{"id":25475,"date":"2016-02-24T01:09:19","date_gmt":"2016-02-24T00:09:19","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=25475"},"modified":"2016-03-11T08:15:05","modified_gmt":"2016-03-11T07:15:05","slug":"1-weltkrieg-medizin-37-das-reservespital-nr-2-in-pardubitz-pardubice-in-boehmen-1914-1918-teil-5-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=25475","title":{"rendered":"&#8222;1. Weltkrieg &#038; Medizin&#8220; [37]: Der Arzt als &#8222;Moulageur&#8220; &#8211; Dr. Alphons (Alfons) Poller (1879-1930) im Ersten Weltkrieg 1914 &#8211; 1918,  Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Arzt als \u201eMoulageur\u201c &#8211; Dr. Alphons (Alfons) Poller (1879-1930) im Ersten Weltkrieg 1914 \u2013 1918\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Teil 1<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u201eMoulagen sind\u201c<\/em><\/strong> \u2013 nach Alphons Poller in einem Schreiben aus dem Jahre 1914 \u2013 <strong><em>\u201e vollst\u00e4ndig naturgetreue Nachbildungen von \u2013 (erkrankten menschlichen) \u2013 K\u00f6rperteilen in einer wachs\u00e4hnlichen Masse, so dass sie von der Wirklichkeit kaum unterschieden werden k\u00f6nnen. Sie unterscheiden sich von sog. \u201eWachspr\u00e4paraten\u201c dadurch, dass die Modelle nicht frei gebildet werden, sondern eine restlose Wiedergabe selbst der minuti\u00f6sesten Details \u2013 z. B. der Poren der Haut \u2013 des Vorbildes sind und dass die Gussmasse keine Wachs-, sondern eben eine eigene Moulagemasse von sehr gro\u00dfer H\u00e4rte und Widerstandsf\u00e4higkeit ist, die mit dem Fingernagel l\u00e4ngst nicht mehr geritzt werden kann.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Die Universit\u00e4ten, und vor allem die Wiener medizinische Fakult\u00e4t machen von diesem ausgezeichneten Lehrbehelf den ausgedehntesten Gebrauch. Die Kliniken besitzen gro\u00dfe wertvolle Moulage-Sammlungen aus dem Atelier eines eigenen Universit\u00e4ts-Moulagen-Instituts unter Leitung des Dr. Henning [<a href=\"https:\/\/www.wien.gv.at\/wiki\/index.php\/Karl_Henning\">https:\/\/www.wien.gv.at\/wiki\/index.php\/Karl_Henning<\/a><\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/www.wien.gv.at\/wiki\/index.php\/Karl_Henning%5d\">]<\/a><strong><em>.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<table bgcolor=\"#ffd966\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"768\">Zur Geschichte der <strong>Moulagenherstellung <\/strong>in Wien lesen Sie bitte:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.springermedizin.at\/artikel\/5667-krankheitsbilder-aus-wachs-altes-medizinisches-wien-100\"><br \/>\nhttp:\/\/www.springermedizin.at\/artikel\/5667-krankheitsbilder-aus-wachs-altes-medizinisches-wien-100<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Alphons (Alfons) Poller <strong>selbst<\/strong> lieferte im <strong>Jahr 1929<\/strong> in einer Mitteilung an den Herausgeber des Jahrbuchs der Wiener Gesellschaft zahlreiche <strong>autobiografische Details <\/strong>und zwar:<\/p>\n<p><strong><em>\u201eArzt, Schriftsteller, wurde am 31. August 1879 in Trautenau im Riesengebirge [<\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Trutnov\"><strong><em>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Trutnov<\/em><\/strong><\/a><strong><em>] geboren. Zun\u00e4chst f\u00fcr die milit\u00e4rische Laufbahn bestimmt, besuchte er die Realschule und dann die [Infanterie-]Kadettenschule in Triest [1875-1907], von der er 1898 als Kadetten-Offizier-Stellvertreter ausgemustert wurde. Schon im folgenden Jahre superarbitriert [= f\u00fcr dienstuntauglich erkl\u00e4rt], machte er dann die Gymnasialmatura in Br\u00fcnn und studierte danach an der Wiener Universit\u00e4t Philosophie und Medizin. Gleichzeitig betrieb er k\u00fcnstlerische Studien als Maler und Bildhauer. W\u00e4hrend seiner Studienzeit bet\u00e4tigte er sich zwei Jahre als Lektor an der Wiener Urania und