritus Em.Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. 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