{"id":28826,"date":"2018-01-02T07:57:40","date_gmt":"2018-01-02T06:57:40","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=28826"},"modified":"2017-12-11T11:37:13","modified_gmt":"2017-12-11T10:37:13","slug":"gastautor-prof-dr-peter-heilig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=28826","title":{"rendered":"Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig: Nachtigallen in Beethovens G\u00e4rten"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;O ihr Menschen die ihr mich f\u00fcr Feindseelig st\u00f6risch oder Misantropisch haltet &#8220;<br \/>\n<\/em>Heiligenst\u00e4dter Testament&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nachtigallen in Beethovens G\u00e4rten<a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/beeth.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-28831 alignleft\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/beeth.jpg\" alt=\"\" height=\"550\" width=\"400\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/beeth.jpg 400w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/beeth-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Da\u00b0 dr\u00fcbn, \u00fcber&#8217;m Schreiberbacherl, ha\u00b0b i&#8217;s singa g&#8217;heat, de Nachtigall&#8220; erz\u00e4hlte der immer zum Scherzen aufgelegte alte Heurigenwirt. Durt ha\u00b0b i a vagessane Muttagottes-Figur z&#8217;sa\u00b0mm\u2018klaubt. In da Kuchl stehts heit no, mitsa\u00b0mmt\u2018m Taub&#8217;ndreck \u2013 i hab&#8217;s ja\u00b0 net a\u00b0ngr\u00fchrt. Und augenzwinkernd: Schlie\u00dflich ha\u00b0t da Mensch a Ehrfurcht!&#8220;<\/p>\n<p>Nachtigall und <em>klane Bankerln<\/em> &nbsp;aus dem Wienerlied sind Geschichte. Das <em>Laternderl &nbsp;<\/em>strahlt mit abgek\u00fchltem Leuchtstoff-Lichterl-Charme und das <em>Bacherl <\/em>&nbsp;ist ein bisserl still geworden. In seinem Prokrustesbett.<\/p>\n<p>Finster blickend wendet sich der Meister* ab. Oder duckt er sich vielleicht vor einer der drohenden Nussberg-Schlammlawinen? Versiegelte B\u00f6den hatten das Schicksal manch edler Luxuskarosse besiegelt .<\/p>\n<p>Nostalgie? Aus der Mode gekommen. Aber &#8211; f\u00fcr \u00c4cker werde es keinen Platz mehr geben, in etwa zweihundert Jahren. Meinen Zukunftforscher. Was bleibt erhalten? Die unsterblichen Werke des Genius loci.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen \u201afeindselig-st\u00f6rrischen Misanthropen\u2018 wurde er gehalten. Und doch \u2013 \u201ezusammengeraffter, energischer, und inniger habe ich noch keinen K\u00fcnstler gesehen\u201c &#8211; meinte Johann Wolfgang Goethe &nbsp;(Teplitz, 1812).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/beeth2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-28833\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/beeth2.jpg\" alt=\"\" height=\"541\" width=\"300\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/beeth2.jpg 300w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/beeth2-166x300.jpg 166w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Eine wenig bekannte, besonders liebenswerte Facette der Pers\u00f6nlichkeit diese K\u00fcnstlers ist \u201eBeethovens herzbezwingender Humor\u201c:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bmond.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-28834 alignleft\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bmond.jpg\" alt=\"\" height=\"741\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bmond.jpg 250w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bmond-101x300.jpg 101w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Beethoven in einem Brief an Diabelli: <em>\u201eBester Herr! wozu wolltet ihr denn noch eine Sonate von mir?! Ihr habt ja ein ganzes Heer von Komp.[onisten], die es weit be\u00dfer k\u00f6nnen als ich, gebt jedem einen Takt, welch wundervolles werk ist da nicht zu erwarten? \u2013 Es Lebe dieser euer \u00d6sterr. verein, welcher SchusterFleck \u2013 Meisterl.[ich] zu behandeln wei\u00df \u2013\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eEs ist ein gar zu zartes, naives Ding, dieses humoristische Scherzspiel; und der m\u00fcsste ein geborner Feind des Scherzes seyn, von dem es nicht ein freundliches L\u00e4cheln erzw\u00e4nge\u2026\u201c<\/em>&nbsp; <em>\u201eHier t\u00e4ndelt, neckt, scherzt alles\u2026\u201c&nbsp; \u201eStets neuer Reitz in der Durchf\u00fchrung erh\u00e4lt den Zuh\u00f6rer.. und stimmt ihn mit jeder Modulation zu immer zunehmend heiterer Laune.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>&nbsp;\u201e\u2026ganz ein Guss, und trotz seiner Mannigfaltigkeit ohne fremdartige Unterbrechungen, ist das Allegro scherzo. Beethoven schien sich in dieser fast ausgelassenen frohen Stimmung so wohl zu gefallen, dass er sich von keinen phantastischen Grillen st\u00f6ren liess; und hatte vollkommen Recht. Daher verliess auch das Publikum eben so freundlich gestimmt den Saal.