{"id":1416,"date":"2009-02-26T08:00:40","date_gmt":"2009-02-26T07:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=1416"},"modified":"2009-03-03T11:49:49","modified_gmt":"2009-03-03T10:49:49","slug":"neuer-gastautor-univ-prof-drmed-dr-med-hc-heinz-flamm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=1416","title":{"rendered":"Neuer Gastautor: Univ.-Prof. Dr.med. Dr. med. h.c. Heinz FLAMM"},"content":{"rendered":"<p><strong>Liebe LeserInnen des Van Swieten Blogs !<\/strong><\/p>\n<p>Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. h.c. Heinz FLAMM, langj\u00e4hriger Leiter des Instituts f\u00fcr Hygiene, hat sich bereit erkl\u00e4rt, als Gastautor im Van Swieten Blog von seinen medizinhistorischen Studien zu berichten.<\/p>\n<blockquote><p><a href=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/portrait-heinz-flamm.jpg\" title=\"portrait-heinz-flamm.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/portrait-heinz-flamm.thumbnail.jpg\" alt=\"portrait-heinz-flamm.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>\u00dcber Univ. Prof. Dr. med Dr. med. h.c. Heinz FLAMM<\/strong><\/p>\n<p>Heinz Flamm wurde am 3. Juli 1929 in Wien geboren. Schon w\u00e4hrend seines Medizinstudiums in Wien, das er im Juni 1953 abschlo\u00df, famulierte er f\u00fcnf Sommer lang auf der Prosektur des Kaiserin-Elisabeth-Spitals in Wien bei der Pathologin tit. o. Univ.-Prof. Dr. Carmen Coronini, bei der er die Grundkenntnisse der Bakteriologie und Patho-Histologie erwarb. 1952 wurde er vom Vorstand des Hygiene-Instituts der Universit\u00e4t wien, dem Virologen o. Univ.-Prof. Dr. Richard Bieling, auf einem soeben frei gewordenen Dienstposten mit der Aufgabe neben dem Aufbau der rudiment\u00e4ren bakteriologischen Abteilung wissenschaftlich die kaum erforschten angeborenen Infektionen zu bearbeiten .<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAuf bakteriologischem Gebiet gelang Flamm 1954 der Nachweis von Listeriose in \u00d6sterreich, also zwei Jahre nach der Erstbeschreibung in der DDR und ein Jahr nach dem Erstfund in der BRD. Er f\u00fchrte ausgedehnte Untersuchungen \u00fcber diese Krankheit durch. Die mikrobiologischen Untersuchungen von einigen hundert menschlichen Feten wie auch experimentelle Infektionen von M\u00e4usen und Kaninchen in verschiedenen Stadien der Gravidit\u00e4t waren die Grundlage f\u00fcr die Habilitation im Februar 1959 mit dem Buch &#8222;Die angeborenen Infektionen des Menschen mit besonderer Ber\u00fccksichtigung von Pathogenese und Immunologie&#8220;.<\/p>\n<p>In der Folge stellten Versuche an Kaninchen den \u00dcbertritt von injizierten Viren und Eiwei\u00dfstoffen auf die j\u00fcngsten Entwicklungsstadien, die Blastozysten, fest. Dem schlossen sich fast automatisch Untersuchungen des Ph\u00e4nomens der Immuntoleranz an. Flamm war der erste, der Immuntoleranz gegen bakterielle Infektionen im Tierversuch zeigen konnte. Nebenbei wurde auch die Toleranz von Hauttransplantaten unter Einwirkung von Stoffwechselhemmern untersucht.<\/p>\n<p>Auf Grund seiner Untersuchungen wurde er 1966 in die USA zu The President\u2019s  Conference on the Prevention of Mental Retardation through Control of Infectious Diseases eingeladen, um \u00fcber &#8222;Some considerations concerning the pathogenesis of prenatal infections&#8220; zu berichten.<\/p>\n<p>Als Kr\u00f6nung seiner Forschungen \u00fcber pr\u00e4natale Infektionen plante die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina anl\u00e4\u00dflich des 70. Geburtstages von Flamm das zweit\u00e4gige Symposium &#8222;Pr\u00e4natale, perinatale und neonatale Infektionen&#8220;, das aber aus \u00e4u\u00dferen Gr\u00fcnden erst im September 2002 in den R\u00e4umen des Chorherrenstiftes Klosterneuburg stattfinden konnte.<\/p>\n<p>In der akademischen Laufbahn folgte sechs Jahre nach der Habilitation die Verleihung des Titels eines a.o. Univ.-Professors. Das Professorenkollegium der Wiener medizinischen Fakult\u00e4t hatte sich dazu nicht zuletzt deswegen entschlossen, weil Flamm, angeregt durch Publikationen aus England, wohl als einer der ersten in Mitteleuropa an seiner bakteriologischen Abteilung Untersuchungen \u00fcber Probleme der Krankenhaus-Hygiene begonnen hatte..