Die "Josephinische Bibliothek" bildet mit ihren über 7.500 Werken (ca.11.500 Bänden) den historischen Kern der medizingeschichtlichen Bibliothek am Institut für Geschichte der Medizin. Sie wurde ursprünglich als Lehrbibliothek für die von Joseph II. begründete "Medicinisch – chirurgische Akademie" in dem nach ihm benannten Josephinum eingerichtet. Vermehrt wurde der Bestand noch durch private Sammlungen von Professoren, unter denen insbesondere Max Neuburger (1868-1955) als dritter Lehrkanzelinhaber am Institut für Geschichte der Medizin zu nennen ist.
Die Josephinische Bibliothek ist in einem eigenen Raum aufgestellt und wurde in den Jahren 1962-1965 erstmals systematisch in einem Katalog erfasst. Zu den damals katalogisierten Bänden kamen später noch weitere Schenkungen, sodass trotz der während der Kriegsjahre entstandenen Verluste diese Sammlung wertvoller alter medizinischer Werke eine überaus reiche und bedeutende Quelle für die medizinhistorische Forschung darstellt.
Die ursprüngliche Josephinische Lehrbibliothek sollte alle berühmten medizinischen Autoren von Hippokrates, Galen und den Arabern bis zu den zeitgenössischen Ärzten des 18. Jahrhunderts umfassen. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt aber doch auf der Literatur der Medizin und der angrenzenden Gebiete aus dem 17/18. Jahrhundert, da diese Bücher die Grundlage für den medizinischen Unterricht bildeten. Neben der Literatur zu sämtlichen Gebieten der Medizin (besonders zur Anatomie, Chirurgie und Internen Medizin) sind auch die Botanik, Zoologie, Mineralogie, Astrologie und Alchemie vertreten. Weiters finden sich zahlreiche Werke über Geburtshilfe und Gynäkologie, eine große Abteilung pharmakologischer Werke und – wie in einer Lehrbibliothek für auszubildende Militärärzte nicht anders zu erwarten- Schriften zum Militärsanitätswesen, epidemiologische Monographien sowie Schriften zur Veterinärmedizin, insbesondere zur Pferdeheilkunde.
Als älteste Werke im Bestand sind ein Buch über die Pest (Bologna 1478) "De peste" von Jacobus Soldi sowie 20 vor dem Jahr 1520 erschienene Inkunabeln und Frühdrucke zu nennen.
Die Josephinische Bibliothek ist international bekannt und stellt ein vielbenütztes Instrument medizinhistorischer Forschung dar. Einzelne Werke aus der Josephinischen Bibliothek sind immer wieder als Exponate für Ausstellungen gefragt. Grundsätzlich stehen alle Werke der Josephinischen Bibliothek als Exponate für Ausstellungen zur Verfügung, allerdings mit folgenden Ausnahmen:
- das Werk ist vorübergehend nicht greifbar (z.B. weil es sich zur Restaurierung außer Haus befindet)
- es ist beschädigt und so beschaffen, dass es sich für Ausstellungszwecke nicht eignet, oder
- es stammt aus NS-Raubgut und wird im Rahmen des Projekts "Provenienzforschung" bearbeitet.
Das bekannte Buch von Andreas Vesal (1515 - 1564) » "De humani corporis fabrica libri septem" wurde von der Restaurierwerkstätte des Österreichischen Staatsarchives restauriert. Dies wurde durch eine Buchpatenschaft der TeilnehmerInnen der "Josephinum Lectures" ermöglicht. Nach vollständiger "Genesung" kehrte es an die Med Uni Wien zurück.
Am 31. 1. 2006 wurde das Buch vom Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchives an die Med Uni Wien gebracht und Rektor Prof. Wolfgang Schütz übergeben.
» Fotos im Van Swieten Blog
» Restaurierung von
JB 3845 "Der Schwangerenn frawen und Hebammen Rosengarte" und
JB 3846 "Daraus man alle Heimligkeit deß Weiblichen Geschlechts erlehrnen" in der Restaurierwerkstatt des Österreichischen Staatsarchivs im September 2006.
Für die Restaurierung beider Titel hat die Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien die Kosten übernommen.
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