{"id":27103,"date":"2017-03-10T07:16:21","date_gmt":"2017-03-10T06:16:21","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27103"},"modified":"2017-01-24T14:14:40","modified_gmt":"2017-01-24T13:14:40","slug":"gastautor-prof-dr-peter-heilig-accademia-di-fantasia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=27103","title":{"rendered":"Gastautor Prof. Dr. Peter Heilig:  ACCADEMIA  DI  FANTASIA"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<em>ACCADEMIA\u00a0 DI\u00a0 FANTASIA<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&#8211; suchst Du vergeblich, auch \u201e<em>im Land, wo die Zitronen bl\u00fchn\u201c<\/em>.<\/p>\n<p><strong><em>\u201eW\u00fcrden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene alles dem Menschen wie es ist, unendlich\u201c.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>William Blake. Die Pforten der Wahrnehmung<\/strong><\/p>\n<p>Dem &#8218;Wunder&#8217;* <strong><em>Kind<\/em><\/strong> werden m\u00e4rchenhafte Gaben in die Wiege gelegt, von zw\u00f6lf guten und einer dreizehnten, hinterh\u00e4ltigen Fee. Diese hat scheinbar zu oft das Sagen. Wie eine Spinne immobilisiert sie ihre Opfer..<\/p>\n<p>Die Phantasie\u00a0 (\u03c6\u03b1\u03bd\u03c4\u03b1\u03c3\u03af\u03b1: <em>phantasia<\/em>, sichtbar machen) kann aus Kokons, aus meist selbstgewobenen, auch aus K\u00e4figen (aus selbstgeschmiedeten) leicht ausbrechen. Unsere Tr\u00e4ume schweben uns voraus, Ideen, Pl\u00e4ne.. Wann auch immer sie erkennbar, &#8217;sichtbar&#8216; werden, dann lassen sie sich mit ein bisschen Gl\u00fcck vielleicht verwirklichen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-27107\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Kekul\u00e9.jpg\" alt=\"Kekul\u00e9\" width=\"350\" height=\"336\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Kekul\u00e9.jpg 350w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Kekul\u00e9-300x288.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n<p>&#8222;Lernen wir tr\u00e4umen, meine Herren, dann finden wir vielleicht die Wahrheit &#8211; aber h\u00fcten wir uns davor unsere Tr\u00e4ume zu ver\u00f6ffentlichen, ehe sie durch den wachen Verstand gepr\u00fcft worden sind.&#8220; (Kekul\u00e9 1890, 25j. Benzol-Fest) Von einem uralten Alchemisten-Symbol, einer Schlange, hatte er getr\u00e4umt, welche sich in den Schwanz bei\u00dft: Ouroburos, &#8218;Schwanz-Verzehrer&#8216;. Das Traum-Molek\u00fcl wurde &#8217;sichtbar&#8216;, real war es seit jeher. Die Intuition, losgel\u00f6st von komplizierten, oft festgefahrenen Gedankeng\u00e4ngen und der Betriebs-Blindheit, kreierte ein Bild des Benzolringes, als Eingebung, als &#8218;Wissen von innen&#8216;.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-27106\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Archimedes2.jpg\" alt=\"Archimedes2\" width=\"400\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Archimedes2.jpg 400w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Archimedes2-300x224.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>Vielleicht lie\u00df sich Archimedes, entspannt im Wasser seiner Badewanne d\u00f6send, \u00e4hnlich inspirieren. Der Tyrann Hieron II wollte von ihm wissen, ob betr\u00fcgerische Goldschmiede anstelle reinen Goldes weniger wertvolle Legierungen mit unedlerem (leichterem) Metall geliefert hatten. Vitruvius, ein r\u00f6mischer Schriftsteller, dichtete zweihundert Jahre sp\u00e4ter die Moritat von diesem <em>Mathematikos<\/em>, der &#8222;Heureka&#8220; rufend durch Syracus flitzte. Denn das <em>&#8218;Archimedische Prinzip&#8216;<\/em> war aus der Taufe gehoben worden.<\/p>\n<p>Was st\u00fcnde im Vorlesungsverzeichnis einer <em>ACCADEMIA\u00a0 DI\u00a0 FANTASIA <\/em>? Fiktiv w\u00e4re sie, nicht zu verwechseln mit <em>virtuell<\/em>. Nicht eingezw\u00e4ngt und beschr\u00e4nkt\u00a0 &#8211; auf den Raum zwischen Null und Eins. Grenzenlos frei, \u00fcber Horizonte hinweg, lustvoll spielerisch.<\/p>\n<p><em>&#8222;Der Mensch, &#8211; er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt<\/em> &#8220;<\/p>\n<p>(\u00dcber die aesthetische Erziehung des Menschen, Friedrich Schiller).