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Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [27]: Wertheim, Zacharias: Versuch einer medicinischen Topographie von Wien. Wien: Bey Kupffer & Wimmer 1810.

Wertheim, Zacharias: Versuch einer medicinischen Topographie von Wien. Wien: Bey Kupffer & Wimmer 1810.

Text: Dr. Walter Mentzel

1810 erschien bei Kupfer & Wimmer ein 458 Seiten umfassendes Werk des Wiener Augenarztes Zacharias Wertheim unter dem Titel „Versuch einer medicinischen Topographie von Wien.“ Diese Arbeit, die er dem Stadt-Pyhsikus von Wien und Landes-Protomedicus der niederösterreichischen Regierung, Vincenz Peter Anton Guldner von Lobes (1762-1827), widmete, galt bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein als Standardwerk zur medizinischen Versorgung Wiens und deren medizinischen Einrichtungen.

Zacharias Wertheim wurde am 5. Juli 1780 als Sohn von Samson Simon Samuel Wertheimer (1739-1810) und Karoline „Schönele“ (1741-1816), geborene Neustadtl, in Wien geboren. Seine Familie lebte bereits in der fünften Generation in Wien und stammte ursprünglich aus Worms, wo sie bis in das 16. Jahrhundert nachweisbar ist. Wertheim war mit Johanna (1792-1864), geborene Baruch verheiratet, mit der er acht Kindern hatte, darunter den Chemiker Theodor Wertheim (1820-1864), den Physiker Wilhelm Wertheim (1815-1861) und Gustav Wertheim (1822-1888), der als Professor für Dermatologie und Syphilis sowie als Primarius an der Rudolfstiftung tätig war und in Wien eine Heilanstalt besaß.

Wertheim studierte an der Universität Wien Medizin, promovierte 1802 zum Doktor der Medizin und war ein Schüler von Johann Peter Frank (1745-1821). Nach Abschluss seines Studiums folgten weitere Studienjahre an Universitäten im Ausland u.a. über längere Jahre in Göttingen. Nach seiner Rückkehr nach Wien war er nach dem fünften Koalitionskrieg zwischen Österreich und Frankreich im Jahr 1809 während einer Typhusepidemie an der ungarischen Grenze als Arzt tätig. Ein Jahr darauf veröffentlichte er seine „medicinische Topographie von Wien“. 1816 wurde er zum Primararzt an das Israelitischen Spital in Wien berufen, wo er bis zu seinem Tod arbeitete und als dessen Leiter fungierte.

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Zacharias Wertheim: Lithographiertes Portrait eines Ölgemäldes von Georg Decker. Hergestellt anlässlich des 50-Jahrjubiläums der Verleihung der Titels Doktor Med. 1852.

Wertheim war Mitglied des Doktoren-Kollegiums und seit deren Gründung 1837 Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien. Zacharias Wertheim verstarb am 31. Dezember 1852 in Wien.

Über ihn verfasste Nekrologe erschienen in der Wiener medizinischen Wochenschrift[1] sowie in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums.[2]

Wertheim, Zacharias: Versuch einer medicinischen Topographie von Wien. Bey Wien: Kupffer & Wimmer 1810.

Wertheim schuf mit dieser Arbeit erstmals eine „medizinische Topografie“ für Wien, wie sie zu dieser Zeit nur für Städte wie Berlin und Hamburg vorlagen. Wertheim konnte für seine Arbeit nur auf wenige Statistiken und Vorarbeiten zurückgreifen, vielmehr versuchte er selbst die ihm notwendig erscheinenden Daten zu erheben. Das Buch enthält sechs Kapitel, die sich in zwei Themenbereiche gliedern. In den ersten Kapiteln (Klima, Bevölkerung Wiens, Physische und moralische Bildung, Speisen und Getränke) werden die Resultate seiner Beobachtungen zur Stadt und Bevölkerung Wiens dargestellt. In den beiden letzten Abschnitten wird auf die Beschaffenheit des Gesundheitswesens, die geläufigen Krankheitsformen und deren Häufigkeiten, das „Medicinal- und Armenwesen“, die Entwicklung der Medizinischen Fakultät und das Universitätsleben, die Organisation des Gesundheitswesens, die Kliniken, das Zwangs- und Arbeitswesen sowie die Besserungsanstalten, Waisen- und Gebärhäuser, Irrenanstalten, Taubstummen-Institute und Spitäler (Siechenhäuser) skizziert.

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Titelblatt: Wertheim: Versuch einer medicinischen Topographie von Wien: 1810.

Das Buch ist im Stil einer Reportage geschrieben und stellt die Stadt Wien und ihre Bevölkerung am Beginn des 19. Jahrhunderts und ihre diversen gesellschaftlichen Schichten, Milieus und Bevölkerungsgruppen aus ethnologischer, kulturalistischer und sozialpsychologischer Perspektive, mit durchaus gesellschaftskritischen – häufig humoristisch versehenen – Bemerkungen dar. Im Mittelpunkt seiner Beobachtungen steht das Alltagsleben der Bevölkerung, deren Lebensbedingungen und -gewohnheiten, sowie die Wohnverhältnisse aber auch die städtebauliche Beschaffenheit Wiens in Wechselwirkung zu den medizinischen und gesundheitlichen Verhältnissen. Insgesamt stellt diese Arbeit eine umfassende Beschreibung der Stadt und Bevölkerung Wiens um 1800 und damit eine frühe Kultur- und Sozialgeschichte Wiens unter besonderer Berücksichtigung der hygienischen und sanitären Verhältnisse der Stadt dar.

Quellen:

Taufbuch/Konversion, Rk, Erzdiözese Wien, 4. Bezirk, St. Karl Borromaeus, 1859, Folio 119, Wertheim Gustav.

UAW, Rigorosenbände des Dekanats für Chirurgen, Pharmazeuten und Hebammen, Med. 9.5 Doktoren der Medizin 1752 – 1821, Wertheim Zacharias (Promotion Datum, 13.4.1892).

Friedhofsdatenbank der IKG Wien, Wertheim Zacharias (31.12.1853, Friedhof Währing, Gruppe 652, reihe 2, Grab 198a)

Vaterländische Blätter. 2.5.1812. S. 213-216.

Medizinisch-chirurgische Zeitung. Nr. 8. 28.1.1811. S. 129-131.

Literaturliste:

Wertheim, Zacharias: Versuch einer medicinischen Topographie von Wien. Mit fünf Tabellen. Wien: Bey Kupffer & Wimmer 1810.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Josephinische Bibliothek, Sign.: JB-5634]

Wertheim, Leopold: Die Doktorjubiläums-Feier des Herrn Zacharias Wertheim. Mitglied des Doctoren-Collegiums der med. Facultät, der k.k. Gesellschaft der Aerzte, Primararzt am Spitale der israelitischen Cultus-Gemeinde in Wien. Am 20 Juli 1852Wien: Druck von U. Klopf sen. & Alex. Eurich 1852.

[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Neuburger Bibliothek, Sign.: 40291]

Keywords:

Israelitisches Spital Wien, Medizinische Topografie, Sozialgeschichte, Zacharias Wertheim

[1] Wiener medizinische Wochenschrift. 1.1.1853. Sp. 27-28.

[2] Allgemeinen Zeitung des Judenthums. 31.1.1853. S. 69.

Normdaten (Person) Wertheim, Zacharias: BBL: 27749; GND: 122721012

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Bitte zitieren als VAN SWIETEN BLOG der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien, BBL: 27749 (18.05.2017); Letzte Aktualisierung: 2022 05 30
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