{"id":31287,"date":"2018-10-11T05:46:06","date_gmt":"2018-10-11T04:46:06","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=31287"},"modified":"2022-05-16T12:42:24","modified_gmt":"2022-05-16T11:42:24","slug":"aus-den-medizinhistorischen-bestaenden-der-ub-meduni-wien-77-todesopfer-der-revolution-1848-comfort-richard-dissertatio-inauguralis-medico-pharmagologica-de-guajaco-theses-adnexae-defendentur-3-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=31287","title":{"rendered":"Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [79]: Mediziner in der Revolution 1848: Kapper, Siegfried: Dissertatio Inauguralis Medico-Practica&#8230;In Theses adnexas disputabitur in aedibus Universitatis die 2. Mensis Januarii 1847"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mediziner in der Revolution 1848 \u2013 Siegfried Kapper<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/waltermentzel.wordpress.com\/\">Text: Dr. Walter Mentzel<\/a><\/p>\n<p>Siegfried Salomon Kapper geh\u00f6rte zu den aktivsten und engagiertesten Medizinern w\u00e4hrend der 1848er Revolution in Wien. Er nahm am 13. M\u00e4rz 1848 an der Versammlung im nieder\u00f6sterreichischen Landhaus teil, auf der <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=30856\">Adolf Fischhof<\/a> (1816-1893) seine Rede zur Pressefreiheit hielt und wurde in jene Delegation gew\u00e4hlt, die als Deputation vor den St\u00e4nden im Landhaus die Forderungen der Revolution\u00e4re vertreten sollte. Er war Mitglied der Nationalgarde, in den F\u00fchrungsorganen der Akademischen Legion t\u00e4tig, und verfasste als Journalist zahlreiche Artikel mit der er die Revolution zu unterst\u00fctzen und mit seinen Gedichten (\u201eVoran\u201c, \u201eChorgesang der Wiener Studentenlegion\u201c, \u201eAuferstehung\u201c, \u201eDas Schmelzer Grab\u201c, \u201e<a href=\"https:\/\/search.wienbibliothek.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=WBR_alma2162386820004516&amp;context=L&amp;vid=WBR&amp;lang=de_DE&amp;search_scope=default_scope&amp;adaptor=Local%20Search%20Engine&amp;tab=defaul_tab&amp;query=any,contains,siegfried%20kapper&amp;mode=basic\">Befreite Lieder<\/a>\u201c, \u201eDem jungen \u00d6sterreich\u201c) voranzutreiben versuchte. Kapper veranstaltete 1848 am \u201eTheater an der Wien\u201c ein Feierkonzert mit, aus dessen Reinerl\u00f6s die Errichtung des Denkmales f\u00fcr die \u201eM\u00e4rzgefallenen\u201c finanziert werden sollte. Im Juni 1848 kandidierte er f\u00fcr die erste Volksvertretung \u00d6sterreichs, den konstituierenden Reichstag.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Ebenso nahm er als Mediziner im \u00e4rztlichen Dienst in einem Notspital im Wiener Augarten an den Oktoberk\u00e4mpfen um Wien teil. Danach arbeitete er f\u00fcr Zeitungen in denen er \u00fcber die weitere Entwicklung und \u00fcber die Niederschlagung der Revolution berichtete. Seine zeitgen\u00f6ssischen Darstellungen und Berichte z\u00e4hlen heute noch zu den detailliertesten und durch ihre Informationsdichte sich auszeichnenden Arbeiten zu den Ereignissen von 1848.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/blog_79_bild-1_siegfried-kapper.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-31284\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/blog_79_bild-1_siegfried-kapper.jpg\" alt=\"\" width=\"409\" height=\"758\"><\/a><\/strong><\/p>\n<p>Siegfried Kapper. Lithographie von Eduard Kaiser. 1848.<\/p>\n<p>Siegfried (Isaac Salomon) Kapper wurde am 21. M\u00e4rz 1820 als eines von neun Kindern des j\u00fcdischen Lehrers Joseph Hermann Kapper (1775-1845) und der Sara Franziska, geborene Rosenball, in Sm\u00edchov in Prag geboren. Er war mit Anna Hartmann, der Schwester seines Studienkollegen und Freundes Moritz Hartmann (1821-1872), der ebenfalls an der Revolution von 1848 in Wien teilnahm und als dessen Chronist gilt, verheiratet. Nachdem er zun\u00e4chst zwischen 1836 und 1839 an der Prager Universit\u00e4t Philosophie studiert und danach ein Jahr lang in Russland als Hauslehrer gearbeitet hatte, begann er 1841 an der Universit\u00e4t Wien mit dem Studium der Medizin, das er 1847 mit der Promotion u.a. bei <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=28034\">Carl von Rokitansky<\/a> (1804-1878), <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27323\">Josef