{"id":24194,"date":"2016-06-25T01:07:29","date_gmt":"2016-06-25T00:07:29","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=24194"},"modified":"2016-07-21T11:11:29","modified_gmt":"2016-07-21T10:11:29","slug":"gastautor-prof-dr-hermann-aichmair-augen-amulette-brillen-optik-18-geschichte-der-brille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=24194","title":{"rendered":"Gastautor: Prof. Dr. Hermann AICHMAIR: Augen &#8211;  Amulette, Brillen, Optik [18]: Geschichte der Brille"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-25991\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Deocolis.gif\" alt=\"Deocolis\" width=\"377\" height=\"212\" \/><br \/>\n<\/strong><strong>Gastautor: Prof. Dr. Hermann AICHMAIR: Augen -Amulette, Brillen, Optik [18]: Geschichte der Brille<br \/>\n<\/strong><br \/>\nAb 1500 gibt es sehr viele Darstellungen von Brillen. Es sollen hier nur einige erw\u00e4hnt werden, weil sie sich in \u00f6sterreichischen Museen oder Galerien befinden, oder weil sie in Ausstellungen, die in den letzten Jahren in Wien zu sehen\u00a0waren, gefunden wurden. Ein Beispiel ist ein Holzschnitt von Albrecht D\u00fcrer \u00a0(1507) in der Albertina, aus dem Zyklus Marienleben: \u201eDer zw\u00f6lfj\u00e4hrige Jesus \u00a0im Tempel&#8220;, auf dem einer der Gelehrten eine Nietbrille tr\u00e4gt. D\u00fcrer hat auch einige Bilder gemalt, wo gleichfalls Brillen dargestellt sind.<br \/>\nIm Kunsthistorischen Museum fanden sich in der Ausstellung \u201e Von Bruegel bis Rubens&#8220; ein Bild von Joos van Craesbeeck (1652- 1662): \u201eDer Tod ist grell und schnell&#8220; (Kneipenkrach). Vor einer Kneipe liegt neben einem umgefallenen Tisch und allerlei Hausrat ein leichenblasser junger Mann blutend auf dem Boden. Links vermutlich der M\u00f6rder, umringt von einer Menge drohender Bauern. Auf einem Stein unten rechts steht geschrieben:<br \/>\n\u201eDer Tod ist grimmig und schnell, h\u00fctet euch vor S\u00fcnden, so tut ihr gut und wolltet niemandem schaden. Da\u00df Gott es Euch nicht sp\u00fcren l\u00e4\u00dft und nehmet niemandem das Seine, so behaltet ihr das Eurige.&#8220;<br \/>\nAuf den Gl\u00e4sern einer gro\u00dfen Brille steht zu lesen: \u201e Ten is myn schuld niet dat den mensch niet beteren siet&#8220; [= Es ist nicht meine Schuld, dass der Mensch nicht besser sehen kann].<br \/>\nFerner fanden sich ein Bild von Jakob Jordaens (1593-1678) \u201e Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen&#8220; (zwischen 1638-1640), wo der Alte in der Mitte des Bildes eine B\u00fcgelbrille tr\u00e4gt, und eines von Theodor Rombouts (1597-1637): \u201eKartenspieler&#8220; (1628-1632), das eine Gesellschaft von vier M\u00e4nnern und einer alten Frau zeigt, die rund um einen Tisch versammelt sind. Zwei Soldaten spielen offensichtlich mit hohen Eins\u00e4tzen Karten, w\u00e4hrend der alte Mann rechts gespannt durch seine B\u00fcgelbrille dem Fortgang des Spieles folgt.<br \/>\nWeiters sah man einen Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert mit einer Brille und dem Titel \u201eDurchhin auf etwas anderes&#8220;, ebenso Bilder von Pieter Breughel dem \u00c4lteren ( 1525-1569) \u201eZwischen Carneval und Fasten&#8220;, das einen Narren mit einer Phantasiebrille zeigt, sowie \u201eChristus unter den Schriftgelehrten&#8220; (1630-1635) aus dem Umkreis von Jusepe de Ribera, auf dem ein alter Mann mit Einglas zu sehen ist.<br \/>\nEine sehr sch\u00f6ne Darstellung einer Brille zeigt auch ein Bild von Jan van Ossenbeck (1624-1674), der in Rotterdam geboren wurde und sich 1659 in Wien niederlie\u00df. In der Galerie Harrach ist sein Bilderzyklus \u201eDie f\u00fcnf Sinne&#8220; gehangen, wo der Gesichtsinn durch einen federspitzenden Schreiber mit Brille verk\u00f6rpert wird.