ein Jahr als technischer Assistent des R\u00f6ntgenlaboratoriums Professor Holzknechts. [<\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Guido_Holzknecht\"><strong><em>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Guido_Holzknecht<\/em><\/strong><\/a><strong><em>] Nach seiner 1914 erfolgten Promotion [er promovierte an der Universit\u00e4t Wien am 19. Dezember 1914] zum Dr. med. erhielt er anfangs 1915 eine Berufung vom preu\u00dfischen Kriegsministerium an die Kaiser-Wilhelms-Akademie f\u00fcr das milit\u00e4r\u00e4rztliche Bildungswesen in Berlin, wo er dann als Vorstand des Moulagen-Laboratoriums der K.-W.-A. in Berlin, K\u00f6nigsberg und Aachen t\u00e4tig war. 1918 erfolgte seine Berufung an die medizinische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Wien als Vorstand des Universit\u00e4tsinstituts f\u00fcr darstellende Medizin mit Lehrauftrag des Unterrichtsministeriums. Diese Stellung legte er im Jahre 1925 nieder. In der Zwischenzeit war er bis 1921 auch Herausgeber und Schriftleiter der \u201eDeutschen Stimmen\u201c. In den Jahren 1925 und 1926 hielt er sich in London, Paris und Z\u00fcrich wegen Einrichtung der Fabrikation f\u00fcr seine Erfindungen, der zahn\u00e4rztlichen Abform-Masse \u201eDentocoll\u201c, ferner \u201eNegocoll\u201c, \u201eHominit\u201c, \u201eCeberit\u201c (= Celerit) usw. auf. Seit 1926 ist er fachtechnischer Konsulent der Abformabteilung des Erkennungsamtes der Polizeidirektion Wien. Dr. A. Poller hat auch ein Buch \u00fcber \u201eDas Abformen am lebenden und toten Menschen\u201c [<\/em><\/strong><a href=\"http:\/\/webapp.uibk.ac.at\/alo_cat\/card.jsp?id=11897370&amp;pos=18&amp;phys\"><strong><em>http:\/\/webapp.uibk.ac.at\/alo_cat\/card.jsp?id=11897370&amp;pos=18&amp;phys<\/em><\/strong><\/a><strong><em>=] geschrieben und sich als Mitarbeiter von in- und ausl\u00e4ndischen Zeitungen und Zeitschriften bet\u00e4tigt. Seit 1928 ist er wissenschaftlicher Vertreter und Verwaltungsrat der Apotela A.G. in Z\u00fcrich. \u2013 Seine Gattin Eugenia, geb. Coffee-Brown aus Hawkinsville in USA, ist als Konzerts\u00e4ngerin im Jahre 1910 zur weiteren Ausbildung nach Europa gekommen. Hier hat sie sich mit Dr. A. Poller verheiratet. Die an Kindesstatt angenommene Ziehtochter Lilly, geb. Fetscher, stammt aus W\u00fcrttemberg \u2013 Wohnung: XVIII, W\u00e4hringer Strasse Nr. 115. \u2013 Tel. A-21-505\u201c<br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Noch als Medizinstudent bot <strong>Alphons Poller<\/strong> seine Dienste bereits\u00a0Ende \u00a0<strong>August 1914<\/strong> \u2013 also <strong>4 Wochen nach Ausbruch<\/strong> des Krieges \u2013 dem k. u. k. Kriegsministerium in Wien an, indem er folgendes in einem Brief schrieb:<\/p>\n<p><strong><em>\u201eIch erlaube mir meine Dienste f\u00fcr Anfertigung von Moulagen kriegschirurgischer Natur anzubieten.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Ich bin Mediziner im 11. Semester, habe im vorigen Semester das Absolutorium erhalten und das ganze 2. Rigorosum abgelegt. Wenn die Kriegsereignisse es zulassen, beabsichtige ich im Herbste zu promovieren.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Ich wurde vor 3 Jahren zum <u>Demonstrator des Universit\u00e4t-Moulagen-Ateliers<\/u> bestellt und daher bin ich mit dem einschl\u00e4gigen Verfahren vollkommen vertraut. In j\u00fcngster Zeit habe ich einen Auftrag auf Herstellung einer Anzahl von Moulagen f\u00fcr die Hebammenanstalt in ZARA (unter Leitung des Herrn Professors STERMICH (Oberarzt Dr. Anton Ritter von Stermich (1863-1920), Professor der Geburtshilfe an der Hebammenlehranstalt in Zara [<\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zadar\"><strong><em>https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zadar<\/em><\/strong><\/a>]) <strong><em>nach Modellen der geburtshilflichen Klinik des Herrn Regierungsrates Professors Piska\u010dek\u00a0\u00a0 [<\/em><\/strong><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ludwig_Piska%C3%A7ek\"><strong><em>https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ludwig_Piska%C3%A7ek<\/em><\/strong><\/a><strong><em>] erhalten. Ich habe dies zum Anlasse genommen, eingehende Versuche und Studien zur Auffindung <u>einer eigenen, bedeutend verbesserten Positiv-Moulagemasse<\/u> zu machen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Diese Arbeiten haben das Ergebnis, da\u00df die jetzt von mir verwendete Masse <u>einen viel h\u00f6heren Schmelzpunkt<\/u> als die Dr. Hennings aufweist, so da\u00df sie <u>nicht<\/u> wie seine Pr\u00e4parate bei l\u00e4ngerem Liegen an der Sonne zulaufen k\u00f6nnen. Sie sind auch gegen viel h\u00f6here Temperaturen vollkommen resistent. Auch die H\u00e4rte ist gr\u00f6\u00dfer.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber meine Person wird gewi\u00df gerne der Pr\u00e4sident des obersten Sanit\u00e4tsrates, Herrenhausmitglied, Herr Hofrat <u>Professor Dr. Ernst LUDWIG<\/u> [<\/em><\/strong><a href=\"http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=oij&amp;datum=19151115&amp;seite=2&amp;zoom=33&amp;query=%22ernst%2Bludwig%22&amp;provider=P02&amp;ref=anno-search\"><strong><em>http:\/\/anno.onb.ac.at\/cgi-content\/anno?aid=oij&amp;datum=19151115&amp;seite=2&amp;zoom=33&amp;query=%22ernst%2Bludwig%22&amp;provider=P02&amp;ref=anno-search<\/em><\/strong><\/a>]<strong><em> , XIX Billrothstrasse 72, der mich pers\u00f6nlich sehr gut kennt, bereitwilligst Auskunft geben.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Ich bin selbstverst\u00e4ndlich bereit bei einer beliebig zu bestimmenden Gelegenheit Proben meines K\u00f6nnens abzulegen und die Arbeiten einer fachkritischen Beurteilung unterziehen zu lassen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Ich glaube, da\u00df in den Kriegslazaretten eine gro\u00dfe Zahl h\u00f6chst interessanter Krankheitsbilder, Verletzungen u.s.w. zu sehen sein wird, die sp\u00e4ter \u2013 eben weil der Krieg eine seltene Erscheinung ist \u2013 nie wieder den Augen des Studierenden zur Vorf\u00fchrung gebracht werden k\u00f6nnen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>W\u00e4hrend dem Studenten selbst seltene F\u00e4lle aus der allgemeinen menschlichen Pathologie an gro\u00dfen Universit\u00e4ten dennoch sehr oft gezeigt werden k\u00f6nnen, befindet sich der Milit\u00e4rarzt gerade auf einem f\u00fcr ihn sehr wichtigen Gebiete, der Kriegschirurgie, in keiner so gl\u00fccklichen Lage. Auf diesem Gebiete fehlt ihm beinahe jede unmittelbare Anschauung. Eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Zahl guter Moulagen, also vollst\u00e4ndig naturgetreuer plastischer Nachbildungen aus diesem gr\u00f6\u00dften Kriege aller Zeiten m\u00fc\u00dfte meines Erachtens eine h\u00f6chst wertvolle Sammlung f\u00fcr das Studium aller k\u00fcnftigen Milit\u00e4r\u00e4rzte bilden. Da die Originale beliebig oft copiert werden k\u00f6nnen, so k\u00f6nnten alle gr\u00f6\u00dferen Garnisonspit\u00e4ler mit einer ausgew\u00e4hlten Sammlung dieser Moulagen beteilt werden. Ebenso k\u00f6nnte die Heeresverwaltung diese ausgezeichneten Studienbehelfe an fremde Staaten zu Unterrichtszwecken verkaufen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Barbarische Verst\u00fcmmlungen, Wirkungen von Dum-Dum-Geschossen etc. k\u00f6nnen (als actenm\u00e4ssige Belege gewissermassen) in einwandfreier Naturtreue f\u00fcr ewige Zeiten dargestellt werden.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em><u>Schlie\u00dflich w\u00e4re eine solche Sammlung f\u00fcr die Nachkommen eine unersetzlich wertvolle Erinnerung, ein historisches Dokument allerersten Ranges.<\/u><\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Die Aufnahmen w\u00fcrden einerseits an <u>lebenden<\/u> Verletzten, anderseits an <u>Leichen<\/u> stattfinden. Die Leiche ist nat\u00fcrlich das g\u00fcnstigste Object, weil alle R\u00fccksichten auf Schmerzen, Infektion etc. wegfallen. <u>Diese<\/u> werden daher tunlichst als Modelle zu verwenden sein. Eventuell auch pathologisch-anatomische Pr\u00e4parate.