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-27105\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Archimedes1.jpg\" alt=\"Archimedes1\" width=\"350\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Archimedes1.jpg 350w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Archimedes1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n<p>Nein, Computer\/Video-Spiele sind nicht gemeint. Zwar wurde \u00fcber deren positive Einfl\u00fcsse auf die Feinmotorik berichtet, auch \u00fcber bessere Orientierung, Ged\u00e4chtnis-Leistung und\u00a0 taktisch\/strategisch geschickteres Verhalten.<\/p>\n<p>Jedoch Schlaf- und Konzentrations- St\u00f6rungen, Bewegungsmangel, Haltungssch\u00e4den, Obesitas, Karpaltunnel-Syndrom, Repetitive Strain Injury (RSI), Nervosit\u00e4t, Leistungs-Abfall, &#8218;Gaming-Sickness&#8216;, Sehst\u00f6rungen, Killerspiel-Nebenwirkungen (s. BdP) w\u00e4ren die Kehrseite der Medaille als\u00a0 Folge exzessiven PC-Gamings \u2013 an der Grenze zur Sucht.<\/p>\n<p>Zu &#8218;Sitzlingen&#8216; (B. L\u00f6tsch) werden unsere hoffnungsvoll-aktiven Spr\u00f6sslinge &#8218;erzogen&#8216; und eingeschr\u00e4nkt in manchem &#8218;Freiheitsgrad der Bewegung&#8216;, sogar spirituell. Allmorgendlich zu fr\u00fch geweckt (s. Chronobiologie\/&#8217;Chronodisruption&#8216;), sind sie <em>&#8218;out of time&#8216;, &#8218;out of clock&#8216;<\/em>.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-27109\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Broca.jpg\" alt=\"Broca\" width=\"350\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Broca.jpg 350w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Broca-300x279.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n<p>Louis Armstrong unterbrach einmal und meinte mit breitem Grinsen, entwaffnend : <em>&#8222;Sorry, fellas, you are clapping on the wrong beat&#8220; <\/em>(Freunde, tut mir leid, aber ihr klatscht im falschen Takt).&#8220; Der gl\u00fcckselige &#8218;Flow&#8216; eines Mihaly Csikszentmihalyi gelingt durch <em>Synchronisierung\/<\/em>Resonanz &#8211; im Gleichklang mit dem inneren Rhythmus und\u00a0 Takt.<\/p>\n<p>Im alten Wiener Wurstelprater gab es die &#8218;Rundschaukel&#8216;. Wer nicht im Takt war, schaffte es nicht. Schwung holen, jeweils genau im richtigen Moment, lie\u00dfen jugendliche Kavaliere und M\u00e4dchen die Schwerkraft vergessen (ohne Schubser eines &#8218;Hutsch&#8217;nschleuderers&#8216;).<\/p>\n<p>Aus dem fiktiven Vorlesungsverzeichnis obengenannter ACCADEMIA: Laterales Denken,\u00a0 (Edward de Bonos &#8218;Denk-H\u00fcte&#8216;), Nichtlineares, parallel Innovatives, unkonventionell\u00a0 Kreatives; Perspektiv-Wechsel, ungew\u00f6hnliche neue Blickwinkel, Bewegen au\u00dferhalb ausgetretener Pfade, weg vom Mainstream. Dazu: &#8222;Ideas that were once controversial have now become <em>mainstreamed\u201c <\/em><em>:<\/em><em> K<\/em>ontroversiell Strittiges wird nun zum akzeptierten Allgemeingut. <em>(Defin. Merriam Webster)<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-27108\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Archimedes3.jpg\" alt=\"Archimedes3\" width=\"350\" height=\"441\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Archimedes3.jpg 350w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Archimedes3-238x300.jpg 238w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Phantasie ist nicht den Tr\u00e4umern und Phantasten reserviert. Ein Qu\u00e4ntchen Phantasie ist unverzichtbar f\u00fcr das unerl\u00e4ssliche &#8218;<em>Gedanken zu Ende denken&#8216;<\/em> \u2013 f\u00fcr n\u00fcchternes Erw\u00e4gen aller, auch ausgefallener M\u00f6glichkeiten. Die Erben der Kreuzritter, Waffen-Lieferanten,\u00a0 Kriegstreiber <strong><em>w\u00fcssten<\/em><\/strong> alle um Akut- und Folgesch\u00e4den (&#8222;<em>im Bauch wei\u00df es jeder&#8220; <\/em>(Axel Corti)). Unkraut-Entlaubungs-Designer w\u00fcrden sich nicht mehr gro\u00df wundern \u00fcber den Nachweis ihrer &#8218;harmlos-ungiftigen&#8216; Chemikalie im Bier, dummerweise auch im eigenen. Einige Ideologen d\u00e4chten vielleicht \u00fcber die verzwickte Philosophie ihres &#8218;dialektischen \u00dcberbaus&#8216; nach. Und &#8211; <em>&#8222;Auslosen statt w\u00e4hlen-<\/em> so will van Reybrouck das politische System revolutionieren&#8220;. Kritische Wirtschaft-Wissenschaftler (<em>&#8222;\u00d6konomie ist keine Wissenschaft<\/em>&#8222;, Mathematiker Claus Peter Ortlieb) wirkten dann doch etwas verst\u00f6rt.