{"id":30386,"date":"2018-06-07T01:09:59","date_gmt":"2018-06-07T00:09:59","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=30386"},"modified":"2018-06-07T06:13:56","modified_gmt":"2018-06-07T05:13:56","slug":"aus-den-medizinhistorischen-bestaenden-der-ub-meduni-wien-66-jahrbuch-fuer-sexuelle-zwischenstufen-unter-besonderer-beruecksichtigung-der-homosexualitaet-hrsg-von-magnus-hirschfeld-leipzig-verl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=30386","title":{"rendered":"Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [66]: Jahrbuch f\u00fcr sexuelle Zwischenstufen unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Homosexualit\u00e4t. 1.1899-13.1912."},"content":{"rendered":"<p><strong>Jahrbuch f\u00fcr sexuelle Zwischenstufen unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Homosexualit\u00e4t. Hrsg. von Magnus Hirschfeld. Leipzig: Verlag von Max Spohr 1.1899-13.1912.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Gesllschaft_M.Hartl_.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-26855\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Gesllschaft_M.Hartl_.gif\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"83\"><\/a><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Gesellschaft der \u00c4rzte Bibliothek, Sign.: K65455]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=UMW_alma2119104660003344&amp;context=L&amp;vid=UMW&amp;lang=de_DE&amp;search_scope=UMW_all&amp;adaptor=Local%20Search%20Engine&amp;tab=default_tab&amp;query=any,contains,jahrbuch%20sexuelle&amp;offset=0\">https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at<\/a><\/p>\n<p>Text: Harald Albrecht, BA<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Hirschfeld.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-30393\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Hirschfeld.jpg\" alt=\"\" width=\"329\" height=\"209\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Hirschfeld.jpg 329w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Hirschfeld-300x191.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 329px) 100vw, 329px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb. 1&nbsp;&nbsp;&nbsp; Magnus Hirschfeld<\/p>\n<p>Magnus Hirschfeld (*14.05.1868 Kolberg\/Pommern heute: Ko\u0142obrzeg\/Polen, gest. 14.05.1935 Nizza), dessen Geburtstag sich im Mai 2018 zum 150 Mal j\u00e4hrte, war ein Deutscher Mediziner, Sexualforscher (und -reformer) j\u00fcdischer Herkunft und gilt nach <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=26502\">Karl Heinrich Ulrichs<\/a> (1825-1895) als Begr\u00fcnder der lesBiSchwulen Emanzipationsbewegung in Deutschland im sp\u00e4ten 19. und ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Magnus Hirschfeld stammte aus einer liberalen, j\u00fcdischen \u00c4rztefamilie in Pommern. Er legte 1889 das Abitur im Dom-Gymnasium seiner Heimatstadt ab und begann daraufhin ein Studium der Sprachwissenschaften in Breslau, wechselte jedoch nach einem Semester, dem Vorbild seiner Br\u00fcder folgend, zum Fach Medizin. Sein Medizinstudium absolvierte er in Stra\u00dfburg, M\u00fcnchen, Heidelberg und schlie\u00dflich in Berlin, wo er 1892 beim <em>\u201epopul\u00e4rsten Irrenarzt von Berlin\u201c<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> \u2013 Emanuel Mendel (1839-1907), Neurologe und Psychiater \u2013 promovierte. Nach Reisen in die USA und nach Italien (1893\/94) er\u00f6ffnete Hirschfeld 1894 in Magdeburg-Neustadt eine Praxis als \u201eSpezialist der di\u00e4tetisch-physikalischen Heilmethoden\u201c. 1896 \u00fcbersiedelte er mit seiner Praxis nach Berlin-Charlottenburg. <em>\u201e1896 ist auch das Jahr, in dem er seine erste Schrift \u00fcber Homosexualit\u00e4t unter dem Pseudonym Th. Ramien ver\u00f6ffentlichte. Deren Leipziger Verleger, Max Spohr [(1850-1905), Anm.], hatte zuvor schon verschiedene nichtmedizinische Arbeiten zum Thema ver\u00f6ffentlicht und brachte H[irschfeld] mit einer Reihe M\u00e4nner zusammen, die gegen die Kriminalisierung sexueller Handlungen zwischen M\u00e4nnern anschrieben.