{"id":29453,"date":"2018-03-01T00:20:21","date_gmt":"2018-02-28T23:20:21","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=29453"},"modified":"2018-03-02T09:17:52","modified_gmt":"2018-03-02T08:17:52","slug":"gastautor-prof-dr-peter-heilig-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=29453","title":{"rendered":"Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Im Rampenlicht"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Im Rampenlicht<\/strong><\/h3>\n<p><em>Peter Heilig<br \/>\nConcept Ophthalmologie 2\/2018, 37-38<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Heilig-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-29464\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Heilig-1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Heilig-1.jpg 500w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Heilig-1-300x140.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der scheinbar unvermeidliche Blick in moderne Lichtquellen l\u00f6st immer h\u00e4ufiger Unbehagen aus: Blendung, manchmal bis an Schmerzgrenzen, ist ein ernstzunehmendes Warnsignal des K\u00f6rpers. High-Intensity-LEDs (HI-LED) haben den Markt erobert und verirren sich wie auch diverse andere grell bl\u00e4ulich-wei\u00df strahlende Leuchtmittel allzu oft mit potentiell phototoxischem Licht ins Auge.<\/p>\n<p>Aufgabe einer noch zu gr\u00fcndenden \u201eprophylaktischen Ophthalmologie\u201c w\u00e4re es, ausf\u00fchrlich \u00fcber Forderungen der Lichthygiene [1] zu informieren. Akute Lichtsch\u00e4den lie\u00dfen sich vermeiden, vielleicht auch chronische, vorausgesetzt, dass Beleuchtungspolitik und Lichtindustrie mitspielten. Retinale Lichtsch\u00e4den summieren sich subklinisch \u00fcber Jahre; sp\u00e4tere Therapieversuche sind entmutigend [2].<a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/retinopathiasolaris-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-29617\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/retinopathiasolaris-1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/retinopathiasolaris-1.jpg 400w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/retinopathiasolaris-1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Offenbar unausrottbare Termini technici (Misnomer) aus der Diktion der&nbsp; Lichttechnikindustrie wie \u201ephysiologische Blendung\u201c und \u201epsychologische Blendung\u201c sind extrem irref\u00fchrend. Mag sein, dass solche in sich widerspr\u00fcchliche und merkw\u00fcrdige Begriffe zur Verharmlosung mit beitragen, denn bedenkenlos bis gedankenlos wird immer \u00f6fter mit schmerzhaft hellem, die Netzhaut gef\u00e4hrdendem Licht manipuliert. Grelles Rampenlicht wird neuerdings als \u201eorigineller\u201c Regieeinfall eingesetzt. Potentiell phototoxisches Effektlicht strahlt immer \u00f6fter ohne Vorwarnung in die Augen eines ungesch\u00fctzt ausgelieferten Auditoriums. Dunkeladaptierte Netzh\u00e4ute sind \u2013 noch dazu bei weiter Pupille besonders vulnerabel. Die hochentwickelten Lichtmessger\u00e4te zertifizierter Lichttechniker k\u00f6nnen beim besten Willen keine relevanten Ergebnisse liefern, sie sind gleichsam indolent, das hei\u00dft blendungs- und schmerzunempfindlich. Auch Laserpointer kamen auf B\u00fchnen bereits zum Einsatz; keines der Lichtopfer ist jemals vor dem Einsatz von Blendlaternen, Lichtkanonen oder Lasern um sein Einverst\u00e4ndnis gefragt worden, ob es ihm recht w\u00e4re, dass seine Netzhaut \u00fcberstrahlt werden m\u00f6ge \u2013 falls ja, wie intensiv, mit welchen Wellenl\u00e4ngen und wie lange.