Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [22]:Grünfeld, Josef: Die Endoskopie der Harnröhre und Blase. Mit 22 Holzschnitten und 3 Tafeln in Farbendruck. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1881.

Grünfeld, Josef: Die Endoskopie der Harnröhre und Blase. Mit 22 Holzschnitten und 3 Tafeln in Farbendruck. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1881.

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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Reuter Bibliothek, Sign.: RB-465]

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Abb. 1    Josef Grünfeld. Josephinum – Medizinische Sammlungen, MedUni Wien. Sign.: MUW-FO-IR-001869-0001

Josef Grünfeld (*19.11.1840 Györke/Ungarn (heute: Durkov/Slowakei), gest. 14.05.1910 Wien) stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Kaschau (heute Košice/Slowakei) studierte er Medizin erst an der Universität in Budapest und danach in Wien. Aufgrund seiner schlechten finanziellen Situation, die ihn zwang nebenbei als Lehrer zu arbeiten, verzögerte sich sein Studium, dass er schließlich 1867 mit seiner Promotion zum Dr.med. abschloss. Nachdem er einige Zeit im Wiener Allgemeinen Krankenhaus zuerst an einer chirurgischen, dann an einer internen Abteilung gearbeitet hatte, trat er in Carl Ludwig Sigmunds (1810-1883) Abteilung und späteren Klinik für Syphilidologie und Dermatologie als Assistent ein. Am 9. Oktober 1869 gründete er am Standort des heutigen „Alten AKH“ die Bibliothek des Ärztlichen Lesezimmers im allgemeinen Krankenhause. 1873 eröffnete er seine Arztpraxis in Wien. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und dem an der Medizinischen Fakultät zusehends wachsenden Antisemitismus wurde Grünfeld lange Zeit verwehrt sich zu habilitieren. Erst durch die Intervention Theodor Billroths (1829-1894) konnte er sich 1881 für Dermatologie und Syphilidologie habilitieren. „Erst der Unbefangenheit Billroths und dessen machtvollem Einflusse gelang es, ihm die Wege zu ebnen. Ein wahres Martyrium hatte Grünfeld da zu bestehen, […].“[1] 1885 wurde er zum Abteilungs-Vorstand an der für ihn geschaffenen II. Dermatologischen Abteilung der Wiener Allgemeinen Poliklinik berufen, der er bis zu seiner Emeritierung 1907 vorstand und wo er auch Patienten mit urologischen Erkrankungen betreute.

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Abb. 2 Endoskopische Untersuchung: Grünfeld: Die Endoskopie der Harnröhre und Blase. Stuttgart: 1881. S. 68. „Grünfeld bevorzugt die Lagerung im Sitzen auf einem ‚Speculiertisch‘. Beleuchtung und Position des Endoskops können dabei besser reguliert werden als im Liegen. […] Rädchen an den Tischbeinen lassen den Patienten in das, mittels Heliostat (eines Spiegels am Fensterrahmen) reflektierte Sonnenlicht rücken.“[2]

Josef Grünfeld zählt zu den Pionieren der Endoskopie und Begründer der modernen Harnspiegelung. Noch vor der Einführung der elektrischen Lichtquelle in die Endoskopie durch Max Nitze (1848-1906) konstruierte er ein Zystoskop, das vorne trichterförmig ausgestaltet war und einen Konduktor zur Erleichterung der Einführung in die Harnblase besaß. Ab 1872 entwickelte Grünfeld, inspiriert von Benjamin Tarnowski (1838-1906), einen eigenen Harnröhrenspiegel als reine Lufturethroskopie mit Lichteinspiegelung und demonstrierte seine Methode erstmals am 13.02.1874 in der k.k. Gesellschaft der Ärzte in Wien. 1876 sah er mit seinem Urethroskop erstmals – allerdings nur bei Frauen – die Uretermündung (Harnleitermündung).Er entfernte 1885 als erster kleine Blasentumore durch einen offenen Tubus unter Sicht.

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Abb. 3    Instrumente: Grünfeld: Die Endoskopie der Harnröhre und Blase. Stuttgart: 1881. S. 189.

Zu seinen wichtigsten Werken zählt:

Grünfeld, Josef: Die Endoskopie der Harnröhre und Blase. Mit 22. Holzschnitten und 3 Tafeln in Farbendruck. Stuttgart: Verlag von Ferdinand Enke 1881.
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[Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin/Reuter Bibliothek, Sign.: RB-465]

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Abb. 4    Endoskopische Bilder: Grünfeld: Die Endoskopie der Harnröhre und Blase. Stuttgart: 1881. Tafel III.

Das Exemplar an der Zweigbibliothek für Geschichte der Medizin stammt aus der Reuter Bibliothek, die nach ihrem Dauerleihgeber dem Stuttgarter Urologen Prof. Hans-J. Reuter (1923–2003) benannt ist und eng mit dem sich im Haus befindlichen Museum der Internationalen Nitze-Leiter-Forschungsgesellschaft für Endoskopie verbunden ist. Es handelt sich um eine Spezialbibliothek mit Schwerpunkt Endoskopie (19. und 20 Jhdt.), die 1996 erworben wurde.

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Abb. 5    Exlibris: Hans Joachim Reuter

„Physicians from all over the world visited the Polyclinic to be taught endoscopy by Joseph Grünfeld. Among his many contributions, the most important are Der Harnröhrenspiegel (das Endoskop), seine diagnostische und therapeutische Anwendung (“The urethroscope (endoscope), its diagnostic and therapeutic use”), Vienna 1877, and Die Endoskopie der Harnröhre und Blase (“Endoscope of the urethra and the urinary bladder”), Stuttgart, 1881.“[3]

Vgl. dazu: Aus den medizinhistorischen Beständen der Ub MedUni Wien [3]: Das „Ärztliche Lesezimmer im Allgemeinen Krankenhaus in Wien“ als Vorgängerinstitution der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien und ihr Gründer und Initiator Prof. Josef Grünfeld. https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?p=26565

Quellen:

Homepage: European Museum of Urology. Stand: 27.03.2017.
http://history.uroweb.org/biographies/gruenfeld-josef/

Reuter, Matthias A.: Geschichte der Endoskopie. Handbuch und Atlas Band 1-4. Stuttgart und Zürich: Karl Krämer Verlag 1998.

Lesky, Erna: Die Wiener medizinische Schule im 19. Jahrhundert. Graz und Köln: Verlag Hermann Böhlaus Nachf. 1965.

Klein-Bäringer, Salomon: Privatdozent Dr. Josef Grünfeld. 1840-1910. Separatabdruck von: Medicinische Blätter. Wochenschrift für die gesamte Heilkunde. (26) 1910. Wien: Verlag der „Medicinischen Blätter“ 1910.

Text: Harald Albrecht

[1] Klein-Bäringer, Salomon: Privatdozent Dr. Josef Grünfeld. 1840-1910. Separatabdruck von: Medicinische Blätte. Wochenschrift für die gesamte Heilkunde. (26) 1910. Wien: Verlag der „Medicinischen Blätter“ 1910. S. 3.

[2] Reuter, Matthias A.: Geschichte der Endoskopie. Handbuch und Atlas Band 1-4. Stuttgart und Zürich: Karl Krämer Verlag 1998. S. 63.

[3] Homepage: European Museum of Urology. Stand: 27.03.2017. http://history.uroweb.org/biographies/gruenfeld-josef/

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