{"id":27870,"date":"2017-06-22T01:40:52","date_gmt":"2017-06-22T00:40:52","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27870"},"modified":"2020-08-31T13:19:58","modified_gmt":"2020-08-31T12:19:58","slug":"aus-den-medizinhistorischen-bestaenden-der-ub-meduni-wien-32-friedrich-dimmer-beitraege-zum-wissenschaftlichen-medizinischen-lehr-film-und-zur-medizinischen-fotografie-auf-dem-gebiet-der-augenh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27870","title":{"rendered":"Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [32]: Krafft-Ebing, Richard von: Psychopathia sexualis. Eine klinisch-forensische Studie. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1886."},"content":{"rendered":"<p><strong>Krafft-Ebing, Richard von: Psychopathia sexualis. Eine klinisch-forensische Studie. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1886.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-31957\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"75\"><\/a><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/NeuburgerBibliothek, Sign.: 48615]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/search.obvsg.at\/primo_library\/libweb\/action\/search.do?pcAvailabiltyMode=false&amp;ct=facet&amp;dummyChar=%E2%99%A5&amp;fn=search&amp;ct=search&amp;vid=UMW&amp;indx=1&amp;dum=true&amp;vl%2836668552UI1%29=all_items&amp;srt=rank&amp;vl%281UI0%29=contains&amp;vl%28D3442612UI0%29=any&amp;frbr=&amp;tab=default_tab&amp;mode=Basic&amp;scp.scps=scope%3A%28UMW_O_SFX%29%2Cscope%3A%28UMW_O_metalib%29%2Cscope%3A%28UMW_aleph_acc%29%2Cprimo_central_multiple_fe&amp;vl%28freeText0%29=krafft-ebing+1886+psychopathia+sexualis&amp;submit_button.x=0&amp;submit_button.y=0\">http:\/\/search.obvsg.at\/<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-27878\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Abb-01_Richard_von_Krafft_Ebing.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"560\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Abb-01_Richard_von_Krafft_Ebing.jpg 400w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Abb-01_Richard_von_Krafft_Ebing-214x300.jpg 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><br \/>\nAbb. 1&nbsp;&nbsp;&nbsp; Richard von Krafft-Ebing<\/p>\n<p>Richard von Krafft-Ebing (*14.08.1840 Mannheim, gest. 22.12.1902 Graz) war ein Psychiater, Neurologe und Rechtsmediziner. Er entstammte einer Beamtenfamilie aus dem Breisgau und studierte Medizin in Heidelberg, wo er 1863 sein Staatsexamen ablegte. Krafft-Ebing interessierte sich f\u00fcr Psychiatrie und kam unmittelbar nach seinem Studium mit den beiden damals vorherrschenden Richtungen des Faches in Ber\u00fchrung: zuerst mit der hirnanatomisch bestimmten Universit\u00e4tspsychiatrie bei Wilhelm Griesinger (1817-1868), dessen Vorlesungen er in Z\u00fcrich h\u00f6rte; danach mit der deutschen Anstaltspsychiatrie, die er bei Christian Roller (1802-1878) in der <em>Irrenanstalt Illenau<\/em> kennenlernte. Seit dieser Zeit verband ihn auch eine lebenslange Freundschaft mit seinem Kollegen und sp\u00e4teren Leiter dieser Anstalt Heinrich Sch\u00fcle (1840-1916). Von 1868 bis zum Beginn des Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieges (1870\/71) \u2013 in dem er erst als Feldarzt, sp\u00e4ter als Lazarettarzt in einem Badischen Regiment diente \u2013 lie\u00df er sich in Baden-Baden als privater Nervenarzt nieder.<\/p>\n<p>1872 arbeitete Krafft-Ebing f\u00fcr ein Jahr an die Universit\u00e4t Stra\u00dfburg, danach ging er an die Universit\u00e4t Graz, wo ihm \u2013 verbunden mit der Leitung der neu eingerichteten <em>Landesirrenanstalt Feldhof \u2013<\/em> der Lehrstuhl f\u00fcr Psychiatrie \u00fcbertragen wurde. 