{"id":27799,"date":"2017-06-08T01:14:47","date_gmt":"2017-06-08T00:14:47","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27799"},"modified":"2022-03-07T13:47:49","modified_gmt":"2022-03-07T12:47:49","slug":"aus-den-medizinhistorischen-bestaenden-der-ub-meduni-wien-30-semmelweis-ignaz-philipp-die-aetiologie-der-begriff-und-die-prophylaxis-des-kindbettfiebers-pest-wien-und-leipzig-c-a-hartleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27799","title":{"rendered":"Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien [30]: Semmelweis, Ignaz Philipp: Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers, 1861."},"content":{"rendered":"<p><strong>Semmelweis, Ignaz Philipp: Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers. Pest, Wien und Leipzig: C. A. Hartleben\u2019s Verlags-Expedition 1861.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-31957\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Neuburger_MHartl.jpg\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"72\"><\/a><\/p>\n<p>[Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Neuburger Bibliothek, Sign.: 1185]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/search.obvsg.at\/primo_library\/libweb\/action\/search.do?fn=search&amp;ct=search&amp;initialSearch=true&amp;mode=Basic&amp;tab=default_tab&amp;indx=1&amp;dum=true&amp;srt=rank&amp;vid=UMW&amp;frbg=&amp;tb=t&amp;vl%28freeText0%29=Semmelweis+Aetiologie+Pest+1861&amp;scp.scps=scope%3A%28ACC_acc05_M900%29%2Cscope%3A%28UMW_aleph_acc%29%2Cscope%3A%28UMW_O_SFX%29\">http:\/\/search.obvsg.at\/<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-27803\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/ABB-01_Ignaz_Semmelweis.jpg\" alt=\"ABB-01_Ignaz_Semmelweis\" width=\"600\" height=\"719\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/ABB-01_Ignaz_Semmelweis.jpg 600w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/ABB-01_Ignaz_Semmelweis-250x300.jpg 250w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Abb. 1&nbsp;&nbsp;&nbsp; Iganz Philipp Semmelweis<\/p>\n<p>Ignaz Philipp Semmelweis (*01.07.1818 Ofen (Budapest), gest. 13.08.1865 Wien) stammte aus einer Budapester Kaufmannsfamilie. Nach dem Besuch des Gymnasiums begann er auf Wunsch des Vaters ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universit\u00e4t Wien, wechselte aber bald zur Medizin. Nachdem er das erste Studienjahr in Wien beendet hatte, verbrachte er das zweite und dritte Studienjahr an der Universit\u00e4t in Budapest, bevor er die beiden letzten Studienjahre wieder in Wien absolvierte. Nach seiner Promotion zum Doctor medicinae 1844, zum Magister der Geburtshilfe 1844 und zum Doctor chirurgiae 1845 begann er 1846 als Assistent bei Johann Klein (1788-1856) in der Ersten Wiener Geb\u00e4rklinik zu arbeiten.<\/p>\n<p>Zu dieser Zeit war das Wochenbettfieber eine sehr h\u00e4ufige Todesursache in der Geb\u00e4rklinik. Etwa 15% der W\u00f6chnerinnen der Klinik starben damals im Wochenbett. Bekannt war auch, dass die Sterblichkeitsrate in der I. Klinik, in der Mediziner arbeiteten, wesentlich h\u00f6her war, als in der II. Klinik, in der die W\u00f6chnerinnen von Hebammen betreut wurden. Semmelweis kam aufgrund seiner Beobachtungen und pathologisch-anatomischen Untersuchungen zum Schluss, dass ein <em>\u201ezersetzter tierisch-organischer Stoff\u201c<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> an den H\u00e4nden der Geburtshelfer urs\u00e4chlich f\u00fcr die hohe Mortalit\u00e4t der W\u00f6chnerinnen sei. Ab Mai 1847 wies Semmelweis seine Studenten in der Klinik an sich ihre H\u00e4nde in einer Chlorkalkl\u00f6sung zu reinigen. Alle Instrumente, Sch\u00fcsseln und die W\u00e4sche der W\u00f6chnerinnen wurden auf \u00e4hnliche Weise desinfiziert. Der Erfolg der getroffen Ma\u00dfnahmen stellte sich umgehend ein: 1847 starben nur noch 5,04% und 1848 nur noch 1,1% der Entbundenen in der Ersten Geb\u00e4rklinik. Semmelweis erkannte bereits 1847 den Zusammenhang zwischen Kindbettfieber und Wundinfektionen. In seinem Hauptwerk von 1861 <em>Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers<\/em> schrieb er: <em>\u201eDer Tr\u00e4ger der zersetzten thierisch-organischen Stoffe ist der untersuchende Finger, die operierende Hand, Instrumente, Bettw\u00e4sche, die atmosph\u00e4rische Luft, Schw\u00e4mme, welche mit decomprimirten Excrementen schwer erkrankter W\u00f6chnerinnen oder anderer Kranken und hierauf wieder mit Kreissenden und Neuentbundenen in Ber\u00fchrung kommen, Leibsch\u00fcsseln, mit einem Worte Tr\u00e4ger des zersetzten thierisch-organischen Stoffes ist alles das, was mit einem zersetzten thierisch-organischen Stoffe verunreinigt ist, und mit den Genitalien der Individuen in Ber\u00fchrung kommt.