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Die Verletzten m\u00fcssten m\u00f6glichst rasch nach der Verwundung zur Aufnahme gelangen, wenigstens in den F\u00e4llen, in denen sich nicht erst im Stadium der Nachbehandlung interessante Bilder ergeben.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Aus beiden folgt, dass die Moulagen im Allgemeinen m\u00f6glichst nahe der Schlachtlinie gemacht werden m\u00fcssten, weil nur dort sich wenig ver\u00e4nderte Bilder zeigen werden.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Andererseits aber nat\u00fcrlich erfordert die k\u00fcnstlerische Arbeit des Moulierens einen gewissen Grad der Ruhe und Ungest\u00f6rtheit und Voraussetzungen hinsichtlich der Arbeitsst\u00e4tte etc.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Man w\u00fcrde also das <u>richtige Mittel<\/u> w\u00e4hlen m\u00fcssen. Nahe genug der Front, um g\u00fcnstige <u>frische<\/u> F\u00e4lle zu bekommen und weit genug hinten, um ungest\u00f6rt arbeiten zu k\u00f6nnen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Vom chirurgischen Standpunkt kann, bei Beachtung aller Kautelen der Aseptik, selbst das Moulieren frischer Verwundungen als unbedenklich bezeichnet werden. Die Negativ-Abgussmasse ist n\u00e4mlich im Wesentlichen eine <u>Leimmasse<\/u>, die \u2013 wenn nur durch eine geeignete Kochvorrichtung die Wasserverdampfung hintangehalten wird \u2013 auch 24 Stunden und l\u00e4nger vor dem Gebrauche ununterbrochen gekocht werden und daher vollst\u00e4ndig keimfrei gemacht werden kann.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Sonst aber kommt mit dem Patienten <u>nichts<\/u> in directe Ber\u00fchrung. Die Leimmasse wird 1 bis 2 Grade \u00fcber der normalen K\u00f6rpertemperatur erw\u00e4rmt appliziert, enth\u00e4lt absolut keinerlei reizende Substanzen und ist nach dem Erstarren vollkommen weich und nachgiebig, klebt auch nicht im Geringsten, so dass Schmerzen, Verklebung etc. vollkommen ausgeschlossen sind. Die Applikation wird von Patienten im Gegenteile stets als eine milde, schmerzstillende Einh\u00fcllung empfunden. Ein Rasieren der Haare ist nicht notwendig, da ein Verkleben ausgeschlossen. Auch \u00fcberh\u00e4ngende R\u00e4nder werden hindernislos ausmodelliert.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Selbstverst\u00e4ndlich m\u00fcsste alles zur Verwendung kommende Material (Gaze, Watte etc.) steril sein und ebenso selbstverst\u00e4ndlich m\u00fcsste ich und mein Assistent beim Abformen des Negativs am Patienten nach allen Regeln moderner Aseptik und Antiseptik angehen, uns also an die f\u00fcr Operationen geltenden Vorschriften der Reinigung etc. halten.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Da ich sowohl die Zusammensetzung der Massen als auch das Verfahren nicht preisgeben kann, w\u00fcrde ich als Assistenten nur <u>meine Frau<\/u> beiziehen, die von mir sowohl in den technischen Teil vollkommen eingeweiht, als auch mit den medizinischen Erfordernissen vertraut gemacht ist. <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Die einfachsten Bedingungen w\u00fcrden sich wohl ergeben, wenn ich einem gro\u00dfen Spitale m\u00f6glichst nahe dem Kriegsschauplatze zugeteilt w\u00fcrde. <u>Ein<\/u> gen\u00fcgend gro\u00dfes Zimmer k\u00f6nnte dann als Atelier <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>und Material-Magazin, eventuell auch als Schlafraum dienen. Sollte zur Aufstellung zweier Betten kein Platz sein, so lie\u00dfe sich wohl privat eine st\u00e4ndige N\u00e4chtigungsstation finden. In diesem Falle w\u00fcrde ich Quartiergeld beanspruchen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Sollte das Moulage-Atelier aber als <u>ambulante Station<\/u> gedacht sein, so m\u00fc\u00dften entweder zwei