<br \/>\nAls letztes der bildlichen Darstellungen m\u00f6chte ich einen Freskenzyklus des Christian Wink aus dem Schloss Zell an der Pram (1771-1772) anf\u00fchren. Der bayrische Hofmaler hat im Schloss einige Jahre, bevor das lnnviertel wieder \u00f6sterreichisch wurde, gemalt. Vom gro\u00dfen Saal aus sind die Deckengem\u00e4lde der beiden Galerien sichtbar. In der ostw\u00e4rtigen Galerie werden die f\u00fcnf Sinne dargestellt. Der \u201eGesichtssinn&#8220; wird nicht mythologisch gedeutet, sondern mittels Instrumenten anschaulich gemacht &#8211; man sieht\u00a0 zwischen zwei Putten, die sich um das astronomische Fernrohr bem\u00fchen, einen Zwicker bzw. eine Lederbrille.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-medium wp-image-24197 alignleft\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Porzellan-162x300.jpg\" alt=\"Porzellan\" width=\"162\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Porzellan-162x300.jpg 162w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Porzellan.jpg 367w\" sizes=\"auto, (max-width: 162px) 100vw, 162px\" \/>Als plastische Darstellung von Brillen bietet sich vorerst die Brillenverk\u00e4uferin der Porzellan-Manufaktur Augarten an, Kaufruf-Figur, zwischen 1740-1780. Diese Darstellung war sehr beliebt und findet sich schon sehr fr\u00fch, wie z. B. auf einem Bild des Jakob Cornelius von Amsterdam (1511); man kann sich gut vorstellen, wie damals Brillen verkauft wurden.<br \/>\nWeiters seien Lebzeltmodel mit Brillendarstellungen erw\u00e4hnt sowie als Kuriosum ein Wasserspeier der Votivkirche in Wien (erbaut 1856-1879), den der Steinmetz mit einer Brille gestaltet hat.<br \/>\nEs gab schon in der Gotik Bildhauer, die sich bei ihren Kunstwerken verewigt hatten, wie z. B. Meister Pilgram bei der Kanzel im Wiener Stephansdom. Der Gedanke, dass sich dieser Brauch bis zur Neugotik erhalten hat, war naheliegend, insbesondere deshalb, da sich auch der Erbauer der Votivkirche, Architekt Ferstl, unterhalb der Kanzel, zwar sehr versteckt, aber doch gut erkennbar, bildlich darstellen lie\u00df.<br \/>\nDer Bildhauer Johann Fessler erhielt am 21.5.1858 den Auftrag, s\u00e4mtliche Wasserspeier der Votivkirche zu errichten und blieb bis 1871 fest beim Bau dieser Kirche besch\u00e4ftigt. Man kann daher mit einiger Sicherheit annehmen, dass er sich bei der Gestaltung dieses Wasserspeiers selbst verewigt hat.<br \/>\nMusiker zeichneten eine Brille vor einen Takt, um auf die Schwierigkeiten einer Passage hinzuweisen.<br \/>\nEbenso findet sich in Computerprogrammen eine Brille, um einen Merksatz besonders hervorzuheben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-24198\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Lebzelte-300x170.jpg\" alt=\"Lebzelte\" width=\"300\" height=\"170\" srcset=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Lebzelte-300x170.jpg 300w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Lebzelte-800x452.jpg 800w, https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Lebzelte.jpg 835w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><br \/>\nLebzeltmodel aus der letzten Lebzelterei Wien in der Schattenfeldgasse, Wien 7\u201e um 1900.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?cat=1221\">Alle Beitr\u00e4ge&#8211;&gt;Augenheilkunde<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Text: Hermann AICHMAIR, MEIDLING BL\u00c4TTER DES BEZIRKSMUSEUMS, Heft 59, 2003<br \/>\nFotos: Sammlung Hermann Aichmair Bezirksmuseum Meidling<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastautor: Prof. Dr. Hermann AICHMAIR: Augen -Amulette, Brillen, Optik [18]: Geschichte der Brille Ab 1500 gibt es sehr viele Darstellungen von Brillen. 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