{"id":33073,"date":"2019-06-01T08:31:26","date_gmt":"2019-06-01T07:31:26","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=33073"},"modified":"2019-04-15T11:54:19","modified_gmt":"2019-04-15T10:54:19","slug":"gastautor-prof-dr-peter-heilig-neuromagie-und-unfaelle-2-2-2-2-3-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=33073","title":{"rendered":"Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Technik und Auge"},"content":{"rendered":"<p>Die Industrie \u00fcbertrifft sich geradezu selbst mit spektakul\u00e4ren &#8218;Optimierungen&#8216; auf dem Gebiet visueller Medien und k\u00fcnstlicher Beleuchtung. Super Hi-Vision, Imax-Level, &#8222;mesmerizingly beautiful&#8220;, Full-HD und HD-TV, 8 K-Fernseher (dreiunddrei\u00dfig Millionen Pixel) &#8211; obwohl 8K-Kameras und deren&nbsp; 8K-HD-Bilder schwer im Handel zu finden sind. Die hohen Datenmengen ben\u00f6tigen spezielle Satelliten-8K-Receiver; abgesehen davon sind 4K-Ger\u00e4te, 4K-Ausstrahlungen (f\u00fcr 2022 geplant) etc. noch rar. Bit-Raten im Internet hinken nach. Auch Blue-Ray-UHD Produkte kommen f\u00fcr Fans zu sp\u00e4t; die Auswahl ist bescheiden. Eine maximal erh\u00f6hte &#8218;Bildqualit\u00e4t&#8216; st\u00f6\u00dft beim Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen der Netzhaut an sinnesphysiologische Grenzen. Betrachter, welche ihren Super-Monitor (189&#8243; Diagonale) in etwas komfortablem Abstand als ~1.25 m genie\u00dfen wollen, d\u00fcrfen sich die Investition (s. oben) sparen.<\/p>\n<p>Ein Wort zur \u00c4sthetik: Von der SuperHighFullHDUHDK<sup>n-<\/sup>etc.-&#8218;Vision&#8216; unterscheidet sich der nat\u00fcrliche Seh-Eindruck wesentlich: Wie aquarelliert verlieren sich klare Umrisse in der Ferne, in zartem Blau schimmern Berge kulissenhaft oder es scheint das Meer mit einem fernen Himmel zu verschmelzen. Ein Hauch von Astigmatismus mixtus mit dazugeh\u00f6riger gro\u00dfer Tiefensch\u00e4rfe (falls nicht restlos herausgelasert) l\u00e4sst Dreidimensionales noch plastischer erscheinen. Und im Sturm&#8217;schen Konoid spielt dessen geometrische Farbverteilung eine ganz besondere Rolle. Das Flache im Flachbildschirm mit ubiquit\u00e4r extrem scharf abgebildeten Details in allen (jedoch schwer erkennbaren) Tiefen-Ebenen wirkt hingegen alles Andere als nat\u00fcrlich. Abgesehen davon bettelt so manche schonungslose Gro\u00dfaufnahme um einen barmherzigen Weichzeichner. Eines Tages wird die Industrie vielleicht ihre Produkte in weiser Voraussicht mit &#8217;natural view&#8216; anstelle der&nbsp; marktschreierischen &#8218;Super Duper-Vision&#8216; bewerben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/sturmfarben.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-33075\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/sturmfarben.jpg\" alt=\"\" height=\"357\" width=\"500\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/sturmfarben.jpg 500w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/sturmfarben-300x214.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nat\u00fcrliches Licht, die Conditio sine qua non f\u00fcr optimiertes Sehen und Wahrnehmung, kam aus der Mode. Blau-dominiertes \u00fcberdosiert helles bis blendendes Kunstlicht foltert das Auge im Stra\u00dfenverkehr, auf Sportpl\u00e4tzen, Nacht-Skipisten, in Innenr\u00e4umen, \u00fcber &#8218;Smart&#8217;phones, Tablets, Monitore etc. Via Phylogenetik entwickelte sich das visuelle System \u00fcber Millionen Jahre bis zur humanen Ontogenese unter dem Einflu\u00df von Temperaturstrahlern (Sonne, Fackel, Kerze.. Gl\u00fchbirne etc.). Unz\u00e4hlige Experimente dieses Licht technisch zu &#8218;verbessern&#8216; schlugen fehl. Das kontinuierliche Spektrum des Gl\u00fchfadens &#8211; in der Gl\u00fchbirne zum Beispiel &#8211; kommt der Idealvorstellung am n\u00e4chsten. Das fehlende totale Erl\u00f6schen des Gl\u00fchfadens w\u00e4hrend des Nullphasendurchgangs (bei Wechselstrom) verhindert \u00fcbrigens st\u00f6rendes Flackerlicht.<\/p>\n<p>&#8218;L\u00f6cherige&#8216; Leuchtstoffr\u00f6hren- oder Energiesparlampen-Spektra sind &#8217;nicht das Gelbe vom Ei&#8216;. Mit 50 oder 100 Hertz flackernde Kunstlichtquellen, bl\u00e4ulichweiss blendende KFZ-Scheinwerfer, intermittierend abstrahlende Lichter (dynamische Werbung, E-Toys-Lichtbeh\u00fcbschungen im Stra\u00dfenverkehr etc.) harmonieren eher dissonant mit unseren visuellen und kognitiven Prozessen &#8211; im schlimmsten Fall: Inattentional Blindness samt potentiell fatalen Folgen &#8211; Beispiel: nicht wahrgenommenes Kind am Schutzweg durch Tagfahrlicht (DRL)-\u00dcberstimulation trotz ausreichend hellen Tagslichts.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/sturmk.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-33077\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/sturmk.jpg\" alt=\"\" height=\"297\" width=\"500\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/sturmk.jpg 500w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/sturmk-300x178.