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-27110\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Archimedes.jpg\" alt=\"Archimedes\" width=\"350\" height=\"253\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Archimedes.jpg 350w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Archimedes-300x217.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/p>\n<p>David Hume postulierte: Ideen seien Widerspiegelungen der Wirklichkeit \u2013\u00a0 theoretisch denkbar, doch bitte nicht Bilder dieser aus den Fugen geratenen Realit\u00e4t. Ideen anderer, kreativer Art braucht dieser Planet dringend, Ideen aus dem &#8218;Gl\u00fcckshorn&#8216; sch\u00f6pferischer Phantasie. Nicht aus dem Horn <em>Cornucopia,<\/em> dem Horn des \u00dcberflusses, eher aus <em>Gabriels Horn<\/em> (<em>Toricelli&#8217;s Trumpet, besser Posaune<\/em>), einem\u00a0 faszinierenden Konstrukt aus der Theoretischen Geometrie, welches nur endliche F\u00fcllmengen zul\u00e4sst, aber doch mit der Unendlichkeit assoziiert wird. Unendliche Entfaltungs-M\u00f6glichkeiten und dennoch endlich begrenzte (\u00fcberschaubare) Mengen \u2013 dann w\u00e4re \u00dcberfluss unm\u00f6glich &#8211; eine\u00a0 Metapher.<\/p>\n<p><strong>Epilog:<\/strong> <em>&#8222;Die Phantasie geh\u00f6rt an die Macht. Wenn die Phantasie eines Tages an der\u00a0 <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Macht ist, dann wird die Welt unendlich viel reizvoller sein&#8220;.\u00a0\u00a0 Leopold Ungar.<\/em><\/p>\n<p>Mihaly Csikszentmihalyi (2010) <em>Flow, der Weg zum Gl\u00fcck. Der Entdecker des Flow-Prinzips erkl\u00e4rt seine Lebensphilosophie<\/em>, Herder spektrum Band 6067, Ingeborg Sz\u00f6ll\u00f6si (Hrsg.)<\/p>\n<p>Brian\u00a0 Clegg. Eine kleine Geschichte der Unendlichkeit. Rowohlt e-book<\/p>\n<p>Hume D (1978) A treatise of human nature. Clarendon Press<\/p>\n<p>ad &#8218;Wunder&#8216; (Kind): kein anderer Begriff w\u00e4re treffender..<\/p>\n<p>ad Feinmotorik: die der Daumen wilder SMS-Schreiber (zB): hypertrophe Daumen, repr\u00e4sentiert im motorischen Homunculus (Penfield) des Gyrus Praecentralis (Abb)<\/p>\n<p>Gender: beyond<\/p>\n<p>*********************************************************<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/EINLADUNG.pdf\">EINLADUNG\u2013&gt;<\/a><\/p>\n<p>Diese\u00a0 Wirklichkeit \u2013 und andere..<\/p>\n<p>Erfahrenes und Erlesenes, vorgetragen und interpretiert<br \/>\nvon Mag. Katharina und Prof. Peter Heilig<\/p>\n<p>Au\u00dferdem: Ausstellung: \u201eSkizzen\u201c (ph: \u201aHafer-Stiche\u2018 \/ \u00dcberm\u00fctigkeiten).<\/p>\n<p><strong>ZEIT: Mittwoch, 29.3.2017,19 Uhr,<\/strong><\/p>\n<p><strong>ORT: Otto-Mauer-Zentrum, (Halbstock links; Lift).<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>W\u00e4hringer Stra\u00dfe 2-4,<br \/>\nA-1090 Wien<\/strong><\/p>\n<p>************************************************************<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?s=heilig\"><u><span style=\"color: #0066cc;\">Weitere Artikel von Prof. Dr.Heilig\u2013&gt;<\/span><\/u><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0ACCADEMIA\u00a0 DI\u00a0 FANTASIA &#8211; suchst Du vergeblich, auch \u201eim Land, wo die Zitronen bl\u00fchn\u201c. \u201eW\u00fcrden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene alles dem Menschen wie es ist, unendlich\u201c. William Blake. Die Pforten der Wahrnehmung Dem &#8218;Wunder&#8217;* Kind werden m\u00e4rchenhafte Gaben in die Wiege gelegt, von zw\u00f6lf guten und einer dreizehnten, hinterh\u00e4ltigen Fee. 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