|
Info
PROVENIENZFORSCHUNG
AN DER UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK DER MEDIZINISCHEN UNIVERSITÄT WIEN
I.
Projektgrundlagen
II. Das Projekt und die bisherigen Projektergebnisse
III. Restitutionsfälle und Restitutionsdossier
IV. Durchgeführte Restitutionen
I.
Projektgrundlagen:
Während
des nationalsozialistischen Regimes, besonders aber während der Zeit des
Zweiten Weltkrieges, wurden Kulturgüter aller Art enteignet, geraubt, durch
Zwang veräußert, verschleppt, umverteilt und damit unrechtmäßig
angeeignet. Akteure und Profiteure dieses Raubes waren auch Bibliotheken.
Die Universitätsbibliothek
der Medizinischen Universität Wien startete im Mai 2007 ein Provenienzforschungsprojekt,
um ihre Bibliotheksbestände systematisch nach bedenklichen Erwerbungen
zu untersuchen, sie zu erfassen und deren frühere Besitzverhältnisse
zu rekonstruieren. Ziel ist es, damit die Grundlage für die Restitution
an die rechtmäßigen Besitzer bzw. deren Erben oder Rechtsnachfolger
vorzubereiten.
Neben der Überprüfung
und Feststellung der nach 1938 unrechtmäßig erworbenen Buchbestände
wird die Frage der Form der Erwerbungspolitik bzw. der Nutznießerrolle,
sowie der aktiven oder passiven Involvierung von Klinik- und Institutsbibliotheken
und der Akteure in den medizinisch-bibliothekarischen Organisationsstrukturen
im NS-Raubsystem im Mittelpunkt des Projektes stehen.
Das Projekt folgt
den entsprechenden rechtlichen Grundlagen, Richtlinien und Vorgaben, wie sie
in den „Washingtoner Prinzipien“ und im österreichischen Kunstrückgabegesetz
1998 formuliert wurden.
II.
Das Projekt und die bisherigen Projektergebnisse:
Im Frühjahr 2007 wurde vom Projektleiter Dr. Walter Mentzel ein Forschungs-
und Projektkonzept erstellt, das vier Arbeitsbereiche umfasst.
1. Die vollständige
Durchsicht der Bibliotheksbestände der Universitätsbibliothek der
MUW zur Feststellung der während des Nationalsozialismus an die Klinik-
und Institutsbibliotheken der vormaligen Medizinischen Fakultät der Universität
Wien gelangten Raubgüter. Parallel dazu die Identifizierung der ursprünglichen
Eigentümer
2. Historische Analyse und Rekonstruktion der Raubprozesse, der darin involvierten
Institutionen, Unternehmungen, Personen insbesondere jene der medizinischen
Organisationseinheiten und Personen der ehemaligen Medizinischen Fakultät
der Universität Wien.
3. Erstellung der Dossiers für die Restitution, sowie die für die
Einleitung der Restitution der identifizierten Raubgüter notwendige Erbennachforschung.
4. Autopsie der am Institut für Geschichte der Medizin vorhandenen Sammlungen
unter den unter Punkt 1 und 2 vorgestellten Vorgaben.
Teilnahme an Tagungen und Konferenzen
· 25./26.
März 2008: „Bibliotheken in der NS-Zeit Provenienzforschung und Bibliotheksgeschichte“
– Veranstaltet von der Universitätsbibliothek Wien, der Wienbibliothek
im Rathaus, der Vereinigung österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare
und der Gesellschaft für Buchforschung in Österreich. Referenten:
Harald Albrecht/Bruno Bauer.
· 28.-31 Mai 2008: 7. Österreichische Zeitgeschichtetag in Innsbruck.
„Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek der Medizinischen
Universität Wien – Medizinische Bibliotheken in Wien zwischen 1938
und 1945.“ Referent: Harald Albrecht.
· 16.9.2009: 30. Österreichischer Bibliothekartag: „Medizinische
Bibliotheken und ihre Rolle im NS-Bücherraub“. Referenten Walter
Mentzel, Harald Albrecht. -->LINK
Weitere Aktivitäten (Öffentlichkeitsarbeit):
· Interview mit Dr. Walter Mentzel in den MUW – Ausgabe: Februar
2008.
· Stumme Zeitzeugen. - In: Homepage der Med Uni Wien - Top Stories, 13.03.2008.·
· Bericht zum Provenienzforschungsprojekt, in: Science.ORF/APA vom 20.
März 2008.-->
LINK
· Bericht zum Provenienzforschungsprojekt, in : Ö1 „Dimensionen
– Die Welt der Wissenschaft“ (1. April 2008). „Ein Beitrag