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>LED: Entbehrliche blaue Buckel (peaks) dominieren die Spektralverteilungskurven der Licht-Emittierenden Dioden. Mit einigem Aufwand &#8211; dies schl\u00e4gt sich jedoch im Kaufpreis nieder, wird versucht das &#8218;Tageslichtspektrum&#8216; zu simulieren und unphysiologisches, potentiell phototoxisches Blau zu filtern. K\u00e4ufer haben jedoch keine M\u00f6glichkeit die Qualit\u00e4t des Gebotenen verl\u00e4sslich zu \u00fcberpr\u00fcfen. Auch Kelvin-Angaben bzw. die Bezeichnung &#8218;warmwei\u00df&#8216; helfen kaum weiter. Das Desideratum: Tageslichtspektrum.&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/SturmsConoid.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-33084\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/SturmsConoid.jpg\" alt=\"\" height=\"267\" width=\"350\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/SturmsConoid.jpg 350w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/SturmsConoid-300x229.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Vor etwa 600 Millionen Jahren entstanden die ersten lichtempfindlichen Augenflecken, sp\u00e4ter Pigment-Becheraugen, Lochblendenaugen und das Linsenauge, welche das Licht zentral b\u00fcndelt. Phototoxisches Ultraviolett wird von Hornhaut und Linse gefiltert, jedoch gelangt energiereiches Blau des sichtbaren Spektrums bis in die Retina. Nicht viel mehr als f\u00fcnf Prozent aller Zapfen sind blau-empfindlich (S-cones) &#8211; im Zentrum der Netzhaut fehlen sie zur G\u00e4nze. Warum wohl? Wenn es keine teleologische Erkl\u00e4rung gibt, dann w\u00e4re eine Hypothese schwer zu widerlegen, welche besagte, dass diese Rezeptoren, &#8218;Blau-Lichtfallen&#8216;, im Laufe der Evolution gar nicht &#8211; oder r\u00fcck-gebildet worden w\u00e4ren. Andernfalls erlitten foveale S-cones zentral geb\u00fcndeltem potentiell phototoxischem Licht im Laufe der langen Lebenserwartung des Menschen unvermeidlich Lichtsch\u00e4den.<\/p>\n<p>Obwohl in der Natur offenbar &#8222;weise eingerichtet&#8220;, k\u00fcmmert dies die Technik wenig. &#8222;Blue-enriched-white-glare&#8220; scheint sich als Qualit\u00e4tsmerkmal verkaufen zu lassen. Auch wenn mit gelbem Licht das Kontrastsehen (ohne &#8218;blue blur&#8216;) signifikant besser ist, Blendung und Ablenkung geringer sind, potentielle retinale Lichtsch\u00e4den sp\u00e4ter bis m\u00f6glicherweise gar nicht auftreten, l\u00e4uft die Entwicklung weiter in die falsche Richtung. Licht-Hygiene ist auch in der Medizin noch immer ein Fremdwort, f\u00fcr die Technik &#8211; kein Vorwurf! &#8211; umso mehr.<\/p>\n<p>Epilog:<\/p>\n<p>Informationsaustausch, interdisziplin\u00e4rer Dialog und \u00d6ffentlichkeitsarbeit sind erforderlich. Kinder und Jugendliche, ausgeliefert einer aggressiven Werbungsmaschinerie, nehmen deren Botschaft auf und geben sie nicht selten ungefiltert &#8211; kaum bewusst &#8211; weiter, auch an kommende Generationen &#8211; via Epigenetik.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=heilig\">Weitere Beitr\u00e4ge&#8211;&gt; <\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Einladung-15.Okt_.pdf\">Einladung: DAS DRITTE AUGE MYTHEN M\u00c4RCHEN MEDIZYN<br \/>\n<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Industrie \u00fcbertrifft sich geradezu selbst mit spektakul\u00e4ren &#8218;Optimierungen&#8216; auf dem Gebiet visueller Medien und k\u00fcnstlicher Beleuchtung. Super Hi-Vision, Imax-Level, &#8222;mesmerizingly beautiful&#8220;, Full-HD und HD-TV, 8 K-Fernseher (dreiunddrei\u00dfig Millionen Pixel) &#8211; obwohl 8K-Kameras und deren&nbsp; 8K-HD-Bilder schwer im Handel zu finden sind. Die hohen Datenmengen ben\u00f6tigen spezielle Satelliten-8K-Receiver; abgesehen davon sind 4K-Ger\u00e4te, 4K-Ausstrahlungen (f\u00fcr 2022 &hellip; <a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=33073\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Technik und Auge<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1,33,2,16],"tags":[],"class_list":["post-33073","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","category-gastbeitrage","category-news","category-news1"],"views":1589,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33073","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=33073"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33073\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33092,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/33073\/revisions\/33092"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=33073"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=33073"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=33073"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}