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Schon im Jahr darauf, am 15.05.1897, gr\u00fcndete Hirschfeld gemeinsam mit Max Spohr, Eduard Oberg (1858-1917) und Franz Joseph von B\u00fclow (1861-1915) das Wissenschaftlich humanit\u00e4res Komitee (WhK) \u2013 die weltweit erste Homosexuellenorganisation. Im Auftrag dieses Komitees wurde noch 1897 eine Petition an den Reichstag zur Streichung des \u00a7175 eingebracht. Der \u00a7175 lautete: <em>\u201eDie widernat\u00fcrliche Unzucht, welche zwischen Personen m\u00e4nnlichen Geschlechts oder von Menschen mit Thieren begangen wird, ist mit Gef\u00e4ngni\u00df zu bestrafen; auch kann auf Verlust der b\u00fcrgerlichen Ehrenrechte erkannt werden.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> \u2013 Konsensuale homosexuelle Handlungen blieben in der DDR bis 1968, in der BRD bis 1969 und in \u00d6sterreich bis 1971 strafbar. \u2013 Hirschfeld verfasste \u00fcber die Jahre Aufkl\u00e4rungsschriften wie <em>\u201eWas soll das Volk vom Dritten Geschlecht wissen?\u201c<\/em>, oder <em>\u201eBerlins Drittes Geschlecht\u201c<\/em>. Viele dieser Schriften waren allgemein verst\u00e4ndlich formulierte Brosch\u00fcren, von denen zehntausende verteilt wurden. \u00dcber 100.000 Brosch\u00fcren wurden an die Presse, s\u00e4mtliche Justizministerien, Richter, Anw\u00e4lte, Staatsanw\u00e4lte, \u00c4rzte, Geistliche, Lehrer und auch an Verwandte von Schwulen verschickt. Neben dem WhK entstanden \u00e4hnliche Vereinigungen in Deutschland, aber auch in den Niederlanden (1912) oder in England (1914). Magnus Hirschfeld versuchte eine Vernetzung dieser Organisationen, wenn er nicht ohnehin an ihrer Gr\u00fcndung beteiligt war, oder sie als direkte Au\u00dfenstellen des Berliner Wissenschaftlich humanit\u00e4ren Komitees fungierten, wie zum Beispiel in Wien, wo Sigmund Freud (1856-1939) und sein Psychoanalytiker-Kreis eine Dependance des WhK gr\u00fcndeten. <em>\u201eDie Filiale des WHK stand unter der Leitung des Psychoanalytikers <\/em><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=26812\"><em>Wilhelm Stekel<\/em><\/a><em> [(1868-1940), Anm.], der sich auf sexualwissenschaftlichem Gebiet eher wirr bet\u00e4tigte, kurze Theaterst\u00fccke \u00fcber (hetero-)sexuelle Liebesprobleme schrieb und als Leiter des Wiener WHK wenig in Erscheinung trat. \u00dcber seinen Kompagnon in der Leitung, Ingenieur J. Nicoladoni, wissen wir [&#8230;] leider nichts \u2013 auch nicht \u00fcber das Ende der ersten WHK. Es d\u00fcrfte eingeschlafen oder dem Streit zwischen Hirschfeld und den Psychoanalytikern zum Opfer gefallen sein.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Von 1899 bis 1923 gab Hirschfeld 23 Jahrg\u00e4nge der Zeitschrift <em>Jahrbuch f\u00fcr sexuelle Zwischenstufen<\/em> heraus:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Jahrbuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-30395\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Jahrbuch.jpg\" alt=\"\" width=\"266\" height=\"418\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Jahrbuch.jpg 266w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Jahrbuch-191x300.jpg 191w\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb. 2&nbsp;&nbsp;&nbsp; Titelblatt: Jahrbuch f\u00fcr sexuelle Zwischenstufen [\u2026]. Bd. 1. Leipzig: 1899.<\/p>\n<p>Hirschfelds heute weit \u00fcberholte Theorie der sexuellen Zwischenstufen wurde von ihm als Einteilungsprinzip verstanden, um unterschiedliche Varianten des Sexualverhaltens besser verstehen zu k\u00f6nnen. Er bildete dabei folgende Grundtypen, die er sp\u00e4ter in unz\u00e4hlige Untergruppen unterteilte:<\/p>\n<p><em>1. weibliebende \u2013 normale \u2013 M\u00e4nner (m\u00e4nnliche Au\u00dfenformen, der auf den Mann gerichtete Instinkt verk\u00fcmmert, Drang zum Weibe)<\/em><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><em> mannliebende \u2013 normale \u2013 Frauen (weibliche Fortpflanzungsorgane, R\u00fcckbildung der f\u00fcr Frauen f\u00fchlenden Nerven, Verkr\u00fcppelung der m\u00e4nnlichen Au\u00dfenteile, Trieb zum Manne)<\/em><\/li>\n<li><em> m\u00e4nnliche Seelenzwitter (m\u00e4nnliche periphere Geschlechtsorgane, unvollkommene Differenzierung der Neigungsbahnen, Neigung zu beiden Geschlechtern)<\/em><\/li>\n<li><em> weibliche