1880 wurde er hier zum Ordinarius ernannt und konnte die Leitung der Anstalt abgeben. Aus dieser Zeit stammen auch seine beiden bekannten Lehrb\u00fccher, die beide mehrmals aufgelegt, zu Standardwerken wurden und seine internationale Ber\u00fchmtheit begr\u00fcndeten: <em>Lehrbuch der gerichtlichen Pathologie<\/em> (1875) und <em>Lehrbuch der Psychiatrie<\/em> (1879). <em>\u201eDie Psychiatrie im damaligen Zustand war f\u00fcr Krafft-Ebing eine beschreibende, nicht erkl\u00e4rende Wissenschaft und er verwies damit die anatomischen und physiologischen Herrschaftsanspr\u00fcche in der Psychiatrie in die Grenzen. Die Klinik stand bei ihm im Zentrum, wenn auch unter dem Leitsatz: ,Das Irresein ist eine Hirnkrankheit\u2018. Aus diesem Geist heraus schuf er 1867 den Begriff ,Zwangsvorstellung\u2018 und f\u00fchrte 1870 den Begriff ,D\u00e4mmerzustand\u2018 in die Psychiatrie ein.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> 1886 erschien schlie\u00dflich sein bis heute bekanntestes Werk: <em>Psychopathia sexualis<\/em>. Es wurde \u2013 auch noch nach seinem Tod \u2013 immer wieder erweitert und \u00fcberarbeitet und bis 1924 insgesamt 17 Mal aufgelegt. Durch seine strenge empirische Methode bildete er damit f\u00fcr die nachkommende Forschergeneration der Sexualwissenschaftler um <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=26502\">Magnus Hirschfeld (1868-1935)<\/a> den Ausgangspunkt f\u00fcr ihre eigenen Forschungen und <em>\u201enach [Julius] Wagner-Jauregg schuf er damit \u201amit wunderbarem Scharfsinne Ordnung\u2018\u201c<\/em>.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Er wurde mit diesem Werk zum Begr\u00fcnder der Sexualpathologie. Heute bekannte Begriffe wie Sadismus, Masochismus, Fetischismus gehen auf ihn zur\u00fcck.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-27879\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Abb-02_Psychopathia-sexualis.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"653\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Abb-02_Psychopathia-sexualis.jpg 400w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Abb-02_Psychopathia-sexualis-184x300.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><br \/>\nAbb. 2&nbsp;&nbsp;&nbsp; Titelblatt: Krafft-Ebing: Psychopathia sexualis. Stuttgart: 1886.<\/p>\n<p>Richard von Krafft-Ebings Arbeiten hatten eine nicht unproblematische Bedeutung f\u00fcr die wissenschaftliche Besch\u00e4ftigung mit dem damals kaum erforschten Feld der Homosexualit\u00e4t, auf das er durch die Schriften von <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=26502\">Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895)&nbsp;<\/a>gesto\u00dfen wurde. Homosexualit\u00e4t galt im 19. Jahrhundert in weiten Kreisen der Gesellschaft als ein Ausdruck einer unmoralischen Geisteshaltung und Lebensweise als Folge von sexueller \u00dcbers\u00e4ttigung, Verf\u00fchrung und\/oder degenerierter Erbanalagen und wurde aus diesem Grund in weiten Teilen Europas auch strafrechtlich verfolgt (in \u00d6sterreich bis 1971). Als bekannter Gerichtsarzt stellte Krafft-Ebing Homosexuelle als \u201eerblich belastete Perverse\u201c dar, die f\u00fcr ihre angeborene <em>Umkehrung<\/em> des Sexualtriebes nicht verantwortlich sind, folglich auch nicht strafrechtlich zu verfolgen seien. In seiner <em>Psychopathia sexualis<\/em> definierte er Homosexualit\u00e4t als angeborene neuropsychopathische St\u00f6rung \u2013 also als eine erbliche Nervenkrankheit. Diese Diagnose erlaubte es ihm, sich f\u00fcr eine vollkommene Straffreiheit der Homosexualit\u00e4t auszusprechen, zumal sie auch nicht ansteckend sei. Damit f\u00fchrte Krafft-Ebing die Pathologisierung der Homosexualit\u00e4t in die medizinische Wissenschaft ein, die bis weit in das 20. Jahrhundert hinein weitreichende Folgen zeitigte. Sie bildete die Grundlage f\u00fcr grausamste Zwangsma\u00dfnahmen \u2013 bis hin zu Zwangssterilisationen (die bis in die zweite H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts durchgef\u00fchrt wurden) \u2013 und f\u00fchrte zur zwangsweisen Psychiatrierung vieler Schwuler und Lesben.