über das Provenienzforschungsprojekt an der MUW mit Mag. Bruno Bauer und
Dr. Walter Mentzel“.
· Der Standard, vom 2. Juli 2008 unter „Forschung Spezial“
mit dem Titel: „Autopsie am Bücherregal“.-->
LINK
· Teilnahme an der Reihe: „Wien liest. Treffpunkt Bibliotheken“.
22. Oktober 2008. Ort: Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität
Wien: (Referenten: Walter Mentzel/Harald Albrecht)
· Weiters
wurden bisher von den Projektbearbeitern die Ergebnisse des Forschungsprojektes
publiziert. -->LINK
· Vortrag
in der Lehrveranstaltung (Proseminar – Germanistik: Lehrveranstaltungsleiter
Dr. Stefan Alker) am 17. Jänner 2010 zum Thema Provenienzforschung an Bibliotheken.
·
Laufende Teilnahme des Projektleiters und des Mitarbeiters als kooptierte Mitglieder
der „Arbeitsgemeinschaft NS-Provenienzforschung“ im Rahmen der „Vereinigung
Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare“ (VÖB).
-->LINK
In Vorbereitung:
Teilnahme am Vierten Hannoverschen Symposium „NS-Raubgut in Museen, Bibliotheken
und Archiven (9.-11. Mai 2011) Thema des Vortrages: NS-Antiquariate und ihre
Rolle im NS-Bücherraub in Wien – Ein Teilprojekt
des Projektleiters im Rahmen der Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek
der Medizinischen Universität Wien -->LINK
Projektergebnisse
(Stand Jänner 2011)
Als mit Abstand
größter Profiteure am NS-Bücherraubgut an der ehemals Medizinischen
Fakultät konnte das Institut für Geschichte der Medizin verifiziert
werden. Die Bucherwerbungen des IGM erfolgten grundsätzlich über den
Ankauf aus dem Antiquariatshandel. Hinsichtlich des Zeitraumes der Erwerbung
von bedenklichen oder geraubten Büchern konnten wir feststellen, dass diese
– unterbrochen von einer kurzen Periode im Jahre 1945 – bis weit
in die 1950er Jahre hinein erfolgte. Etwa ein Drittel aller als bedenklich eingestuften
Bücher stammen aus Erwerbungsvorgängen nach 1945. Der Grund für
diese Kontinuität lag an den vom 1945 neubestellten und bis 1960 wirkenden
Institutsleiter Leopold Schönbauer fortgesetzten Geschäftverbindungen
zu „ehemaligen“ Wiener NS-Antiquariaten. Schönbauer pflegte
schon während des Krieges den Kontakt zum Leiter des IGM Fritz Lejeune.
| ffffffffffffffff |
Bisher
wurden an der Bibliothek des Institutes für Geschichte der Medizin
zirka 180.000 Bücher autopsiert.
Davon wurden 2116 Bücher als „bedenkliche“ Erwerbungen
eingestuft
Als definitiv geraubt und als restitutionsfähig wurden 237 Signaturen/252
Bücher erklärt.
Insgesamt wurden unter den als geraubt erklärten Büchern
36 verschiedene Provenienzen ermittelt. |
ffffffffffffffff |
|
(Stand
Jänner 2011)
III. Restitutionsfälle:
Bücher aus den Privatbibliotheken:
Fernand Mercedes-Jellinek
Richard Löwi
Lily Fuchs
Sigmund Sonnenthal
Stefan Auspitz
Julius Drey
Erwin Feldmesser
Siegmund Kreuzfuchs
Adolf Kronfeld
Max Berger
Heinrich Adler
Julius Flesch
Leopold Freund
Wilhelm Stekel
Heinrich Rosenberg
Alois Pick
Albert Moll
Bücher
aus den Beständen „arisierter“ oder „liquidierter“
Antiquariate und Buchhandlungen
Antiquariat Alois Fantl
Antiquariat Hans
Peter Kraus
Antiquariat Halm
& Goldmann
Buchhandlung
Hans Amon
Antiquariat Philipp
Suschitzky
Antiquariat Richard
Steckler
Antiquariat Josef
Safar
Bücher aus den Besitz vertriebener oder ermordeter Ärztinnen der ehemals
Medizinischen Fakultät
Maximilian Weinberger
Otto Fürth
Wolfgang Pauli
Markus Hajek
Carl
Julius Rothberger :– Restitution durchgeführt im Dezember 2010-->
Alfred Arnstein
Siegmund Erdheim
Ernst Freund
Hans Mauthner
Egon Ranzi
Bücher
aus öffentlichen, vereins- oder sonstigen Bibliotheken:
Bibliothek Sassenbach
Bibliothek Dresden
Ortskrankenkasse
Bibliothek Akademischer
Verein jüdischer Medizin
Bücher ungeklärter
Provenienz aus Raubgütern der Gestapo Wien (französischsprachige
medizinische Literatur)
IV. Durchgeführte Restitutionen:
 |
xxxxxxx
|


|
xxxxxxx
|

|
xxxxxxx
|

|
xxxxxxx
|
X
X
X
X
X
X
X
X
X
X
X
X
X
|