Seelenzwitter (weibliche Geschlechtsdr\u00fcsen, Triebcentren hermaphroditisch = Frauen mit Neigung zu beiden Geschlechtern)<\/em><\/li>\n<li><em> mannliebende M\u00e4nner, Urninge (m\u00e4nnliche Genitalien, Neigungsfasern zum Manne blieben erhalten, weibliche Geschlechtscharaktere verk\u00fcmmern, Trieb zum Weib verk\u00fcmmert)<\/em><\/li>\n<li><em> weibliebende Frauen, Urninginnen (weibliche Sexualorgane, auf das Weib gerichtete Centralstellen, R\u00fcckbildung der m\u00e4nnlichen Au\u00dfenteile, Trieb zum Manne verschwindet)<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Diese sechs Typen fasst er zu einer Dreieinigkeit zusammen:<\/em><\/p>\n<ol>\n<li><em> normaler Geschlechtsrieb<\/em><\/li>\n<li><em> Seelenzwittertum<\/em><\/li>\n<li><em> verkehrter Geschlechtstrieb, contr\u00e4re Sexualempfindung.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p>F\u00fcr den Typ-C f\u00fchrte er sp\u00e4ter den Begriff des \u201edritten Geschlechts\u201c ein. Zur Bestimmung des sexuellen \u201eIndividualtypus\u201d eines jeden Menschen zwischen den beiden Polen \u201eVollmann\u201d und \u201eVollweib\u201d zog Hirschfeld eine ganze Reihe von Eigenschaften heran: Bei jedem Individuum sind diese Eigenschaftsbereiche in unterschiedlichen Kombinationen und Abstufungen eher \u201em\u00e4nnlich\u201d oder \u201eweiblich\u201d ausgepr\u00e4gt, und es gibt \u201esexuelle Zwischenstufen\u201d in verschiedenen Formen. Hirschfeld fasste z.B. Bisexualit\u00e4t als eine Zwischenstufe des Geschlechtstriebs auf und Transvestitismus als eine Zwischenstufe \u201esonstiger seelischer Eigenschaften\u201d. Hirschfeld rechnete die Anzahl der m\u00f6glichen Sexualtypen aus: m m + w w \/ 316 = 43 046 721 Sexualtypen. Hirschfeld schrieb dazu 1926: <em>\u201eDiese ungeheure Zahl k\u00f6nnte zun\u00e4chst \u00fcberraschen, da sie etwa schon den vierzigsten Teil der Gesamtzahl aller auf der Erde lebenden Menschen betr\u00e4gt (diese Zahl 1800 Millionen gerechnet), aber bei genauerem Nachdenken wird sie nicht nur verst\u00e4ndlich, sondern als viel zu klein zu erachten sein, da wir beobachten, da\u00df kein Mensch einem anderen vollkommen gleicht.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Seine Theorien f\u00fchrte er zusammengefasst in seinem 1914 herausgegebenen Hauptwerk aus:<\/p>\n<p>Hirschfeld, Magnus: Die Homosexualit\u00e4t des Mannes und des Weibes. Mit einem Namen-, L\u00e4nder-, Orts- und Sachregister. (= Handbuch der gesamten Sexualwissenschaft in Einzeldarstellungen\/3). Berlin: Louis Marcus Verlagsbuchhandlung 1914.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Gesllschaft_M.Hartl_.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-26855\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Gesllschaft_M.Hartl_.gif\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"83\"><\/a><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Gesellschaft der \u00c4rzte Bibliothek, Sign.: G\u00c4-22160]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=UMW_alma2122737880003344&amp;context=L&amp;vid=UMW&amp;lang=de_DE&amp;search_scope=UMW_all&amp;adaptor=Local%20Search%20Engine&amp;isFrbr=true&amp;tab=default_tab&amp;query=any,contains,hirschfeld%201914&amp;sortby=rank&amp;mode=Basic\">https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Hirschfeld2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-30394\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Hirschfeld2.jpg\" alt=\"\" width=\"239\" height=\"359\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Hirschfeld2.jpg 239w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Hirschfeld2-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 239px) 100vw, 239px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb. 3&nbsp;&nbsp;&nbsp; Titelblatt: Hirschfeld: Die Homosexualit\u00e4t [\u2026]. Berlin: 1914.