<\/p>\n<p>&nbsp;<a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/blindingstageeffect-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-29615\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/blindingstageeffect-1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"266\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/blindingstageeffect-1.jpg 400w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/blindingstageeffect-1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Voraussetzung w\u00e4re eine ausf\u00fchrliche schriftlich Einf\u00fchrung \u00fcber die zu erwartende retinale Lichtbelastung und Informationen \u00fcber die sogar Experten fremde Lichteinheit Troland [3] etc. Als Apriori w\u00e4re die Exkulpierung der Veranstalter f\u00fcr den Fall m\u00f6glicher Netzhaut-Lichtsch\u00e4den denkbar \u2013 samt Abschluss einer Gro\u00dfschaden-Versicherung.<\/p>\n<p>Mit \u201elight trespassing\u201c, \u201elight spill\u201c etc. \u2013 einer Art inneren Hausfriedensbruchs durch grobst\u00f6ren des Licht \u2013 w\u00e4re niemand einverstanden, genauso wenig mit verirrtem Licht der Stra\u00dfenbeleuchtung oder dynamischnervendem Lichtwerbungsflackern bis hinein in den Schlafraum. Und kaum jemand w\u00fcrde zustimmen, dass seine Netzhaut mit \u00fcberdosiertem, potentiell phototoxischem Licht bestrahlt wird, aus Jux und Tollerei sozusagen.<\/p>\n<p><strong>Bleibende Sch\u00e4den<\/strong><\/p>\n<p>Zeitliche Summation kann auch bei scheinbar schwacher Lichtexposition bleibende Sch\u00e4den verursachen [2]. Besonders gef\u00e4hrdet sind Patienten mit bereits bestehenden Lichtsch\u00e4den, Netzhautdystrophien, -degenerationen, Diabetes, Porphyrie, Lupus erythematodes, chronischer aktinischer Dermatitis, solarer Urticaria, vor allem w\u00e4hrend der Behandlung mit Photosensitizern und verschiedenen Psychopharmaka (Lithium, Phenothiazinen, Psoralen etc.), antiarrhythmischen &nbsp;Pr\u00e4paraten &nbsp;(Amiodarone z.B.), Antimalaria und Antirheumatika; auch Melatonin kann, zur falschen Zeit verabreicht, die Netzhaut photosensibilisieren.<\/p>\n<p>UVA und sichtbares kurzwelliges Licht k\u00f6nnen, \u00e4hnlich wie bei Lichttherapie (brightlight &nbsp;therapy) \u00fcber Tetrazyklin, Hydrochlorothiazin, Sulfonamide und trizyklische Antidepressiva (Imipramine, Nortriptyline, Desipramine, Amitriptyline) Photosensibilisierung ausl\u00f6sen [5].<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/stage-effectl-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-29614\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/stage-effectl-1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"434\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/stage-effectl-1.jpg 400w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/stage-effectl-1-276x300.jpg 276w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Die klaren Medien junger Augen<\/strong><\/p>\n<p>\u2013 etwa bis zu einem Alter von 20 bis 40 Jahren \u2013 lassen wesentlich mehr Licht (vor allem kurzwelliges) bis zur Netzhaut vordringen als dies im Alter der Fall ist. Discotheken-Schwarzlicht, Party-Lichteffekte, &nbsp;Lichtorgeln, &nbsp;LED- &nbsp;und Laser-Effekte sowie diverse Scheinwerfer hinterlassen mit hoher Wahrscheinlichkeit in diesem Alter zun\u00e4chst unerkannte, jedoch diskrete bleibende Spuren.<\/p>\n<p>Blendungsempfindlichkeit l\u00e4sst sich nicht quantifizieren. Sehbehinderte Personen sind besonders empfindlich. Sportler blicken zwangsl\u00e4ufig in glei\u00dfende HI- LED-\u201eSternenhimmel\u201c beim Indoor-Overhead-Schlag, Korbwurf, Sky Ball etc., erleuchtet von TV-tauglichen grell bl\u00e4ulich-wei\u00dfen Strahlern.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/blsteff-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-29616\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/blsteff-1.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"282\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/blsteff-1.jpg 400w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/blsteff-1-300x212.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Ein paar Worte noch zur Blendung:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Discomfort Glare, also irritierende, st\u00f6rende Blendung, ist vor allem mit Ablenkung verbunden.