{"id":28191,"date":"2017-10-09T01:09:03","date_gmt":"2017-10-09T00:09:03","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=28191"},"modified":"2017-10-11T09:25:09","modified_gmt":"2017-10-11T08:25:09","slug":"1-weltkrieg-medizin-43-das-reservespital-nr-2-in-pardubitz-pardubice-in-boehmen-1914-1918-folge-7-2-zustaende-im-reservespital-ende-1917-auszug-aus-einem-im-j","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=28191","title":{"rendered":"&#8222;1. Weltkrieg &#038; Medizin&#8220; [43]: Das Reservespital Nr. 2 in PARDUBITZ \/ PARDUBICE in B\u00f6hmen 1914-1918, Folge 7.3 &#8211; &#8222;Verleumdungen und Beschwerden \u2013 das Kriegsspital\/Reservespital Nr. 2 im Blickpunkt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Folge 7.3 \u2013 \u201eVerleumdungen und Beschwerden \u2013 das Kriegsspital\/Reservespital Nr. 2 im Blickpunkt\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Abl\u00e4ufe in einem so gro\u00dfen Spital durch eine so lange Zeitperiode (1915-1918) hindurch verliefen nicht reibungslos. Neben Problemen im Tagesbetrieb, bei der Behandlung der Patienten, den immer knapper werdenden Ressourcen (Medikamenten, Heizmaterialien, Lebensmittel, etc.), kam es immer wieder auch zu <strong><em>\u201ezwischenmenschlichen Differenzen.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Drei ausgew\u00e4hlte F\u00e4lle, die alle dem Milit\u00e4rkommando Leitmeritz bekannt und letztendlich hier behandelt wurden, lassen uns ein wenig hinter die Kulissen blicken:&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><strong>I)&nbsp;\u201eEine Beschwerde mit Folgen: der langsame R\u00fccktritt des ersten milit\u00e4rischen Kommandanten\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In einem Brief an das k. k. Ministerium f\u00fcr Landesverteidigung in Wien vom 23. Juni 1916 beschweren sich die in der Beobachtungsstation\/Reservespital Nr. 2 in Pardubitz angestellt gewesenen Krankenschwestern Tony Syrnckova und Marie Beerova (beide aus Pardubitz): &nbsp;<em>\u2026da\u00df sie in der Kranken- und Verwundetenstation Pardubitz von Oberstabsarzt Eder \u00fcber Einschreiten seiner Frau ohne Angabe des Grundes pl\u00f6tzlich entlassen und wegen ihrer Angeh\u00f6rigkeit zur tschechischen Nation von beiden beschimpft worden sind. Die Frau des Oberstabsarztes mischte sich in alle Angelegenheiten und spielt den eigentlichen Kommandanten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Mitte August 1916 legte das Milit\u00e4rkommando in Leitmeritz an das k. u. k. Kriegsministerium in Wien einen Brief von Eder vor, in dem er um die <em>\u201eEinteilung bei der Armee im Felde\u201c<\/em> bat. Dazu das Milit\u00e4rkommando Leitmeritz: <em>\u201eDie Hauptveranlassung zu dieser Bitte scheint mit der angeblichen Einmengung seiner Frau in den Dienstbetrieb im Zusammenhang zu stehen, obwohl seit Austragung diese Angelegenheit nicht der geringste Anlass zu weiterem Einschreiten vorkam. Sollte die Bitte gew\u00e4hrt werden, so wird um einen vollwertigen Ersatz gebeten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Kommentar des k. u. k. Kriegsministeriums in Wien dazu:<\/p>\n<p>&nbsp;<em>\u201eMit R\u00fccksicht auf die ungew\u00f6hnlichen Verh\u00e4ltnisse in diesem gro\u00dfen Spital mit einem Belage von \u00fcber 9.200 Betten, das erst mit 1. August 1916 in die Verwaltung des Heeres \u00fcbernommen wurde und dessen Organisation sich erst festigen mu\u00df, h\u00e4lt das Kriegsministerium einen Kommandowechsel derzeit nicht im Interesse des Dienstes gelegen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im k. k. Ministerium f\u00fcr Landesverteidigung war man jedoch der <em>\u201eAnsicht, da\u00df dem Wunsche des Oberstabsarztes 1. Klasse Dr. Eder im Felde Dienst zu leisten, stattzugeben w\u00e4re. Das