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-27804\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/ABB-02_Semmelweis_Aetiologie.jpg\" alt=\"ABB-02_Semmelweis_Aetiologie\" width=\"450\" height=\"701\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/ABB-02_Semmelweis_Aetiologie.jpg 450w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/ABB-02_Semmelweis_Aetiologie-193x300.jpg 193w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p>Abb. 2&nbsp;&nbsp;&nbsp; Titelblatt: Semmelweis: Die Aetiologie [\u2026]. Pest: Hartleben 1861.<\/p>\n<p>Trotz dieses Erfolges wurden die Arbeiten von Iganz Semmelweis lange Zeit nicht anerkannt. Viele \u00c4rzte wollten nicht wahrhaben, dass sie selbst die Verursacher des Kindbettfiebers waren. Aufgrund von Anfeindungen und Intrigen seiner Kollegen wurde seine Assistenzstelle 1849 nicht verl\u00e4ngert. Semmelweis verlie\u00df daraufhin 1850 Wien und wurde 1851 Leiter der Geburtshilfeabteilung in Budapest und ab 1855 Professor f\u00fcr Geburtshilfe. Seinem 1861 erschienen Hauptwerk <em>\u201eDie Aetiologie [\u2026]\u201c<\/em> blieb ebenfalls der Erfolg verwehrt. Nur wenige \u00c4rzte, darunter die Wiener Mediziner <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=26903\">Ferdinand von Hebra (1816-1880)<\/a>, <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27323\">Joseph Skoda (1805-1881)<\/a> und <a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=21542\">Carl von Rokitansky (1804-1878)<\/a> setzten sich f\u00fcr Semmelweis ein. Semmelweis ging nun dazu \u00fcber die \u00c4rzteschaft in offenen Briefen anzugreifen. Er wurde von drei \u00c4rztekollegen im Juli 1865 ohne Diagnose in die Landesirrenanstalt D\u00f6bling eingeliefert. Einigen Quellen zufolge soll Semmelweis\u2018 Einlieferung auf eine Intrige zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Er hatte zuvor wiederholt versucht, seine Kollegen von der Richtigkeit seiner Erkenntnisse zu \u00fcberzeugen, dennoch war ihm wiederum fast nur Ablehnung entgegengebracht worden.<\/p>\n<p>Semmelweis starb in der Anstalt am 13. August 1865 \u2013 dem damaligen Obduktionsbericht zufolge \u2013 an einer durch eine kleine Schnittverletzung hervorgerufenen Blutvergiftung. Laut anderen Berichten sei er bei einem Kampf mit dem Anstaltspersonal zu Tode gekommen. Bei einer Exhumierung der sterblichen \u00dcberreste Semmelweis\u2018 1963 wurden multiple Frakturen an H\u00e4nden, Armen und am linken Brustkorb festgestellt. Ignaz Philipp Semmelweis hinterlie\u00df eine Frau und drei Kinder. Erst eine \u00c4rztegeneration sp\u00e4ter setzte sich die Umsetzung von Semmelweis\u2018 Hygienema\u00dfnahmen bei Frauen im Kindbett durch.<\/p>\n<p>Text: Harald Albrecht<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Durnov\u00e1, Anna: In den H\u00e4nden der \u00c4rzte. Ignaz Philipp Semmelweis. Pionier der Hygiene. St. P\u00f6lten, Salzburg und Wien: Residenz Verlag 2015.<\/p>\n<p>Semmelweis, Karl: Dr. Ignaz Philipp Semmelweis. Der Retter der M\u00fctter. Eisenstadt: Eigenverlag 2015.<\/p>\n<p>Nuland, Sherwin B.: The doctor\u2019s plague. Germs, childbed fever, and the strange story of Ign\u00e1c Semmelweis. New York und London: W.W. Norton &amp; Company 2003.<\/p>\n<p>Wyklicky, Helmut und Manfred Skopec: Iganz Philipp Semmelweis (1818-1865) als Prophet der Bakteriologie. Sonderdruck aus: Hygiene + Medizin. Wiesbaden: mph-Verlag 1983.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Wyklicky, Helmut und Manfred Skopec: Iganz Philipp Semmelweis (1818-1865) als Prophet der Bakteriologie. Sonderdruck aus: Hygiene + Medizin. Wiesbaden: mph-Verlag 1983. S. 396.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Semmelweis, Ignaz Philipp: Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers. Pest, Wien und Leipzig: C. A. Hartleben\u2019s Verlags-Expedition 1861. S. 103-104.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=%22Aus+den+medizinhistorischen+Best%C3%A4nden+der+Ub+MedUni+Wien%22\">Alle Beitr\u00e4ge der VS-Blog-Serie: Aus den medizinhistorischen Best\u00e4nden der Ub MedUni Wien\u2013&gt;<\/a><\/p>\n<p>Weitere Van Swieten Blog Beitr\u00e4ge:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=26903\">Ferdinand von Hebra (1816-1880)<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=21546\">Joseph Skoda (1805-1881)<br \/>\nMed. histor. Dissertation von Carl von Rokitansky (1804-1878)<br \/>\nMed. histor. Dissertation von Joseph Skoda (1805-1881)<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=22789\">Med. histor. Dissertation von Ferdinand von Hebra (1816-1880)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Semmelweis, Ignaz Philipp: Die Aetiologie, der Begriff und die Prophylaxis des Kindbettfiebers. Pest, Wien und Leipzig: C. A. Hartleben\u2019s Verlags-Expedition 1861. [Zweigbibliothek f\u00fcr Geschichte der Medizin\/Neuburger Bibliothek, Sign.: 1185] http:\/\/search.obvsg.at\/ Abb. 1&nbsp;&nbsp;&nbsp; Iganz Philipp Semmelweis Ignaz Philipp Semmelweis (*01.07.1818 Ofen (Budapest), gest. 13.08.1865 Wien) stammte aus einer Budapester Kaufmannsfamilie. 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