<\/p>\n<p>Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gr\u00fcndete Magnus Hirschfeld 1918 in Berlin sein Institut f\u00fcr Sexualwissenschaften \u2013 Er\u00f6ffnung am 6. Juli 1919. Es handelte sich um die weltweit erste Einrichtung dieser Art und war Hirschfelds Lebenswerk und Lebenstraum. Das Institut verstand sich einerseits als Forschungseinrichtung und andererseits als Anlaufstelle und Zentrum der lesBiSchwulen Emanzipationsbewegung. <em>\u201eBeide Bereiche, Sexualforschung und \u2013reform, stehen nach H[irschfled]s Verst\u00e4ndnis in einem untrennbaren Verh\u00e4ltnis. Im Politischen argumentiert er wissenschaftlich, seinen wissenschaftlichen Argumentationen unterliegt politisch-taktisches Kalk\u00fcl.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Am 6. Mai 1933 gingen die Nazis gegen Magnus Hirschfelds renommiertes und weit \u00fcber die Grenzen Deutschlands hinaus bekanntes Institut f\u00fcr Sexualwissenschaft vor. Es wurde gest\u00fcrmt und verw\u00fcstet. Vier Tage sp\u00e4ter, am 10. Mai 1933, verbrannten sie unter dem Jubel des Mobs in einer propagandistisch ausgeschlachteten B\u00fccherverbrennung auf dem Berliner <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Forum_Fridericianum\">Opernplatz<\/a> die umfassende Bibliothek des Instituts. Hirschfeld befand sich zu dieser Zeit auf einer seiner zahlreichen Vortragsreisen im Ausland, von der er aufgrund zahlreicher Warnungen seiner Freunde und Mitstreiter nicht mehr nach Deutschland zur\u00fcckkehrte. 1934 wurde ihm die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit aberkannt. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1935 in Nizza mit seinen beiden Geliebten Karl Giese (1898-1938), der 1938 in Br\u00fcnn Selbstmord beging und Tao Li (1907-1993) abwechselnd im Exil in der Schweiz und in Frankreich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/ABB-04_weblog-66_MUW-FO-IR-000670-0526_Magnus-Hirschfeld_Gruppenbild.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-30396\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/ABB-04_weblog-66_MUW-FO-IR-000670-0526_Magnus-Hirschfeld_Gruppenbild.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"358\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/ABB-04_weblog-66_MUW-FO-IR-000670-0526_Magnus-Hirschfeld_Gruppenbild.jpg 500w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/ABB-04_weblog-66_MUW-FO-IR-000670-0526_Magnus-Hirschfeld_Gruppenbild-300x215.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb. 4&nbsp;&nbsp;&nbsp; Gruppenbild: Er\u00f6ffnung \u201eInternationale Tagung f\u00fcr Sexualreform (Wien 1930)\u201c, von l.n.r. Dr. Josef Karl Friedjung (1871-1946), Dr. Pierre Vachet (1892-1984)(Paris), Dr. Magnus Hirschfeld (Berlin), Dr. Norman Haire (1892-1952) (London), Dr. Jonathan H\u00f8egh von Leunbach (1884-1955)(Kopenhagen), ganz rechts Kommerzialrat Assinger (Wien) [Aufnahme: Kongressausstellung des Institutes f\u00fcr Sexualforschung im Konzerthaus\/Wien]. Quelle: Josephinum, Medizinische Universit\u00e4t Wien, MUW-FO-IR-000670-0526<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Herzer, Manfred: Magnus Hirschfeld und seine Zeit. Berlin: De Gruyter Oldenbourg 2017.<\/p>\n<p>Herrn, Rainer: Magnus Hirschfeld (1868-1935). In: Personenlexikon der Sexualforschung. Hrsg. von Volkmar Sigusch und G\u00fcnter Grau. Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag 2009. S. 284-294.<\/p>\n<p>Sigusch, Volkmar: Geschichte der Sexualwissenschaft. Mit 210 Abbildungen und einem Beitrag von G\u00fcnter Grau. Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag 2008.<\/p>\n<p>Hirschfeld, Magnus, Sexualwissenschafter, Mediziner, * 14.5.1868 Kolberg (Pommern), + 15.5. 1935 Nizza. In: Biographische Enzyklop\u00e4die deutschsprachiger Mediziner. 1 A-Q. M\u00fcnchen: K.G. Saur 2002. S. 284.<\/p>\n<p>Jellonnek, Burkhard und R\u00fcdiger Lautmann: Nationalsozialistischer Terror gegen Homosexuelle. Verdr\u00e4ngt und unges\u00fchnt. Paderborn, Wien u.a.: Ferdinand Sch\u00f6ningh 2002.<\/p>\n<p>Brunner, Andreas und Hannes Sulzenbacher: Schwules Wien. Reisef\u00fchrer durch die Donaumetropole. Wien: Promedia 1998.<\/p>\n<p>Hirschfeld, Magnus (Pseudonym Ramien) Sexualforscher und -refomer, * 14.5.1868 Kolberg (Pommern), + 14.5.1935 Nizza (Frankreich). Homepage: Deutsche Biographie. Stand: 15.05.2018 <a href=\"https:\/\/www.deutsche-biographie.de\/sfz70159.html\">https:\/\/www.deutsche-biographie.de\/sfz70159.