Kriegsministerium m\u00f6ge an dessen Stelle einen schonungsbed\u00fcrftigen Milit\u00e4rarzt ausfindig machen, da dem k. k. Ministerium f\u00fcr Landesverteidigung dermalen kein geeigneter Ersatz zur Verf\u00fcgung steht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und ersuchte gleichzeitig das Armeeoberkommando (AOK) einen f\u00fcr <em>\u201eden besonderen Posten in Pardubitz geeigneten, schonungsbed\u00fcrftigen Milit\u00e4rarzt dem Kriegsministerium zur Verf\u00fcgung zu stellen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Vom AOK wurde Dr. Eder f\u00fcr eine Verwendung vorgemerkt.<\/p>\n<p>Zum neuen Kommandanten wurde im November 1916 der bereits im September 1915 in den Ruhestand versetzte Generalstabsarzt Dr. Bronislaus MAJEWSKI ernannt. <strong><em><u>&nbsp;<\/u><\/em><\/strong><strong><em><u>[<\/u><\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?paged=3&amp;m=201601\"><strong><em>https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?paged=3&amp;m=201601<\/em><\/strong><\/a><strong><em><u>]<\/u><\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Biographisches zu EDER:<\/strong><\/p>\n<p>Oberstabsarzt (seit November 1915) Dr. Johann EDER wurde am 19. Juni 1862 in Bergern in Ober\u00f6sterreich geboren. Er besuchte das Gymnasium in Linz und studierte nach der Matura Medizin in Wien, wo er am 26. Juli 1889 schlie\u00dflich zum Doktor der gesamten Heilkunde promovierte. Seine milit\u00e4rische Karriere begann bereits am 7. J\u00e4nner 1882 als Einj\u00e4hrig Freiwilliger mit der Verpflichtung 10 Jahre im aktiven Heer und 2 Jahre bei der Landwehr zu dienen.<\/p>\n<p>Milit\u00e4rische Laufbahn (nach seiner Qualifikationsbeschreibung):<\/p>\n<p>1885- 1889: als Milit\u00e4r\u00e4rztlicher Eleve 2. dann 1. Klasse im Garnisonspital Nr. 1 und dann Nr. 4 in Wien.<\/p>\n<p>Im Oktober 1889 zum Oberarzt ernannt und zum Garnisonsspital Nr. 11 nach Prag als Sekund\u00e4rarzt zugeteilt.<\/p>\n<p>Ab Juni 1890 zum Dragonerregiment Nr. 1 in Postelberg <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Postoloprty\"><strong><em>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Postoloprty<\/em><\/strong><\/a> versetzt bis Ende M\u00e4rz 1895.<\/p>\n<p>Inzwischen zum Regimentsarzt ernannt und in den Aktivstand der k. k. Landwehr \u00fcbernommen, wurde er dem Landwehrinfanterieregiment Nr. 3 in Marburg \/Drau <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maribor\"><strong><em>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maribor<\/em><\/strong><\/a> zugeteilt. Hier blieb er bis Ende September 1901.<\/p>\n<p>Hierauf zum Landwehrinfanterieregiment Nr. 2 in Linz als Chefarzt versetzt wurde er am 1. April 1907 zum Kommandanten des Landwehrspitales in Linz ernannt.<\/p>\n<p>\u00dcber seinen Charakter wurde folgenderma\u00dfen geurteilt: <em>\u201eBiederer Charakter mit Festigkeit im Vorsatze, Energie und Entschlossenheit in der Durchf\u00fchrung, vorz\u00fcgliche Geistesgaben mit rascher, pr\u00e4ziser Auffassung, richtigem Urteil und sehr scharfen Ged\u00e4chtnisse, ruhiges Temperament. Erf\u00fcllt von strengstem Pflichtgef\u00fchle, Ehrgeiz und begeisterter Hingebung f\u00fcr seinen Stand l\u00e4\u00dft dieser ungemein bef\u00e4higte, \u00e4u\u00dferst strebsame bis zur Selbstverl\u00e4ugnung unerm\u00fcdlich im Interesse des Dienstes initiativ t\u00e4tige und auf seine Ausbildung sehr bedachte Offizier in Zukunft ganz hervorragende Leistungen erwarten. <\/em><\/p>\n<p><em>Stets aufs Netteste adjustiert, sehr guter und beliebter Kamerad, gegen h\u00f6here ungemein aufmerksam und anh\u00e4nglich, pflichtgem\u00e4\u00df offen, taktvoll und ehrerbietig, gegen Untergebende streng dienstfordernd&nbsp; und wohlwollend; bewegt sich au\u00dfer Dienst mit den besten Umgangsformen immer nur in der vornehmsten Gesellschaft. <\/em><\/p>\n<p><em>Ein in allen Zweigen der Fachwissenschaften und in jenen des Berufsmilit\u00e4rarztes hervorragend versierter Arzt, welcher auch in den neuesten Errungenschaften der Wissenschaft auf das Vollkommendste bewandert ist und sich durch unerm\u00fcdlichen Flei\u00df, vorz\u00fcgliche Verwendbarkeit und Verl\u00e4\u00dflichkeit auszeichnet mit dem eifrigsten Bestreben , sein umfangreiches Wissen immer mehr zu vertiefen, im Sanit\u00e4tsdienste sehr verl\u00e4\u00dflich und verwendbar.