<\/li>\n<li>Disability Glare: Schwere Blendung f\u00fchrt zu vor\u00fcbergehender Desorientierung und hat eine lange retinale Erholungszeit (retinal recovery time) \u2013 cave im Stra\u00dfenverkehr!<\/li>\n<li>Verirrte Lichtstrahlen aus KFZ-Scheinwerfern blenden, bereits auch Fahrradlichter.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Warnlichter, Tagfahrlichter (DRL) etc. produzieren potentiell fatale Ablenkungseffekte auch bei Tageslicht. Die \u00fcber Schmerzschwellen liegenden Blau- und Springlicht-Warnleuchten der Einsatzfahrzeuge, in Kombination mit geh\u00f6rsch\u00e4digendem Folgetonhorn, sind sicher nicht im Sinne des Erfinders.<\/p>\n<p>Wildwuchs im Kunstlichtdschungel und die unkontrollierte Zunahme potentiell phototoxischer Lichtintensit\u00e4ten haben ein Limit \u00fcberschritten und ein Ausma\u00df angenommen, welches nicht nur unserer Augengesundheit abtr\u00e4glich ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Sporthallenillumination-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-29613\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Sporthallenillumination-1.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"457\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Sporthallenillumination-1.jpg 700w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Sporthallenillumination-1-300x196.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Epilog<\/strong><\/p>\n<p>Jegliche Form der Blendung muss unbedingt vermieden werden. HI-LED d\u00fcrften nur mit Diffusoren geliefert werden. Das Tageslichtspektrum ist immer vorzuziehen. Denn davon abweichende Kunstlichtspektren werden seit Kurzem verd\u00e4chtigt, an der besorgniserregenden Zunahme von Myopien mitbeteiligt zu sein \u2013 siehe OND-RGC [6].<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=lichthygiene\">https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=lichthygiene<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27664\">https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27664<\/a><\/li>\n<li>Troland LT (1917) On the measurement of visual stimulation intensities. J Exp Psychol 2, 1 -33.<\/li>\n<li>Cideciyan AV, Jacobson SG, Aleman TS, Gu D, Pearce-Kelling SE, Sumaroka A, Acland GM, Aguirre GD (2005) In vivo dynamics of retinal injury and repair in the rhodopsin mutant dog model of human retinitis pigmentos Proc NatlAcad Sci USA102 (14): 5233\u20135238<\/li>\n<li>https:\/\/<a href=\"http:\/\/www.cet.org\/therapy\/\">www.cet.org\/therapy\/<\/a> bright-light-exposure-risks\/<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.news-medical.net\/\">http:\/\/www.news-medical.net\/<\/a> news\/20170206\/Northwestern Medicine-scientists-discover- retinal-cell-that-may-cause- myopiaspx<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/youtu.be\/k9k_wG5lacA\">https:\/\/youtu.be\/k9k_wG5lacA<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>K<\/strong><strong>o<\/strong><strong>rresp<\/strong><strong>o<\/strong><strong>ndenzadresse:<\/strong><\/p>\n<p>Univ.-Prof. Dr. Peter Heilig<br \/>\nAugenheilkunde und Optometrie<br \/>\nNussberggasse 11c<br \/>\nA-1190 Wien \u00d6sterreich<br \/>\n<a href=\"mailto:peter.heilig@univie.ac.at\">peter.heilig@univie.ac.at<\/a><\/p>\n<p>Weitere Beitr\u00e4ge: <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=heilig\">https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=heilig<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rampenlicht Peter Heilig Concept Ophthalmologie 2\/2018, 37-38 Der scheinbar unvermeidliche Blick in moderne Lichtquellen l\u00f6st immer h\u00e4ufiger Unbehagen aus: Blendung, manchmal bis an Schmerzgrenzen, ist ein ernstzunehmendes Warnsignal des K\u00f6rpers. 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