Skoda<\/a> (1805-1881) und Ernst von Feuchtersleben (1806-1849) abschloss. Bereits w\u00e4hrend seines Studiums war er schriftstellerisch t\u00e4tig und ver\u00f6ffentlichte in einer Reihe von Zeitungen (\u00d6sterreichisches Morgenblatt<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, Sonntags-Bl\u00e4tter<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, Bohemia, Constitutionelles Blatt, Wiener Zeitung u.a.), schrieb Libretti f\u00fcr Opern und begann sich mit der tschechischen und s\u00fcdslawischen Literatur und deren \u00dcbersetzung zu besch\u00e4ftigten. Daneben schrieb f\u00fcr j\u00fcdische Zeitschriften (Kalender und Jahrbuch f\u00fcr Israeliten\/1845, 1847) und publizierte sogenannte j\u00fcdische Ghettoliteratur. Er gilt als ein prominenter Vertreter des deutsch-tschechischen Judentums.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Von ihm besitzt die Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin seine 28 Seiten umfassende, im Jahr 1847 an der Universit\u00e4t Wien approbierte Dissertation, die er dem Wiener Arzt Dr. Johann Joseph Tedesco (1803-1870) widmete und in der er sich mit der Wirkung der Heilquelle im Kurort Gleichenberg befasste.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=UMW_alma2141318750003344&amp;context=L&amp;vid=UMW&amp;lang=de_DE&amp;search_scope=UMW_all&amp;adaptor=Local%20Search%20Engine&amp;tab=default_tab&amp;query=any,contains,De%20Fonte%20Constantina%20Gleichenbergensi&amp;mode=Basic\">Kapper, Siegfried: [\u2026] De Fonte Constantino Gleichenbergensi, [\u2026]. Wien: Typis Carolii Ueberreuter 1847.<\/a><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/blog_79_bild-2_D2937.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-31285\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/blog_79_bild-2_D2937.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"613\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/blog_79_bild-2_D2937.jpg 400w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/blog_79_bild-2_D2937-196x300.jpg 196w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><br \/>\n<\/a><\/strong>Titelblatt: Kapper: [\u2026] De Fonte Constantina Gleichenbergensi, [\u2026]. Wien: 1847.<\/p>\n<p>Im Jahr seiner Promotion \u00fcbersiedelte Kapper von Wien in das heutige Kroatien, wo er sich in Karlstadt (heute: Karlovac) niederlie\u00df und eine Arztpraxis er\u00f6ffnete. Im Februar 1848 kam er zun\u00e4chst auf einer Durchreise nach Wien und nahm angezogen von den Ereignissen an der Freiheitsbewegung teil. Trotz seines ma\u00dfgebenden Engagements wurde er nach der Niederschlagung der Revolution am 9. November 1848 in die Medizinische Fakult\u00e4t aufgenommen und konnte weiterhin als Arzt in Karlstadt seine Arbeit verrichten. Von hier aus unternahm er in den folgenden Jahren mehrere ausgedehnte Reisen durch das s\u00fcdliche Ungarn und die slawischen Gebiete des Osmanischen Reichs (Bosnien, Herzegowina, Montenegro und Serbien), die sich in zahlreichen ethnografischen, kultur- und literaturhistorischen Werken und Reiseberichten niederschlugen. Daneben belegte er 1849 an der Medizinischen Fakult\u00e4t einen praktischen Kurs zur Geburtshilfe, den er 1850 abschloss, und erhielt 1851 sein Zeugnis \u00fcber das Rigorosum im Fach Chirurgie, das er bei Johann Dumreicher (1815-1880) absolviert hatte. 1854 \u00fcbersiedelte Kapper nach B\u00f6hmen und lie\u00df sich in Dobris in der N\u00e4he von Prag nieder. Nachdem er 1859 am \u00f6sterreichisch-italienischen Krieg als Feldarzt in einem Milit\u00e4rspital in Verona teilgenommen hatte, arbeitete er ab 1860 wieder als Arzt in Jungbunzlau und ab 1867 in Prag. Neben seinem Beruf als Arzt war er stets schriftstellerisch t\u00e4tig. Seine Werke werden heute \u201ewiederentdeckt\u201c und neu aufgelegt. Kappers Verdienst als Schriftsteller war u.a. die s\u00fcdslawische Literatur in die deutsche Sprache zu \u00fcbersetzen und sie im deutschsprachigen Raum zu etablieren. Er verstarb am 7. Juni 1879 w\u00e4hrend eines Kuraufenthaltes in Pisa in Italien, wo er auch beerdigt wurde.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>AUW, Med. Fak., Dekanat, Rigorosenprotokolle (1821-1871), Sign. 170-121a, Kapper Siegfried (Rigorosum Datum 1846).