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Herrn, Rainer: Magnus Hirschfeld (1868-1935). In: Personenlexikon der Sexualforschung. Hrsg. von Volkmar Sigusch und G\u00fcnter Grau. Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag 2009. S. 285.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Herrn, Rainer: Magnus Hirschfeld (1868-1935). In: Personenlexikon der Sexualforschung. Hrsg. von Volkmar Sigusch und G\u00fcnter Grau. Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag 2009. S. 286.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Homepage: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C2%A7_175\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C2%A7_175<\/a> Stand: 04.06.2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Brunner, Andreas und Hannes Sulzenbacher: Schwules Wien. Reisef\u00fchrer durch die Donaumetropole. Wien: Promedia 1998. S. 60.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Herzer, Manfred: Magnus Hirschfeld und seine Zeit. Berlin: De Gruyter Oldenbourg 2017. S. 51-52.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Homepage: Magnus Hirschfeld Gesellschaft. Stand: 04.06.2018. <a href=\"https:\/\/magnus-hirschfeld.de\/institut\/theorie-praxis\/sexuelle-zwischenstufen\/\">https:\/\/magnus-hirschfeld.de\/institut\/theorie-praxis\/sexuelle-zwischenstufen\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Herrn, Rainer: Magnus Hirschfeld (1868-1935). In: Personenlexikon der Sexualforschung. Hrsg. von Volkmar Sigusch und G\u00fcnter Grau. Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag 2009. S. 284.<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=%22Aus+den+medizinhistorischen+Best%C3%A4nden+der+Ub+MedUni+Wien%22\">Alle Beitr\u00e4ge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien\u2013&gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahrbuch f\u00fcr sexuelle Zwischenstufen unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Homosexualit\u00e4t. Hrsg. von Magnus Hirschfeld. Leipzig: Verlag von Max Spohr 1.1899-13.1912. [Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Gesellschaft der \u00c4rzte Bibliothek, Sign.: K65455] https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at Text: Harald Albrecht, BA Abb. 1&nbsp;&nbsp;&nbsp; Magnus Hirschfeld Magnus Hirschfeld (*14.05.1868 Kolberg\/Pommern heute: Ko\u0142obrzeg\/Polen, gest. 14.05.1935 Nizza), dessen Geburtstag sich im Mai 2018 zum 150 &hellip; <a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=30386\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [66]: Jahrbuch f\u00fcr sexuelle Zwischenstufen unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Homosexualit\u00e4t. 1.1899-13.1912.<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1390,11,5,1347,2,16,18,40],"tags":[2068,2069,2070,1629,2071,2072,2073,2074,2075,1632,2076,1879,2077,2078,1638,2079,296,2080,2081,1353,2082],"class_list":["post-30386","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft-der-aerzte-bibliothek","category-literaturhinweis","category-medizingeschichte","category-medizinhistorische-bestaende-der-ub-meduni-wien","category-news","category-news1","category-news3","category-sammlungen","tag-buecherverbrennung","tag-eduard-oberg","tag-franz-joseph-von-buelow","tag-homosexualitaet","tag-institut-fuer-sexualwissenschaft","tag-jonathan-hoegh-von-leunbach","tag-josef-karl-friedjung","tag-karl-giese","tag-karl-heinrich-ulrichs","tag-magnus-hirschfeld","tag-max-spohr","tag-nationalsozialismus","tag-norman-haire","tag-pierre-vachet","tag-sexualwissenschaft","tag-sexuelle-zwischenstufen","tag-sigmund-freud","tag-tao-li","tag-whk","tag-wilhelm-stekel","tag-wissenschaftlich-humanitaeres-komitee"],"views":7938,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=30386"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30386\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30405,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30386\/revisions\/30405"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=30386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=30386"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=30386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}