entsprechend ger\u00e4umige Wagen (Automobile) beigestellt werden, von denen der eine als Arbeitsst\u00e4tte, der andere als Materialdepot und Schlafstelle Verwendung f\u00e4nde oder man w\u00fcrde die Dislokationsf\u00e4higkeit auf Eisenbahnlinien beschr\u00e4nken, in welchem Falle, wie ich glaube, <u>ein<\/u> Eisenbahnwaggon <u>beide<\/u> Wagen ersetzen w\u00fcrde. <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Ich bin auch bereit, falls die Heeresverwaltung es f\u00fcr w\u00fcnschenswert hielte \u2013 z. B. zum Vergleiche der Wirkung von Geschossen und Waffen verschiedener Staaten \u2013 mich auf den Kriegsschaupl\u00e4tzen unserer Verb\u00fcndeten verwenden zu lassen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Da ich auch <u>Zeichner und Maler und t\u00fcchtiger Amateurphotograph<\/u> bin und viele medizinische wissenschaftliche Arbeiten illustriert habe, ist es selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df ich auch diese F\u00e4higkeiten in den Dienst milit\u00e4rmedizinischer Forschung und Lehre stellen werde.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Res\u00fcmierend glaube ich meinen Vorschlag auf das eingehendste empfehlen zu k\u00f6nnen. Es wird kaum einen geben, der geeigneter f\u00fcr diese Aufgabe w\u00e4re als ich. Herr Dr. HENNING ist ein \u00e4lterer Mann, der mit R\u00fccksicht auf seine Familie sogar bei der j\u00fcngsten Blatternepidemie im S\u00fcden unserer Monarchie seine Teilnahme ablehnen mu\u00dfte.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Ich bin sein vollwertiger Sch\u00fcler, Mediziner, also nach der \u00e4rztlichen Seite hin geschult und zugleich K\u00fcnstler und bin mit Begeisterung \u2013 ebenso wie auch meine Frau \u2013 f\u00fcr den Gedanken erf\u00fcllt, bin bereit die voraussichtlichen Anstrengungen und Opfer der guten Sache wegen freudig auf mich zu nehmen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Ich bin \u00fcberzeugt, da\u00df eine solche Moulagen Sammlung nach authentischen F\u00e4llen dieses Weltkrieges einen unsch\u00e4tzbar hohen Wert in Zukunft erlangen m\u00fc\u00dfte, einen Wert, der jedenfalls die Kosten der Herstellung weit \u00fcbertr\u00e4fe.\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<table bgcolor=\"#ffd966\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"768\"><strong>Zur Geschichte der Moulagenbildnerei beachten Sie bitte:<\/strong><strong><strong><strong><strong><em>Internationale Tagung \u201eNaturgetreue Objekte\u201c? am 4. und 5. M\u00e4rz 2016 im Medizinhistorischen Museum Hamburg<\/em><\/strong><\/strong><\/strong><\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.uke.de\/dateien\/institute\/geschichte-und-ethik-der-medizin\/medizinhistorisches-museum\/pdf\/tagungsflyer-naturgetreue-objekte-web.pdf\">https:\/\/www.uke.de\/dateien\/institute\/geschichte-und-ethik-der-medizin\/medizinhistorisches-museum\/pdf\/tagungsflyer-naturgetreue-objekte-web.pdf<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Text:\u00a0 Dr. Reinhard Mundsch\u00fctz<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?cat=1153\"><u><span style=\"color: #0066cc;\">\u201c1. Weltkrieg &amp; Medizin\u201d \u2013&gt;alle Beitr\u00e4ge<\/span><\/u><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Arzt als \u201eMoulageur\u201c &#8211; Dr. Alphons (Alfons) Poller (1879-1930) im Ersten Weltkrieg 1914 \u2013 1918\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Teil 1 \u201eMoulagen sind\u201c \u2013 nach Alphons Poller in einem Schreiben aus dem Jahre 1914 \u2013 \u201e vollst\u00e4ndig naturgetreue Nachbildungen von \u2013 (erkrankten menschlichen) \u2013 K\u00f6rperteilen in einer wachs\u00e4hnlichen Masse, so dass sie von der Wirklichkeit kaum unterschieden werden &hellip; <a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=25475\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">&#8222;1. 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