\u201c <\/em><\/p>\n<p>\u201eAlberti&nbsp; beschreibt die Achte &#8211; \u201a<em>als L\u00e4cheln in Thr\u00e4nen, oder als jenes Weinen im Lachen\u2018 und schlie\u00dft hieraus wiederum auf Beethovens Intentionen zur\u00fcck: \u201eBeethoven [\u2026], der edle, durch und durch sittliche Charakter, der von gl\u00fchender Liebe f\u00fcr die Menschheit Erf\u00fcllte, der Aufopferungsf\u00e4hige konnte, wie sehr ihn die Welt verkannte, wie tiefe Schmerzen sie ihm bereitete, nie aufh\u00f6ren sie zu lieben. .. darum verschwanden vor ihm ihre f\u00fcr ihn nichtigen Gegens\u00e4tze, darum bewahrte er sich stets ein Herz auch f\u00fcr das Kleinste in der Welt und vermochte es alle Entzweiung des Innern zu \u00fcberwinden, jedes Weh der Erde niederzuk\u00e4mpfen und zur Vers\u00f6hnung mit sich selbst hindurchzudringen\u201eDer Humor ist f\u00fcr ihn n\u00e4mlich diejenige Stimmung, die Beethoven die Komposition der Achten &#8211; trotz seiner von Leiden gezeichneten Lebenssituation erm\u00f6glicht habe\u201c.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWenn er die Welt floh, so war&#8217;s, weil er in den Tiefen seines liebenden Gem\u00fcthes keine Waffe fand, sich ihr zu widersetzen; wenn er sich den Menschen entzog, so geschah\u2019s, nachdem er ihnen alles gegeben und nichts zur\u00fcck empfangen hatte. Er blieb einsam, weil er kein Zweytes fand. Aber bis zum Tode bewahrte er ein menschliches Herz allen Menschen.\u201c<\/em><br \/>\naus Grillparzers Grabrede<\/p>\n<p><strong>&nbsp;.. \u201eweil er kein Zweytes fand\u201c..<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>&nbsp;<\/em><\/strong><strong><em>&nbsp;<\/em><\/strong><em>\u201c.. lebt wohl und vergesst mich nicht ganz im Tode, ich habe es um euch verdient, indem ich in meinem Leben oft an euch gedacht, euch gl\u00fccklich zu machen, seyd es\u201c<\/em>&nbsp;<br \/>\nHeiligenstadt, am 6. October 1802<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bbaqu.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-28836 alignleft\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bbaqu.jpg\" alt=\"\" height=\"408\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bbaqu.jpg 250w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bbaqu-184x300.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Baqu.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-28837\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Baqu.jpg\" alt=\"\" height=\"419\" width=\"250\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Baqu.jpg 250w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Baqu-179x300.jpg 179w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der zweite Satz der sechsten Symphonie tr\u00e4gt die Satz\u00fcberschrift <em>&#8222;Szene am Bach&#8220;.<\/em> &nbsp;Das Murmeln und Pl\u00e4tschern, die <em>Musik<\/em> des damals noch frei und munter flie\u00dfenden Schreiberbaches inspirierte Beethoven auf seinem Lieblings-Spaziergang.<\/p>\n<p>Florian Kraemer (2014) Entzauberung der Musik. Beethoven, Schumann und die romantische Ironie.&nbsp; Wilhelm Fink Verlag<\/p>\n<p>https:\/\/www.beethoven.de\/sixcms\/detail.php\/18880<\/p>\n<p>*Steinerne B\u00fcste in Beethovens \u201aG\u00e4rten\u2018.<\/p>\n<p>Gender: beyond<br \/>\n&#8211; am Schreiberbach, AD MMXVII<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bminiatur.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-28839\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bminiatur.jpg\" alt=\"\" height=\"643\" width=\"500\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bminiatur.jpg 500w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Bminiatur-233x300.jpg 233w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Weitere Beitr\u00e4ge: <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=heilig\">https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=heilig<\/a><\/p>\n<p>******************************************************************<\/p>\n<h4><strong>\u201ePhantasie\u201c<\/strong><\/h4>\n<p><strong>Erfahrenes und Erlesenes<\/strong><\/p>\n<p>vorgetragen und interpretiert von Katharina und Peter Heilig.<\/p>\n<p>Phantasie ist nicht den Tr\u00e4umern und Phantasten reserviert.<br \/>\nSie ist unverzichtbar &nbsp;f\u00fcr das Gedanken-zu-Ende denken&nbsp; und f\u00fcr umsichtig-n\u00fcchternes Erw\u00e4gen aller, auch ausgefallener M\u00f6glichkeiten.&nbsp;Ein musikalisch begleiteter Abend, der durch Phantasien und Tr\u00e4ume f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Am Donnerstag, 01. 03. 2018 um 19 Uhr<\/p>\n<p>Im Otto Mauer Zentrum (Eintritt frei)<\/p>\n<p>1090 Wien, W\u00e4hringerstra\u00dfe 2-4, Halbstock (Mezzanin) links<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;O ihr Menschen die ihr mich f\u00fcr Feindseelig st\u00f6risch oder Misantropisch haltet &#8220; Heiligenst\u00e4dter Testament&nbsp; Nachtigallen in Beethovens G\u00e4rten &#8222;Da\u00b0 dr\u00fcbn, \u00fcber&#8217;m Schreiberbacherl, ha\u00b0b i&#8217;s singa g&#8217;heat, de Nachtigall&#8220; erz\u00e4hlte der immer zum Scherzen aufgelegte alte Heurigenwirt. Durt ha\u00b0b i a vagessane Muttagottes-Figur z&#8217;sa\u00b0mm\u2018klaubt. 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