{"id":30593,"date":"2018-07-12T01:08:34","date_gmt":"2018-07-12T00:08:34","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=30593"},"modified":"2020-08-24T12:39:10","modified_gmt":"2020-08-24T11:39:10","slug":"aus-den-medizinhistorischen-bestaenden-der-ub-meduni-wien-71-restitutionsfall-stefan-auspitz-von-artenegg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=30593","title":{"rendered":"Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [71]: Restitutionsfall: Stefan Auspitz von Artenegg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Restitutionsfall: Stefan Auspitz von Artenegg<\/strong><\/p>\n<p>Text: <a href=\"https:\/\/waltermentzel.wordpress.com\/\">Dr. Walter Mentzel<\/a><\/p>\n<p>Im April 2018 f\u00fchrte die Universit\u00e4tsbibliothek der Medizinischen Universit\u00e4t Wien die Restitution im Fall \u201eStefan Auspitz\u201c an dessen Erbberechtigten\/RechtsnachfolgInnen durch, nachdem am Standort Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin drei B\u00fccher aus der ehemaligen Privatbibliothek von Stefan Auspitz als entzogenes Raubgut identifiziert werden konnte. Bei den nunmehr restituierten B\u00fcchern handelt es sich um:<\/p>\n<p>Rosenberger, Eugenie: Felix Du Bois-Reymond 1782-1865. Berlin: Mayer &amp; Jensen 1912.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-31957\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"88\"><\/a><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Neuburger Bibliothek, Sign.: 18066]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/webapp.uibk.ac.at\/alo\/cat\/card.jsp?id=8634046&amp;pos=0&amp;phys\">http:\/\/webapp.uibk.ac.at\/alo\/cat\/card.jsp?id=8634046&amp;pos=0&amp;phys<\/a>=<\/p>\n<p>Helmholtz, Hermann von.: Vorlesungen \u00fcber die elektromagnetische Theorie des Lichts. Hrsg. von Arthur K\u00f6nig und Carl Runge. Bd. 5. Hamburg, Leipzig: Voss 1897.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-31957\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"88\"><\/a><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/NeuburgerBibliothek, Sign.: 18072\/5]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/webapp.uibk.ac.at\/alo\/cat\/card.jsp?id=8583915&amp;pos=1&amp;phys\">http:\/\/webapp.uibk.ac.at\/alo\/cat\/card.jsp?id=8583915&amp;pos=1&amp;phys<\/a>=<\/p>\n<p>Franc\u00e9, Raoul Heinrich: Der heutige Stand der Darwin&#8217;schen Fragen. Eine Wertung der neuen Tatsachen und Anschauungen. 2. umgearbeitete Auflage. Leipzig: Thomas 1907.<\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Neuburger Bibliothek, Sign.: 10377]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-31957\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"88\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/webapp.uibk.ac.at\/alo\/cat\/card.jsp?id=8570024&amp;pos=0&amp;phys\">http:\/\/webapp.uibk.ac.at\/alo\/cat\/card.jsp?id=8570024&amp;pos=0&amp;phys<\/a>=<\/p>\n<p>Alle drei als geraubt identifizierten B\u00fccher tragen als Provenienzmerkmal den handschriftlichen Vermerk: \u201eStefan Auspitz\u201c, die mit jener von Stefan Auspitz 1938 abgegebenen Unterschrift unter seine Verm\u00f6gensanmeldung bei der im Ministerium f\u00fcr Wirtschaft und Arbeit eingerichteten Verm\u00f6gensverkehrsstellem \u00fcbereinstimmt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/StefanAuspitz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-30594\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/StefanAuspitz.jpg\" alt=\"\" width=\"486\" height=\"229\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/StefanAuspitz.jpg 486w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/StefanAuspitz-300x141.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 486px) 100vw, 486px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb. 1.&nbsp;&nbsp; Handschriftlicher Vermerk: \u201eStefan Auspitz\u201c<\/p>\n<p>Die drei an der Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin eruierten B\u00fccher aus der Privatbibliothek Stefan Auspitz wurden laut handschriftlichen Eintragungen vom ehemaligen Institut f\u00fcr Geschichte der Medizin am 13. und 26. April sowie am 19. November 1948 vom Wiener Antiquariat Alfred Wolf, einem im NS-B\u00fccherraub aktiv involvierten Unternehmen, k\u00e4uflich erworben. Die B\u00fccher d\u00fcrften entweder aus dem Warenlagerbestand der \u201eM\u00f6belverwertungsstelle\u201c der Vugesta \u2013 einer mit der Gestapo kooperierenden Organisation, die in der Speditionsbranche angesiedelt war und eine zentrale Rolle bei der Beschlagnahmung, Entziehung und Verwertung von Mobilien einnahm \u2013 oder direkt im Zuge der von Stefan Auspitz get\u00e4tigten Notverk\u00e4ufe in das Warenlager dieses Antiquariates einverleibt worden sein.