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Zum Nachlesen:<\/p>\n<p><strong>Dr. Johann EDER im Oktober 1889 zugeteilt dem Garnisonspital Nr. 11 in Prag<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=mil&amp;datum=18891022&amp;seite=6&amp;zoom=33&amp;query=%22dr%2Bjohann%2Beder%22&amp;provider=P03&amp;ref=anno-search\"><strong><em>http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=mil&amp;datum=18891022&amp;seite=6&amp;zoom=33&amp;query=%22dr%2Bjohann%2Beder%22&amp;provider=P03&amp;ref=anno-search<\/em><\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong>Einladung zu einem <em>\u201emilit\u00e4rischen Dejeuner\u201c<\/em> bei Erzherzog Josef Ferdinand im Februar 1911<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=sus&amp;datum=19110218&amp;seite=8&amp;zoom=33&amp;query=%22dr%2Bjohann%2Beder%22&amp;provider=P03&amp;ref=anno-search\"><strong><em>http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=sus&amp;datum=19110218&amp;seite=8&amp;zoom=33&amp;query=%22dr%2Bjohann%2Beder%22&amp;provider=P03&amp;ref=anno-search<\/em><\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong>Als Leiter des Landwehrspitals Nr. 4 in Linz im September 1914 t\u00e4tig<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=tpt&amp;datum=19140908&amp;seite=3&amp;zoom=33&amp;query=%22dr%2Bjohann%2Beder%22&amp;provider=P02&amp;ref=anno-search\"><strong><em>http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=tpt&amp;datum=19140908&amp;seite=3&amp;zoom=33&amp;query=%22dr%2Bjohann%2Beder%22&amp;provider=P02&amp;ref=anno-search<\/em><\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong>Besuch des Statthalters von B\u00f6hmen in Pardubitz im Juni 1916<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=pit&amp;datum=19160620&amp;seite=4&amp;zoom=33&amp;query=%22dr%2Bjohann%2Beder%22&amp;provider=P02&amp;ref=anno-search\"><strong><em>http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=pit&amp;datum=19160620&amp;seite=4&amp;zoom=33&amp;query=%22dr%2Bjohann%2Beder%22&amp;provider=P02&amp;ref=anno-search<\/em><\/strong><\/a><\/p>\n<p><strong>II) Futter f\u00fcr Jagdhunde und nicht f\u00fcr Nutzvieh (kritischer Artikel in der \u201eArbeiterzeitung\u201c vom 18. Mai 1918 ; siehe auch: \u201eB\u00f6hmerwald Volksbote\u201c vom 2. Juni 1918. <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eAus Pardubitz wird geschrieben: Das hiesige zweite Reservespital fa\u00dft 12.000 Kranke. Gegenw\u00e4rtig sind hier etwa 5.000 Kranke. Im ersten Kriegsjahr hat ein Konsortium von Pardubitzer B\u00fcrgern die K\u00fcchenabf\u00e4lle und das Sp\u00fclwasser von der Anstalt gekauft und f\u00fcr die Stadt ungef\u00e4hr 200 Schweine gem\u00e4stet; diese Mast mu\u00dfte aber aufgelassen werden, weil die Abf\u00e4lle nicht mehr zur Verf\u00fcgung standen. Pardubitz ist n\u00e4mlich auch eine Sportstadt. Auf den Wiesen, die zu Pardubitz geh\u00f6ren, werden Parforcejagden abgehalten, zu denen man 60 bis 70 Hunde verwendet. Die K\u00fcchenabf\u00e4lle aus dem Milit\u00e4rspital werden n\u00e4mlich jetzt den Hunden vorgesetzt. Es ist nicht zu verstehen, da\u00df der Leiter des Spitals, der Oberstabsarzt Dr. Majewski, die Abf\u00e4lle so unwirtschaftlich behandelt. Hat er denn ein gar so