{"id":29409,"date":"2018-03-08T01:42:18","date_gmt":"2018-03-08T00:42:18","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=29409"},"modified":"2022-11-07T10:14:18","modified_gmt":"2022-11-07T09:14:18","slug":"aus-den-medizinhistorischen-bestaenden-der-ub-meduni-wien-56-1938-max-neuburger-vertriebener-leiter-des-ehemaligen-institutes-fuer-geschichte-der-medizin-und-die-sammlung-max-ne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=29409","title":{"rendered":"Vertrieben 1938: Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [56]: Max Neuburger \u2013 Vertriebener Leiter des ehemaligen Institutes f\u00fcr Geschichte der Medizin und die Sammlung \u201eMax Neuburger\u201c an der Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin"},"content":{"rendered":"<p><strong>1938: Max Neuburger \u2013 Vertriebener Leiter des ehemaligen Institutes f\u00fcr Geschichte der Medizin und die Sammlung \u201eMax Neuburger\u201c an der Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin<\/strong><\/p>\n<p>Text: <a href=\"https:\/\/waltermentzel.wordpress.com\/\">Dr. Walter Mentzel<\/a><\/p>\n<p>Max Neuburger (*08.12.1868\/Wien, gest. 15.03.1955\/Wien) war Gr\u00fcnder (1914) und langj\u00e4hriger Leiter (bis 1938) des ehemaligen Institutes f\u00fcr Geschichte der Medizin an der damaligen Medizinischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Wien sowie der von ihm aufgebauten Institutsbibliothek, die heute integrierter und wertvoller Kern der Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin ist. Neuburger brachte mehrmals zwischen 1914 sowie nach seiner R\u00fcckkehr aus dem Exil 1952 medizinhistorische B\u00fccher aus seiner Privatbibliothek als Schenkung in die Bibliothek des Institutes ein.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Neuburger_Max.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-29411\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Neuburger_Max.jpg\" alt=\"\" width=\"305\" height=\"454\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Neuburger_Max.jpg 305w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Neuburger_Max-202x300.jpg 202w\" sizes=\"auto, (max-width: 305px) 100vw, 305px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb. 1: Max Neuburger<\/p>\n<p>Erstmals trat er in der Phase der Gr\u00fcndung des Institutes zwischen 1906 und 1919 zirka 300 B\u00fccher und 700 Separata aus seiner Privatbibliothek an die Bibliothek des Institutes ab, womit er auch den Kern des heutigen medizinhistorischen Bestandes der Zweigbibliothek aufbaute, und 1930\/31 ein zweites Mal als offizielle Schenkung. Der B\u00fccherbestand der Bibliothek umfasste in den sp\u00e4ten 1930er Jahren zirka 10.000 B\u00fccher, davon stammte ein Drittel aus seiner Privatbibliothek. Zuletzt kamen nach seiner R\u00fcckkehr nach Wien im Jahre 1952 bzw. nach seinem Ableben weitere B\u00fccher aus seiner Privatbibliothek durch seinen Sohn, Fritz Neuburger, in den heutigen Bibliotheksbestand. Diese B\u00fccher bilden heute die Sammlung \u201eMax Neuburger\u201c. Sie erinnert an seine wegen seiner j\u00fcdischen Herkunft durch die Nationalsozialisten nach dem \u201eAnschluss\u201c im M\u00e4rz 1938 erzwungene Vertreibung von der Universit\u00e4t Wien und aus \u00d6sterreich, sie stellt aber auch die \u00dcberlieferung einer historisch au\u00dferordentlich relevanten Forschungsbibliothek und die das wissenschaftliche Wirken eines der international renommiertesten Medizinhistorikers der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts dar.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Exlibris.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-29412\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Exlibris.jpg\" alt=\"\" width=\"465\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Exlibris.jpg 465w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Exlibris-300x180.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 465px) 100vw, 465px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb. 2: Exlibris Max Neuburger<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Exlibris2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-29413\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Exlibris2.jpg\" alt=\"\" width=\"465\" height=\"279\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Exlibris2.jpg 465w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Exlibris2-300x180.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 465px) 100vw, 465px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb. 3: Exlibris Max Neuburger<\/p>\n<p>Max Neuburger wurde am 8. Dezember 1868 in Wien geboren, studiertet an der Medizinischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Wien Medizin und begann nach der Promotion im Jahr 1893 als Sekundararzt am Rudolfs-Spital sowie als Assistent an der Neurologischen Abteilung der Wiener Allgemeinen Poliklinik als Arzt und Psychiater zu arbeiten. 1898 habilitierte er sich bei Theodor Puschmann (1844-1899) im Fach Geschichte der Medizin.<\/p>\n<p>Auf seine Initiative hin genehmigte das Ministerium f\u00fcr Kultus und Unterricht in einem Erlass vom 23. Juli 1906 die Errichtung eines medizinhistorischen Institutes. Neuburger begann unmittelbar darauf mit der Sammlung medizinischer Objekte und dem Aufbau einer medizinhistorischen Bibliothek (u.a. auch durch B\u00fccherschenkungen der \u201eGesellschaft der \u00c4rzte in Wien\u201c), die nach der offiziellen Gr\u00fcndung des Institutes 1914 zun\u00e4chst provisorisch an der I. Medizinischen Klinik untergebracht war. Nach langj\u00e4hrigen Bem\u00fchungen wurde schlie\u00dflich im Winter 1918\/19 das Institut f\u00fcr Geschichte der Medizin am Standort der ehemaligen milit\u00e4r\u00e4rztlichen Akademie dem \u201eJosephinum\u201c (Wien 9, W\u00e4hringerstra\u00dfe 25) eingerichtet und bezogen.