<\/p>\n<p>Nach dem Tod von Bielings Nachfolger, dem Virologen o. Univ.-Prof. Dr. Hans Moritsch, 1965 wurde Heinz Flamm im November 1966 zum o. Univ.-Professor ernannt und zum Institutsvorstand bestellt.<br \/>\nDen in seiner Antrittsvorlesung angek\u00fcndigten Ausbau des Faches Hygiene in Lehre, Forschung und praktischer Anwendung f\u00fchrte Flamm in den folgenden Jahren konsequent durch. Als Voraussetzung daf\u00fcr erreichte er die Gr\u00fcndung der Ordinariate mit eigenen Instituten f\u00fcr Umwelt-Hygiene (1970), Virologie (1971), Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin (1974) und Sozialmedizin (1983) sowie der Extraordinariate f\u00fcr Wasser- und Lebensmittel-Hygiene (1977), Parasitologie (1977), Bakteriologie (1979) und Krankenhaus-Hygiene (realisiert erst 1994 nach seinem Ausscheiden).<\/p>\n<p>Als die \u00f6sterreichische Bundesregierung ein Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit und Umweltschutz beschlossen hatte, war Flamm Berater w\u00e4hrend dessen Errichtung und erstattete am 1. Oktober 1970 das Grundsatzreferat f\u00fcr das zu bildende Interministerielle Komitee f\u00fcr Umweltschutz. Er verwendete dabei auch den von ihm bereits vorher eingef\u00fchrten, jedoch von manchen als \u00fcberfl\u00fcssig bezeichneten Begriff der &#8222;Umwelthygiene&#8220;. Nach der Gr\u00fcndung des Ministeriums \u00fcbernahm er die Vorsitze von dessen Wissenschaftlichem Beirat f\u00fcr Umwelt-Hygiene (sp\u00e4ter: Umwelt- Schutz) und des Fachbeirats des das Ministerium beratenden \u00d6sterreichischen Bundesinstituts f\u00fcr Gesundheitswesen.<\/p>\n<p>Flamm war das &#8222;\u00f6ffentliche Gesundheitswesen&#8220;, das in der MUW als &#8222;Public Health&#8220; bezeichnet wird, das Hauptanliegen seiner wissenschaftlichen und praktischen Arbeit als Hygieniker. Daher war es f\u00fcr ihn selbstverst\u00e4ndlich, in wichtigen die Volksgesundheit betreffenden Gremien pers\u00f6nlich mitzuarbeiten. Es waren dies der Fachbeirat f\u00fcr Stadtplanung der Stadt Wien (1965 \u2013 1976), der Oberste Sanit\u00e4tsrat (1967 \u2013 1991), die Arzneibuch-Kommission (1967 \u2013 1986), der Landessanit\u00e4tsrat f\u00fcr Nieder\u00f6sterreich (1968 \u2013 1996), die Codex-Kommission \/ \u00d6sterreichisches Lebenmittelbuch (1968 \u2013 1991), der Wissenschaftliche Beirat f\u00fcr Umweltschutz (1972 \u2013 1991), der Fachbeirat des \u00d6sterreichisches Bundesinstituts f\u00fcr Gesundheitswesen (1973 \u2013 1991), der Arzneimittelbeirat des Bundesministeriums f\u00fcr Gesundheit und Umweltschutz (1985 \u2013 1991) und das Kuratorium der Nieder\u00f6sterreichischen Landesakademie (1996 \u2013 2008 als Kurator f\u00fcr Soziales und Gesundheit).<\/p>\n<p>Auf internationalem Gebiet war Heinz Flamm weiters Mitglied des Executiv-Rates der Weltgesundheits-Organisation (WHO) in der Periode 1971 \u2013 1973, Mitglied der Dreier-Kommission der WHO zur Errichtung eines neuen Hauptquartiers in Genf und 1977 Mitglied der Internationalen WHO-Kommission f\u00fcr die Pocken-Frei-Erkl\u00e4rung von Indien, Nepal, Bhutan und Sikkim (verantwortlich f\u00fcr die Bereiche New Delhi, Kashmir &amp; Jammu und Ost-Uttar Pradesh) sowie \u00f6fters Temporary Adviser. Beim Europarat war er Vorsitzender der Kommission f\u00fcr Laboratorien.<\/p>\n<p>Flamm betrachtete auch die von ihm begr\u00fcndete und mit seinen Mitarbeitern intensiv betriebene Krankenhaus-Hygiene stets im Rahmen der Arbeiten f\u00fcr das \u00f6ffentliche Gesundheitswesen. So war er bem\u00fcht, die Krankenhaus-Hygiene auch gesetzlich festzuschreiben. Nachdem es 1974 gelungen war, dies in der 2. Krankenanstaltengesetz-Novelle zu verankern, war die Ausbildung der Krankenhaus-Hygieniker, der hygiene-beauftragten \u00c4rzte und der Hygiene-Schwestern vordringlich. Flamm organisierte mit seinen Mitarbeitern fortlaufende Ausbildungskurse und verfa\u00dfte mit ihnen 1986 das Buch &#8222;Angewandte Hygiene in Krankenhaus und Arztpraxis&#8220;, dessen 5. Auflage zur Zeit bearbeitet wird.