starkes Bed\u00fcrfnis, den Teilnehmern der Parforcejagden&nbsp; <\/em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Parforcejagd\"><strong><em>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Parforcejagd<\/em><\/strong><\/a><em>, den Auersperg, Larisch, Kinsky, Mensdorf, Henckel zu Diensten zu sein? K\u00f6nnte das Spital mit seinen Abf\u00e4llen nicht selbst Schweinezucht treiben, um die Kranken mit Fleisch und Fett zu ern\u00e4hren? Die Herren Grafen und F\u00fcrsten sind vielleicht Mitglieder von Vereinen gegen die Tuberkulose. Wenn sie aber wegen ihrer Jagdhunde 200 Schweine nicht ern\u00e4hren lassen, schaffen sie mehr Kranke als sie mit ihrer Vereinst\u00e4tigkeit heilen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Vom k. u. k. Kriegsministerium in Wien um eine Stellungnahme aufgefordert, teilte das Milit\u00e4rkommando in Leitmeritz folgendes mit:<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026da\u00df die Angelegenheit betreffend den Artikel in der Arbeiterzeitung vom 18. Mai 1918, welcher sich mit der Verwendung von K\u00fcchenabf\u00e4llen beim Reservespital in Pardubitz befa\u00dfte, von hieraus bereits im Monate Mai 1918 aufgegriffen wurde.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dazu berichtete das Spitalskommando am 22. Mai 1918:<\/p>\n<p><em>\u201eZu der Zeit als das Reservespital Nr. 2 in Pardubitz noch als Beobachtungsstation vom landesf\u00fcrstlichen Kommiss\u00e4r verwaltet wurde, ist mit Charles Peck ein Vertrag abgeschlossen worden, demzufolge die genannte Station demselben die K\u00fcchenabf\u00e4lle der I. und II. Sektion zu einem vereinbarten Preise von 240 K. monatlich abgegeben hat. <\/em><\/p>\n<p><em>Dieser Vertrag hat dann auch bei der \u00dcbernahme der Beobachtungsstation als Reservespital in die milit\u00e4rische Verwaltung keine K\u00fcndigung erfahren und besteht bis zum heutigen Tage (22. Mai 1918) mit der Ab\u00e4nderung zu Recht, da\u00df f\u00fcr diese K\u00fcchenabf\u00e4lle vom 2. J\u00e4nner 1918 an, infolge geringerer Menge und G\u00fcte nur mehr 160 Kronen per Monat bezahlt werden.<\/em><\/p>\n<p><em>Hierauf wurde Nachstehendes von hieraus verf\u00fcgt bezw. veranla\u00dft:<\/em><\/p>\n<p><em>1) Ankauf und Einstellung von vorl\u00e4ufig 4 Ferkeln und Anordnung aller Vorbereitungen und Ma\u00dfnahmen zur Einstellung und Aufzucht derselben beim Reservespital Pardubitz;<\/em><\/p>\n<p><em>2) K\u00fcndigung aller bis jetzt in Kraft stehenden Vertr\u00e4ge (\u00dcbereinkommen) betreffend Abgabe der K\u00fcchenabf\u00e4lle mit 1. Oktober 1918, da zu einem fr\u00fcheren Termin nach der Sachlage nicht m\u00f6glich.<\/em><\/p>\n<p><em>Die vorerw\u00e4hnten 4 Ferkel sind bereits an Ort und Stelle und werden aus sonstigen sich ergebenden K\u00fcchenabf\u00e4llen, Abf\u00e4llen der Gem\u00fcseg\u00e4rten, der B\u00e4ckerei und etwas Zuschu\u00df an Gerstenkleie und Kartoffelschalen gem\u00e4stet.\u201c <\/em>&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p><strong>III) Anonyme Anzeige gegen den Regimentsarzt Dr. Jaromir Kotesovec (Kommandant der III. Sektion <\/strong><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=25431\"><strong><em>https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=25431<\/em><\/strong><\/a><strong>) vom Juli 1918, unterzeichnet von \u201ePatienten der III. Sektion\u201c, gerichtet an das k. u. k. Kriegsministerium in Wien folgenden Inhalts:<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e\u2026die Patienten des K. u. k. Reservespitals Nr. 2 in Pardubitz, Sektion III Regimentsarzt Dr. Kotesovec bitten gehorsamst&nbsp; um einen anderen Kommandanten auf die Sektion indem der Herr Regimentsarzt Dr. Kotesovec noch nicht im Felde war und auch nicht wissen tuet wie man im vierten Kriegsjahr Patienten die