<\/p>\n<p>Aufgrund der geringen finanziellen Unterst\u00fctzung konnte Neuburger auch nach 1918 den Bestand nur durch Eigeninitiative (Schenkungen, Spenden, Schriftentausch,\u2026) und einer unerm\u00fcdlichen Sammelt\u00e4tigkeit erweitern. Mit 1. April 1934 wurde er aufgrund der Sparpolitik der damaligen Bundesregierung emeritiert und der Lehrstuhl aufgel\u00f6st, womit das Institut zwischen Duldung und Aufl\u00f6sung stand. Nur wegen seines weiterhin erfolgreichen privaten Engagements gelang es ihm das Institut provisorisch \u2013 als Honorarprofessor ohne Lehrkanzel \u2013 bis M\u00e4rz 1938 weiter zu f\u00fchren und den Bestand zu sichern.<\/p>\n<p>Unmittelbar nach dem \u201eAnschluss\u201c im M\u00e4rz 1938 musste Neuburger \u2013 offiziell mit 22. April 1938 \u2013 aufgrund seiner j\u00fcdischen Herkunft das Institut verlassen. Im August 1939 fl\u00fcchtete er mittellos nach England, wo er am \u201eWellcome Historical Medical Museum\u201c in London neun Jahre als Medizinhistoriker t\u00e4tig war. Am 23. Juni 1948 \u00fcbersiedelte er nach Buffalo im US-Staat New York zu seinem Sohn Fritz Neuburger. Im Jahr 1952 kehrte er nach Wien zur\u00fcck, wo er am 15. M\u00e4rz 1955 verstarb.<\/p>\n<p>Neuburger war Mitbegr\u00fcnder der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften (1901), Mitherausgeber zahlreicher medizinhistorischer Schriftenreihen und dar\u00fcber hinaus seit der Jahrhundertwende ein wesentlicher Vertreter der kultur- und sozialhistorischen Ausrichtung der Medizingeschichte, die vor allem in der internationalen Historiografie (insb. in den USA) rezipiert worden war. Zu seinen wichtigsten Werken z\u00e4hlt:<\/p>\n<p>Neuburger, Max: Geschichte der Medizin. Zwei B\u00e4nde. Suttgart: Enke 1906-1911.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-31957\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\" alt=\"\" width=\"264\" height=\"88\"><\/a><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Neuburger&nbsp; Bibliothek, Sign.: MG002]<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/primo-explore\/fulldisplay?docid=UMW_alma2117153670003344&amp;context=L&amp;vid=UMW&amp;lang=de_DE&amp;search_scope=UMW_all&amp;adaptor=Local%20Search%20Engine&amp;isFrbr=true&amp;tab=default_tab&amp;query=any,contains,neuburger%20geschichte%20der%20medizin&amp;sortby=rank&amp;mode=Basic\">https:\/\/ubsearch.meduniwien.ac.at\/<\/a><\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Hubenstorf, Michael: Eine \u201eWiener Schule\u201c der Medizingeschichte? \u2013 Max Neuburger und die vergessene deutschsprachige Medizingeschichte. In: Medizingeschichte und Gesellschaftskritik (Festschrift f\u00fcr Gerhard Baader). Hrsg. von Michael Hubenstorf. Husum: 1997. S. 246-289.<\/p>\n<p>Berghoff, Emanuel: Max Neuburger. Werden und Wirken eines \u00f6sterreichischen Gelehrten. (= Wiener Beitr\u00e4ge zur Geschichte der Medizin\/3)Wien: 1948. S. 58.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Archiv der Universit\u00e4t Wien, Medizinische Fakult\u00e4t, Personalakt Max Neuburger.<\/p>\n<p>Archiv der Universit\u00e4t Wien, Medizinische Fakult\u00e4t, Dekanat, Zl. 560\/1930-1931.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=%22Aus+den+medizinhistorischen+Best%C3%A4nden+der+Ub+MedUni+Wien%22\">Alle Beitr\u00e4ge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien\u2013&gt;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=%22Aus+den+medizinhistorischen+Best%C3%A4nden+der+Ub+MedUni+Wien%22\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-28234\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/VanSwietenBlog_MHartl.gif\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"76\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1938: Max Neuburger \u2013 Vertriebener Leiter des ehemaligen Institutes f\u00fcr Geschichte der Medizin und die Sammlung \u201eMax Neuburger\u201c an der Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin Text: Dr. Walter Mentzel Max Neuburger (*08.12.1868\/Wien, gest. 15.03.1955\/Wien) war Gr\u00fcnder (1914) und langj\u00e4hriger Leiter (bis 1938) des ehemaligen Institutes f\u00fcr Geschichte der Medizin an der damaligen Medizinischen Fakult\u00e4t der &hellip; <a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=29409\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Vertrieben 1938: Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [56]: Max Neuburger \u2013 Vertriebener Leiter des ehemaligen Institutes f\u00fcr Geschichte der Medizin und die Sammlung \u201eMax Neuburger\u201c an der Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[11,5,1347,1389,2,16,18,40,41],"tags":[1128,1940,1878,1941,1879,1942,1943,1944,1881],"class_list":["post-29409","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-literaturhinweis","category-medizingeschichte","category-medizinhistorische-bestaende-der-ub-meduni-wien","category-neuburger-bibliothek","category-news","category-news1","category-news3","category-sammlungen","category-vertrieben-1938","tag-exlibris","tag-institut-fuer-geschichte-der-medizin","tag-max-neuburger","tag-medizinhistoriker","tag-nationalsozialismus","tag-ns-verfolgung","tag-oesterreichische-medizingeschichte","tag-sammlung","tag-vertreibung"],"views":9761,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29409"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29409\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39947,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29409\/revisions\/39947"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}