<\/p>\n<p>1889 kam Richard von Krafft-Ebing als Nachfolger von <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27094\">Maximilian Leidesdorf (1816-1889)<\/a> nach Wien an die I. Psychiatrische Klinik. 1892 trat er die Nachfolge von Theodor Meynert (1833-1892) als Professor der II. Psychiatrischen Klinik in Wien an, der er bis zu seiner Pensionierung 1902 vorstand. Richard von Krafft-Ebing starb nur wenige Monate nach seiner Pensionierung, nachdem er sich wieder nach Graz zur\u00fcckgezogen hatte, am 22.12.1902.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Ammerer, Heinrich: Am Anfang war die Perversion. Richard von Krafft-Ebing, Psychiater und Pionier der modernen Sexualkunde. Wien, Graz und Klagenfurt: Verl.-Gruppe Styria 2011.<\/p>\n<p>Sablik, Karl: Richard von Krafft-Ebing (1840-1902). In: Arzt, Presse, Medizin. (33) 1978. S. 3-5.<\/p>\n<p>Wagner-Jauregg, Julius: Richard v. Krafft-Ebing. In: Wiener medizinische Wochenschrift. (58\/42) 1908. Sp. 2305-2311.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Sablik, Karl: Richard von Krafft-Ebing (1840-1902). In: Arzt, Presse, Medizin. (33) 1978. S. 4.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Sablik, Karl: Richard von Krafft-Ebing (1840-1902). In: Arzt, Presse, Medizin. (33) 1978. S. 5.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=%22Aus+den+medizinhistorischen+Best%C3%A4nden+der+Ub+MedUni+Wien%22\">Alle Beitr\u00e4ge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien\u2013&gt;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krafft-Ebing, Richard von: Psychopathia sexualis. Eine klinisch-forensische Studie. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1886. [Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/NeuburgerBibliothek, Sign.: 48615] http:\/\/search.obvsg.at\/ Abb. 1&nbsp;&nbsp;&nbsp; Richard von Krafft-Ebing Richard von Krafft-Ebing (*14.08.1840 Mannheim, gest. 22.12.1902 Graz) war ein Psychiater, Neurologe und Rechtsmediziner. Er entstammte einer Beamtenfamilie aus dem Breisgau und studierte Medizin in Heidelberg, wo er &hellip; <a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27870\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [32]: Krafft-Ebing, Richard von: Psychopathia sexualis. Eine klinisch-forensische Studie. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1886.<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[24,11,5,1347,1389,2,16,18,40,1391],"tags":[1630,1631,1625,1626,1627,1628,1629,1632,1633,1634,189,1413,1635,1636,1637,1638,1639,1640,1641],"class_list":["post-27870","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-books-journals","category-literaturhinweis","category-medizingeschichte","category-medizinhistorische-bestaende-der-ub-meduni-wien","category-neuburger-bibliothek","category-news","category-news1","category-news3","category-sammlungen","category-separata-bibliothek","tag-irrenanstalt-illenau","tag-landesirrenanstalt-feldhof","tag-christian-roller","tag-daemmerzustand","tag-fetischismus","tag-heinrich-schuele","tag-homosexualitaet","tag-magnus-hirschfeld","tag-masochismus","tag-maximilian-leidesdorf","tag-neurologie","tag-psychiatrie","tag-rechtsmedizin","tag-richard-von-krafft-ebing","tag-sadismus","tag-sexualwissenschaft","tag-theodor-meynert","tag-wilhelm-griesinger","tag-zwangsvorstellung"],"views":7614,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27870","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27870"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27870\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35582,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27870\/revisions\/35582"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27870"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27870"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27870"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}