f\u00fcr Vaterland das Leben opfern behandeln soll, es sind hier solche F\u00e4lle vorgekommen dass man es nicht einmal schreiben kann, z. B. war hier ein Patient mit durchgeschossenen beiden Wangen in Kiefern er fragt ihm wer ihnen die Goschen durchgeschossen hat wie wann er das nicht wissen m\u00f6chte, dass man im Felde mit scharfer Munition schiesst, oder liegen Patienten in Fieber von die reisst er die Decken herunter und m\u00fcssen aufstehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die russischen und italienischen Kriegsgefangenen die hier sind die haben viel besser wie wir die k\u00f6nnen ausgehen wann sie wollen daf\u00fcr bekommen wir nur Sonntags von 2 Uhr nachmittag bis 6 Uhr Abends Ausgang wo auf anderen Sektionen bereits jeden Tag Ausgang ist, es sind viele Patienten hier von der N\u00e4he, die m\u00f6chten sich was zu essen holen bekommen aber keine Erlaubnis dazu und hier m\u00fcssen sie l\u00e4nger Hunger leiden, nur selten bekommt man Erlaubnis.<\/em><\/p>\n<p><em>Es w\u00e4re noch mehr zu schreiben wir hoffen aber dass unsere Bitte erh\u00f6rt wird und der Herr Sektionskommandant einmal an die Front geschickt wird, wo er schon l\u00e4ngst hin geh\u00f6rt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dr. Kotesovec, mit dem Inhalt des Briefes konfrontiert, schrieb an das Spitalskommando:<\/p>\n<p><em>\u201eIch melde, dass die in dem beigelegten anonymen Brief angef\u00fchrten <strong>\u201eKlagen\u201c<\/strong> jeder positiven Grundlage entbehren und erkl\u00e4re die Behauptung ich h\u00e4tte die Worte: <strong>\u201eWer hat Ihnen die Goschen durchgeschossen\u201c<\/strong>, jemals ausgesprochen, f\u00fcr eine L\u00fcge. Vielmehr habe ich die mir vom Spitalskommando zugewiesenen Patienten human und mit Liebe behandelt und habe des \u00d6fteren die gr\u00f6\u00dfte Freude des Arztes erlebt, dass von mir operierte Patienten, wenn sie rekonvalesziert waren, spontan mir ihren Dank ausgesprochen haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Die weitere Behauptung, dass die Patienten keinen Ausgang bekommen beruht ebenfalls auf Unwahrheit. Von der III. Sektion waren z. B. im Monate Juli 1918 105, im Monate August 1918 158 Patienten auf kurze 2-4t\u00e4gige Urlaube aus Familienangelegenheiten beurlaubt. Nebstdem werden prinzipiell an Sonn- und Feiertagen s\u00e4mtliche \u00e4rztlich dazu geeignet Patienten f\u00fcr den ganzen Nachmittag beurlaubt und an Wochentagen wurden diejenigen, welche darum aus irgend welchem Grunde bittlich waren, nie abgewiesen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Soldaten aus naher Umgebung bekommen Rayons\u00fcberschreitungen und wurden dieselben an Sonn- und Feiertagen, wenn es zul\u00e4ssig war, immer bewilligt, so dass ihnen die Gelegenheit geboten wurde den ganzen Tag bei der Familie zu verbleiben und Nahrungsmittel sich zu holen.<\/em><\/p>\n<p><em>In besonders ber\u00fccksichtigungsw\u00fcrdigen F\u00e4llen (Anbau \u2013 Erntezeit) haben die Bauern aus der n\u00e4chsten Umgebung sogar jeden Tag den ganzen Nachmittag Ausgang bekommen, damit sie, falls der Zustand es erlaubte, zu Hause aushelfen k\u00f6nnten.<\/em><\/p>\n<p><em>Aus dem Besagten geht hervor, dass die Leute gen\u00fcgend Freiheit hatten, abgesehen davon, dass die gro\u00dfe Anstalt mit fast kilometerlangen guten Wegen gen\u00fcgend Gelegenheit zum Spazieren bietet. Man hat diese Bewegungsfreiheit nicht gehemmt nur Ansammlungen waren den Sommer \u00fcber, des verh\u00e4ngten Standrechtes wegen, verboten.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe allerdings mir die gr\u00f6\u00dfte M\u00fche gegeben, dass ich als Kommandant die Disziplin erhalte, ich war, was die Ordnung anbelangt &nbsp;&nbsp;strenge, ich habe eigenm\u00e4chtiges Entfernen aus der Anstalt nicht geduldet und immer verlangt, dass die Patienten bei der Visite vollz\u00e4hlig zugegen sind.