<\/p>\n<p>Stefan Auspitz (von Artenegg) wurde am 11. Oktober 1869 in Wien als Sohn von Carl Auspitz (*4.11.1824 Wien, gest. 18.8.1914 Gastein) und Mathilde Auspitz (*1.2.1883 Wien, gest. 13.12.1910 Wien), geborene Porges, geboren. Auspitz stammte aus einer gro\u00dfb\u00fcrgerlichen j\u00fcdischen Familie und war an dem von seinem Gro\u00dfvater Samuel Auspitz (*12.3.1795 Bzenec\/Hodonin\/M\u00e4hren, gest. 30.6.1867 Baden bei Wien) gegr\u00fcndeten Bankhaus \u201eAuspitz Lieben &amp; Co\u201c beteiligt und stand dieser ab 1906 \u2013 nach dem Tode seines Onkels, Rudolf Auspitz \u2013 vor. Nachdem das Bankhaus infolge der Weltwirtschafts- und Finanzkrise 1931 Konkurs anmelden musste und einen Ausgleich anstrebte, haftete Auspitz mit seinem gesamten Privatverm\u00f6gen f\u00fcr die Bank.<\/p>\n<p>Auspitz hatte seine Privatbibliothek bereits im Jahr 1934 an den Schweizer Industriellen Dr. Harald Paul Reininghaus (*1898, gest. 1972) \u00fcbertragen, der mit der Nichte von Auspitz, Lilian Auspitz (*20.7.1904 Wien, gest. 1978), der Tochter des Bruders von Stefan Auspitz, Theodor Auspitz (*16.3.1861 Wien, gest. 27.7.1939), verheiratet war. Die Bibliothek verblieb jedoch weiterhin in der Privatwohnung von Stefan Auspitz in Wien I, Schwarzenbergstra\u00dfe 3.<\/p>\n<p>Stefan Auspitz kam im November 1940 wegen des Besuches einer Parkanlage und Unterlassung seiner Kennzeichnungspflicht als \u201eJude\u201c in eine zehnt\u00e4gige-Gestapohaft und wurde am 9. Oktober 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert. Wenige Tage nach seiner Deportation erfolgte die Beschlagnahmung und vollst\u00e4ndige Pl\u00fcnderung s\u00e4mtlicher Einrichtungsgegenst\u00e4nde der Wohnung von Stefan Auspitz durch die Gestapo. Die B\u00fccher aus der Bibliothek kamen daraufhin in die zentrale \u201eM\u00f6belverwertungsstelle von j\u00fcdischen Umzugsgut\u201c, eine von der Gestapo eingerichteten Nebenstelle der Vugesta, die die R\u00e4umung der Wohnungen deportierter Juden und J\u00fcdinnen in Wien durchf\u00fchrte.<\/p>\n<p>Stefan Auspitz heiratete am 29. November 1944 im KZ Theresienstadt die Witwe Josefine Weisz, geborene Fasal, (*3.10.1875 Troppau\/\u00d6sterreichisch-Schlesien). Beide \u00fcberlebten den Holocaust durch die Befreiung der Roten Armee im Mai 1945 und kehrten nach Wien zur\u00fcck. Er verstarb am 17. Dezember 1945 in Wien an den Folgen der KZ-Haft.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>\u00d6StA, AdR, E-uReang, VVSt., VA., Zl. 11.686, Stefan Auspitz.<\/p>\n<p>\u00d6StA, AdR, E-uReang. FLD, Zl. 27.093, Stefan Auspitz.<\/p>\n<p>\u00d6StA, AdR, E-uReang Hilfsfonds Sammelstellen A und B\/Sammler A\/B\/Liegenschaften u.a.\/Verkauf SSt. .Zl. 6.020 Auspitz Stefan.<\/p>\n<p>WStLA, VEAV, Wien, Zl. 1306, Zl. 1181, Bezirk: 1.<\/p>\n<p>Namentliche Erfassung der \u00f6sterreichischen Holocaustopfer, Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstandes, Wien.<\/p>\n<p>Yad Vashem\/Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer.<\/p>\n<p>Friedhofsdatenbank der IKG Wien.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=%22Aus+den+medizinhistorischen+Best%C3%A4nden+der+Ub+MedUni+Wien%22\">Alle Beitr\u00e4ge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien\u2013&gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Restitutionsfall: Stefan Auspitz von Artenegg Text: Dr. Walter Mentzel Im April 2018 f\u00fchrte die Universit\u00e4tsbibliothek der Medizinischen Universit\u00e4t Wien die Restitution im Fall \u201eStefan Auspitz\u201c an dessen Erbberechtigten\/RechtsnachfolgInnen durch, nachdem am Standort Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin drei B\u00fccher aus der ehemaligen Privatbibliothek von Stefan Auspitz als entzogenes Raubgut identifiziert werden konnte. 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