<\/p>\n<p>Im Rahmen der F\u00f6rderung des \u00f6ffentlichen Gesundheitswesens erschien die Verbesserung der Aus- und Fortbildung des Krankenpflegepersonals auch sehr wichtig. Flamm nahm daher die diesbez\u00fcgliche Bitte der Bundesministerin f\u00fcr soziale Verwaltung gerne auf, mit einer Krankenpflegedirektorin Vorarbeiten f\u00fcr die Novelierung des Krankenpflegewesens zu \u00fcbernehmen. Die beiden gr\u00fcndeten die &#8222;Akademie f\u00fcr die h\u00f6here Fortbildung in der Pflege&#8220;, die seit 1981 Universit\u00e4tslehrg\u00e4nge f\u00fchrt und seit 1996 eine Abteilung der Nieder\u00f6sterreichischen Landesakademie ist. Die im Laufe der Jahre gut eingef\u00fchrten Lehrkurse und Universit\u00e4tslehrg\u00e4nge werden von der MUW gemeinsam mit der N\u00d6 Landesakademie als Universit\u00e4tslehrg\u00e4nge f\u00fcr Pflegep\u00e4dagogik und f\u00fcr Pflegemanagement gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die wissenschaftliche Arbeit Flamms auf den Gebieten der pr\u00e4natalen Infektionen, der Krankenhaus-Hygiene und des \u00f6ffentlichen Gesundheitswesens wurde 1974 durch die Wahl zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und 1989 durch die Verleihung des Ehrendoktorates der Universit\u00e4t Rostock anerkannt. Im Jahr 2001 wurde ihm von der Rudolf-Sch\u00fclke-Stiftung in Hamburg die Hygieia-Medaille f\u00fcr das &#8222;Lebenswerk als Wegbereiter der modernen Krankenhaushygiene&#8220; \u00fcberreicht. Er war Korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft f\u00fcr Mikrobiologie und Epidemiologie der DDR und ist Ehrenmitglied von sieben wissenschaftlichen Gesellschaften.<br \/>\nIn diesem Sinne sind auch einige Ehrenzeichen zu rechnen, darunter das Silberne Komturkreuz des Bundeslandes Nieder\u00f6sterreich (1992) und das \u00d6sterreichische Ehrenkreuz f\u00fcr Wissenschaft und Kunst I. Klasse (1994).<\/p>\n<p>Seinen Mitarbeitern war Flamm ein sehr guter Vorgesetzter. Er bem\u00fchte sich, sie nicht nur fachlich zu f\u00f6rdern, sondern auch ihre berufliche Laufbahn g\u00fcnstig zu beeinflussen. Alle von ihm beantragten Ordinariate und Extraordinariate wurden aus ihren Reihen<br \/>\nbesetzt. Einige fanden auch au\u00dferhalb dieser leitende Positionen.<\/p>\n<p>Flamm schied auf eigenen Wunsch mit Ende des Sommersemesters 1991 aus dem aktiven Dienst. Seither befa\u00dft er sich mit der Abfassung historischer Untersuchungen aus dem Fach der Hygiene. Die gr\u00f6\u00dfte bisherige historische Forschungsarbeit \u00fcber &#8222;Die ersten Infektions- oder Pest-Ordnungen in den \u00f6sterreichischen Erblanden, im F\u00fcrstlichen Erzstift Salzburg und im Innviertel im 16. Jahrhundert&#8220; gab die \u00d6sterreichische Akademie der Wissenschaften 2008 als Buch heraus.<\/p><\/blockquote>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/swieten1d.jpg\" alt=\"swieten1d.jpg\" \/><br \/>\nBitte zitieren als<br \/>\nVAN SWIETEN BLOG: Informationen der Universit\u00e4tsbibliothek der Med Uni Wien,<br \/>\nNr. 1416 [26.02.2009].<br \/>\nOnline unter der URL: https:\/\/ub-blog.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=1416<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe LeserInnen des Van Swieten Blogs ! Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. h.c. Heinz FLAMM, langj\u00e4hriger Leiter des Instituts f\u00fcr Hygiene, hat sich bereit erkl\u00e4rt, als Gastautor im Van Swieten Blog von seinen medizinhistorischen Studien zu berichten. \u00dcber Univ. Prof. Dr. med Dr. med. h.c. Heinz FLAMM Heinz Flamm wurde am 3. Juli 1929 in &hellip; <a href=\"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/?p=1416\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Neuer Gastautor: Univ.-Prof. Dr.med. Dr. med. h.c. Heinz FLAMM<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1,33,2,16],"tags":[],"class_list":["post-1416","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines","category-gastbeitrage","category-news","category-news1"],"views":41630,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1416","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1416"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1416\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ub.meduniwien.ac.at\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}