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich wollte die III. Sektion, welche bereits in den ersten 6 Monaten des Jahres 1918 6.004 Zugang und 5.991 Abgang hatte, in jeder Hinsicht auf die h\u00f6chste Stufe der Leistungsf\u00e4higkeit bringen, dazu habe ich nach der Vorschrift reconvalesziert und ich habe das Gef\u00fchl, dass diese Momente: Disziplinverlangen und Reconvaleszierungen mir die Feindschaft des anonymen Schreibers zugezogen haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Pardubitz am 4. September 1918\u201e<\/em><\/p>\n<p>Die Angelegenheit wurde vom k. u. k. Kriegsministerium nicht weiter verfolgt, nachdem sich Majewski, der Kommandant des Reservespitals Nr. 2, folgenderma\u00dfen dazu ge\u00e4u\u00dfert hatte:<\/p>\n<p>\u201eDie von mir gepflogenen eingehenden Erhebungen lieferten keinen Anhaltspunkt f\u00fcr die Annahme, da\u00df die im anonymen Schreiben gegen den RA [=Regimentsarzt] Dr. Kotesovec angef\u00fchrten Beschuldigungen auf Wahrheit beruhen.<\/p>\n<p>RA Dr. Kotesovec ist ein \u00e4u\u00dferst flei\u00dfiger pflichttreuer Arzt, der in seinem Beruf human und f\u00fcrsorglich, dabei gut erzogen und unf\u00e4hig ein derartiges Benehmen gegen Kranke zu bekunden.<\/p>\n<p>Es hat ihn tief geschmerzt, dass ein anonymes Schreiben seine Ehre als Arzt angetastet hat\u2026\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?cat=1153\">Alle Beitr\u00e4ge&#8211;&gt; 1.Weltkrieg &amp;Medizin<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folge 7.3 \u2013 \u201eVerleumdungen und Beschwerden \u2013 das Kriegsspital\/Reservespital Nr. 2 im Blickpunkt\u201c Die Abl\u00e4ufe in einem so gro\u00dfen Spital durch eine so lange Zeitperiode (1915-1918) hindurch verliefen nicht reibungslos. Neben Problemen im Tagesbetrieb, bei der Behandlung der Patienten, den immer knapper werdenden Ressourcen (Medikamenten, Heizmaterialien, Lebensmittel, etc.), kam es immer wieder auch zu \u201ezwischenmenschlichen &hellip; <a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=28191\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">&#8222;1. Weltkrieg &#038; Medizin&#8220; [43]: Das Reservespital Nr. 2 in PARDUBITZ \/ PARDUBICE in B\u00f6hmen 1914-1918, Folge 7.3 &#8211; &#8222;Verleumdungen und Beschwerden \u2013 das Kriegsspital\/Reservespital Nr. 2 im Blickpunkt&#8220;<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1153,1,24,11,5,2,17],"tags":[1272,1338,1169,1157,1162,1281,1270,62,1278,1279,1269,1268,1274,1271,1280,1282,1164,1276,1275],"class_list":["post-28191","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-weltkrieg-medizin","category-allgemeines","category-books-journals","category-literaturhinweis","category-medizingeschichte","category-news","category-news2","tag-1914-1918","tag-boehmen","tag-erster-weltkrieg","tag-first-world-war","tag-k-u-k-armee","tag-karantena","tag-kriegsspital","tag-medizin","tag-military-healthcare","tag-military-hospital","tag-pardubice","tag-pardubitz","tag-prvni-svetova-valka","tag-quarantaene","tag-quarantine","tag-reservespital-nr-2","tag-sanitatswesen","tag-valecna-nemocnice","tag-vojenske-zdravotnictvi"],"views":3817,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28191","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=28191"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28191\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":28375,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28191\/revisions\/28375"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=28191"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=28191"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=28191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}