<\/p>\n<p>AUW, Rektorat, Med. Fakult\u00e4t, Promotionsprotokoll 1840-1854, Sign. 176-589, Kapper Siegfried (Promotion Datum 26.1.1847).<\/p>\n<p>AUW, Med. Fak., Dekanat, Rigorosenprotokolle (1821-1871), Sign. 170-123r, Kapper Siegfried (Rigorosen Datum 1851).<\/p>\n<p>Donath, Oskar: Siegfried Kapper als Ghettodichter. In: Monatsschrift f\u00fcr Geschichte und Wissenschaft des Judentums. H. 9\/10 (September\/Oktober). 1912. S. 513-545.<\/p>\n<p>Kapper, Siegfried. In: Lexikon deutsch-j\u00fcdischer Autoren. (Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica, Band 13:). M\u00fcnchen 2005, S. 257\u2013266.<\/p>\n<p>Literaturliste:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=UMW_alma2141318750003344&amp;context=L&amp;vid=UMW&amp;lang=de_DE&amp;search_scope=UMW_all&amp;adaptor=Local%20Search%20Engine&amp;tab=default_tab&amp;query=any,contains,De%20Fonte%20Constantina%20Gleichenbergensi&amp;mode=Basic\">Kapper, Siegfried: Dissertatio Inauguralis Medico-Practica De Fonte Constantino Gleichenbergensi, Quam Consensu Et Auctoritate Illustrissimi Ac Magnifici Domini Pr\u00e6esidis Ac Directoris, Perillustris Ac Spectabilis Domini Decani nec non Clarissimorum Ac Celeberrimorum D. D. Professorum pro Doctoratus Medicinae Laurea rite obtinenda in antiquissima ac celeberrima Universitate Vindobonensi publicae disquisitioni submittit Segofredus Kapper, e Smichow in Bohemia. In Theses adnexas disputabitur in aedibus Universitatis die 2. Mensis Januarii 1847. Wien: Typis Carolii Ueberreuter 1847.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Histor.Diss_M.Hartl_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-27558\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Histor.Diss_M.Hartl_.jpg\" alt=\"\" width=\"158\" height=\"64\"><\/a><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/historische Dissertationsbibliothek, Sign.: D-2937]<\/p>\n<p>Keywords:<\/p>\n<p>1848, Adolf Fischhof, Carl von Rokitansky, Dissertation, Ernst von Feuchtersleben, Johann Dumreicher, Jospeh Skoda, Mediziner, Revolution, Schriftsteller, Siegfried Kapper, Wien, Arzt<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Wiener Zeitung. 28.6.1848. S. 2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u00d6sterreichisches Morgenblatt. 27.2.1841. S. 1.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Sonntags-Bl\u00e4tter f\u00fcr heimathliche Interessen. 10.4.1842. S. 1.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Donath, Oskar: Siegfried Kapper als Ghettodichter. In: Monatsschrift f\u00fcr Geschichte und Wissenschaft des Judentums. H. 9\/10 (September\/Oktober). 1912. S. 513-545.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\"><\/a><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\"><\/a><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\"><\/a>Normdaten&nbsp;(Person) <strong>Kapper, Siegfried : <\/strong><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=31287\"> BBL: 31287;<\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gemeinsame_Normdatei\">GND<\/a><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27489\">:&nbsp;<\/a><a title=\"https:\/\/d-nb.info\/gnd\/116053755\" href=\"https:\/\/d-nb.info\/gnd\/116053755\">116053755<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/ueber-uns\/medizinhistorische-bibliotheken-der-ub-meduni\/highlights-medizinhistorischer-buecher-u-zeitschriften\/bio-bibliografisches-lexikon\/\">Bio-bibliografisches Lexikon (BBL)\/Liste aller Beitr\u00e4ge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien<\/a><\/p>\n<p>Bitte zitieren als VAN SWIETEN BLOG der Universit\u00e4tsbibliothek der Medizinischen Universit\u00e4t Wien, BBL: 31287 (11.10.2018); Letzte Aktualisierung: 2022 05 16<br \/>\nOnline unter der URL: https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=31287<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-28234\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VanSwietenBlog_MHartl.gif\" alt=\"Van Swieten Blog Logo Margrit Hartl\" width=\"188\" height=\"64\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mediziner in der Revolution 1848 \u2013 Siegfried Kapper Text: Dr. Walter Mentzel Siegfried Salomon Kapper geh\u00f6rte zu den aktivsten und engagiertesten Medizinern w\u00e4hrend der 1848er Revolution in Wien. 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